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Europäische Halbfinale bei IIHF WM

von Stefan Herget / NHL.com

USA - Tschechien 3-4 (1-1/3-0/0-2)

Einen einem Viertelfinale würdigen Schlagabtausch lieferten sich die tschechische Auswahl mit dem Team USA am Donnerstagnachmittag in der Chizovka Arena. Am Ende hatte die Mannschaft von Vladimir Ruzicka mit 4-3 Toren knapp die Nase vorn und machte damit den Einzug in das WM-Halbfinale perfekt. Von der ersten Spielminute an war zu spüren, dass sich die Kontrahenten in diesem Match nichts schenken werden. Gleich von der ersten Strafzeit der Tschechen in der 7. Spielminute profitierte die US-Auswahl und ging durch Brock Nelson mit 1-0 in Front. Die Freude über das Führungstor währte jedoch nur 2 1/2 Minuten, ehe sich US-Schlussmann Tim Thomas zum ersten Mal geschlagen geben musste. Mit dem Unentschieden ging es in die erste Pause.

Richtig turbulent wurde es im Mittelabschnitt. Der Teamkapitän der Nordamerikaner, Justin Abelkader, handelte sich in der 27. Minute eine 5-minütige plus eine Spieldauerdisziplinarstrafe wegen eines unkorrekten Körperangriffs gegen Vladimir Sobotka nach dessen Schuss ein. Abelkaders Aktion sollte letztendlich die Partie zu Gunsten der Tschechen vorentscheiden. Tomas Hertl und Roman Cervenka nutzten die daraus resultierende nummerische Überlegenheit um auf 3-1 davonzuziehen. Als dann auch noch der tschechische Verteidiger Ondrej Nemec im Powerplay traf, schien die Begegnung endgültig klar.

Die US-Amerikaner steckten aber keineswegs auf. Im Gegenteil: Im Schlussabschnitt tauchten sie immer wieder gefährlich vor Alexander Salak im Kasten der Tschechen auf und erarbeiteten sich eine Torchance nach der anderen. Belohnt für ihren Einsatz wurden sie durch einen Doppelschlag von Tyler Johnson innerhalb von 13 Sekunden, als nur noch eine gute Minute zu spielen war. Nun stand die Partie doch noch auf der Kippe. Die Osteuropäer konnten jedoch mit Mann und Maus ihren knappen Vorsprung über die letzten 57 Sekunden retten.

Russland - Frankreich 3-0 (1-0/1-0/1-0)

David gegen Goliath unter diesem Vorzeichen stand die zweite Viertelfinalpartie der IIHF Eishockey-WM an diesem Nachmittag. Die in der Vorrunde punktverlustfreie russische Auswahl hatte gegen die Überraschungsmannschaft aus Frankreich anzutreten. Die Sbornaja sollte aber angesichts dessen, dass sie sich bei der Weltmeisterschaft im Vorjahr den Franzosen geschlagen geben mussten, gewarnt gewesen sein. Ein solches Missgeschick sollte ihnen kein zweites Mal passieren. Von der ersten Minute an waren sie ihrem Gegner spielerisch hoch überlegen und erarbeiteten sich immer wieder gute Einschussmöglichkeiten. Die französische Auswahl setzte dem viel Einsatz entgegen.

Ihr durchaus hoch zu schätzendes Engagement war aber am Ende zu wenig, um den Sieg der Russen wirklich zu gefährden, die in jedem der drei Drittel einmal ins Schwarze trafen. Einen WM-Einstand nach Maß erwischte Evgeni Malkin, der nach dem Playoff-Aus der Pittsburgh Penguins die Reise nach Minsk angetreten hatte. Malkin (21.pp) kam beim 3-0 Pflichtsieg in einer Reihe mit Nikolai Kulyomin und Viktor Tikhonov stürmend zu einem Powerplaytreffer und einem Assist. Auch die beiden anderen Torschützen der Russen, Artyom Anisimov (5.) und Alexander Kutuzov (48.), schossen jeweils ihr erstes Turniertor.

Kanada - Finnland 2-3 (0-1/2-0/0-2)

Gerade noch so, mit nur einem Zähler Vorsprung gegenüber den Letten, hatte sich die finnische Nationalmannschaft für das Viertelfinale qualifiziert, in dem sie heute auf die hoch favorisierte kanadische Auswahl trafen, die sich relativ souverän durch die Vorrunde gespielt hatte. Nach 60 hoch spannenden Minuten stand fest, dass in diesem Jahr kein nordamerikanisches Team unter den letzten vier Mannschaften steht, die am Wochenende um die Medaillen kämpfen werden.

