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Erinnerungen an das 'Heritage Classic' 2003

Das erste Freiluftspiel der NHL fand zwischen den Edmonton Oilers und den Montreal Canadiens statt

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

An diesem Wochenende steht uns das '2016 Tim Hortons Heritage Classic' in der NHL ins Haus. In diesem Jahr treffen am kommenden Sonntag, dem 23. Oktober 2016, die gastgebenden Winnipeg Jets auf die Edmonton Oilers. Bereits am Samstag wird im Rahmen dieser Veranstaltung abermals auch ein mit Spannung erwartetes Ehemaligenspiel stattfinden, wo u.a. Superstars des Eishockeys wie Dale Hawerchuk und Teemu Selanne auf Seiten der Jets und Wayne Gretzky, sowie Mark Messier für die Auswahl der ehemaligen Oilers antreten werden. Stattfinden wird das Ganze übrigens im Investor Group Field zu Winnipeg.

Inzwischen sind uns Freiluftspiele auf NHL-Niveau ja schon relativ vertraut, finden sie doch seit ein paar Jahren in jeder Saison statt. Das war jedoch längst noch nicht immer so.

Als im Jahre 2003 die Edmonton Oilers die Montreal Canadiens zur Premiere in Alberta unter freiem Himmel empfingen, da war es tatsächlich noch das erste reguläre NHL-Spiel unter freiem Himmel, und es sollte letztendlich auch ein wahrlich denkwürdiger Abend werden.

Terminlich lag die Veranstaltung im Jahre 2003 noch etwas später im Jahr, genauer gesagt war es damals der 22. November, als sich im Commonwealth Stadium über 57.000 Zuschauer versammelten um Zeuge dieses historischen Eishockey-Ereignisses zu werden.
Der Wettergott meinte es seinerzeit jedoch nicht gut mit allen Beteiligten, herrschten damals rund um den geplanten Spieltag doch unglaublich niedrige Temperaturen in der Gegend. Minus 18 Grad waren es, mit 'Windchill Faktor' gefühlte -28 Grad Celsius, als die kleidungstechnisch gut eingepackten Spieler die fröstelnden Zuschauer auf den Rängen im weiten Rund möglichst gut zu erwärmen versuchten.

Lange war im Vorfeld der Begegnung unklar geblieben, ob das Spiel unter diesen erschwerten Bedingungen überhaupt würde stattfinden können. Man entschied sich damals er zumindest zu versuchen. Nicht wenige Beobachter rechneten jedoch damit, dass die Begegnung nicht über die volle Distanz geführt werden könnte, da es im Laufe des Abends natürlich immer weiter abkühlen würde, zudem mit Schneefällen gerechnet wurde.
Es kam zum Glück anders, die Partie konnte regulär durchgeführt werden, die NHL somit ein erfolgreiches Freiluftdebüt feiern.

Die Veranstaltung war dabei im Rückblick so erfolgreich, dass daraus inzwischen eine regelmäßige Einrichtung wurde, auf die aktuell kaum noch jemand verzichten mag. Es hat sich durch diesen Startschuss damals ein echter, ein fixer Festtag für alle Eishockeytraditionalisten entwickelt, da vor allem viele Kanadier es eben gewohnt sind, in ihrer Jugend, zunächst im Winter regelmäßig draußen Eishockey zu spielen. Somit ist wohl auch die große Beliebtheit der Veranstaltungen gerade in Kanada dann auch sehr leicht erklärt.

Das Spiel im Jahre 2003 fand seinerzeit übrigens im Rahmen des 25-jährigen Jubiläums der Edomonton Oilers in der NHL statt. Die Franchise spielt bekanntlich seit 1979 in der Liga. Zudem wurde in der laufenden Saison 2003-04 damals in Edmonton auch dem 20. Jahrestag des Gewinns des ersten Stanley Cups der Franchise im Frühjahr 1984 gedacht.

Der Fernsehsender CBC erreichte mit der Übertragung des ersten Heritage Classic damals übrigens in Kanada 2,467 Mio. Zuschauer, der zweithöchste Wert für ein Hauptrundenspiel in der Geschichte, übertrug das Spiel damals erstmalig auch in HD im TV, und man produzierte von der spektakulären Veranstaltung zudem im Nachhinein gar eine Kauf-DVD. So groß war die Beachtung für das erste Freiluft-NHL-Spiel damals.

Spielerisch ging es auf dem Eis zunächst noch recht zögerlich los. Auf der ungewohnt hart gefrorenen Eisfläche tasteten sich beide Teams zunächst ab. Im ersten Spieldrittel waren Höhepunkte somit zunächst noch absolute Mangelware. Größten Unterhaltungswert bot da zunächst noch die Pudelmütze in Vereinsfarben, welche Torhüter Jose Theodore über seiner Torhütermaske trug, und welche auch noch lange