Wie nicht anders zu erwarten, setzten die Skandinavier auf ihre Defensivqualitäten und versuchten mit viel Arbeit am Mann den Kanadiern das Leben schwer zu machen. Gleich bei ihrer ersten Überzahlsituation, es waren noch keine sieben Minuten absolviert, brachte sie Olli Palola (7.pp) mit 1-0 in Front. Diesen knappen Vorsprung konnten sie, trotz einiger Strafzeiten, die sie sich einfingen, in die erste Pause hinein retten. Im Mittelabschnitt konnten die Ahornblätter noch einen Gang zulegen und das Kommando übernehmen, auch weil ihnen nun deutlich mehr Freiraum von den Finnen gewährt wurde. Folgerichtig konnten Kyle Turris (26.) und Mark Scheifele (33.) die kanadischen Farben in Führung schießen.

Einen Traumstart erwischten die Suomi im Schlussdrittel. Es waren gerade einmal 28 Sekunden gespielt, als Juuso Hietanen (41.) der Ausgleichstreffer gelang. Hernach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch mit Torchancen hüben wie drüben. Das Siegtor gelang schließlich Liro Pakarinen (57.) als noch 188 Sekunden auf der Uhr standen. Die Kanadier nahmen zwar 1 1/2 Minuten vor Spielende noch Ben Scrivens zu Gunsten eines weiteren Feldspielers aus dem Kasten, ein Erfolg dieser Maßnahme blieb ihnen aber verwehrt.

Schweden – Weißrussland 3-2 (1-0/1-2/1-0)

Der Gastgeber traf im letzten Duell des Tages im mit Spannung erwarteten Spiel auf den Favoriten aus Schweden. Trotz der Unterlegenheit im spielerischen Potenzial rechneten sich die Weißrussen auch aufgrund der frenetischen Anfeuerung der Zuschauer in Minsk eine Chance aus.

Die Skandinavier begannen jedoch ihrer Favoritenrolle vollends gerecht zu werden. Das Spielgeschehen spielte sich nahezu im Drittel der Weißrussen ab und nur selten kamen die Osteuropäer zu Entlastungsangriffen. Insofern konnten sie sich nicht beklagen, dass sie nur einen Gegentreffer durch Nicklas Danielsson in der 14. Spielminute hinnehmen mussten.

Das Bild änderte sich nach dem Wechsel, als die Hausherren plötzlich engagierter wurden und die Partie offener gestalten konnten. Die Halle tobte, als erst Geoff Platt in der 26. Minute zum 1-1 ausgleichen konnte und dann Alexei Yefimenko in der 35. Minute sogar den 2-1 Führungstreffer markieren konnte. Als jedoch gut drei Minuten später Alexander Kitarov wegen Hakens auf die Strafbank musste, nutzten die Schweden ihre Überzahl durch Jimmie Ericsson in der 38. Minute zum 2-2 Ausgleich. So ging es in die zweite Pause.

Die Begegnung stand nun auf des Messers Schneide und es ging im Schlussabschnitt hin und her bis es schließlich sogar dramatisch wurde. Zunächst verpassten die Weißrussen ein Powerplay zu nutzen, dann erhielt Kapitän Alexei Kalyuzhny nach einem Foul von Mattias Ekholm einen Penalty zugesprochen. Auf der Uhr stand die 53. Spielminute. Kalyuzhny hielt dem Druck nicht stand und vergab die große Chance. Nicht einmal eine Minute später, nämlich 57 Sekunden danach, traf ausgerechnet der vorherige Übeltäter Verteidiger Ekholm, indem er das Netz umkurvte und schließlich mit seinem Schuss die entscheidende Lücke zur erneuten Führung der Gelb-Blauen fand.

Die Weißrussen versuchten zwar noch einmal alles, aber die Schweden waren letztendlich zu clever, sich diesen Vorsprung noch einmal nehmen zu lassen. Der Gastgeber kann erhobenen Hauptes das Turnier beenden, insbesondere weil bereits heute mit 582.032 Fans, die bisher live im Stadion waren, ein neuer Zuschauerrekord für eine Weltmeisterschaft, aufgestellt wurde. Die vorherige Bestmarke stammte aus dem Jahr 2004 in Tschechien.

Im Halbfinale am Samstag kommt es damit zu folgenden Partien:

Russland gegen Schweden und Tschechien gegen Finnland

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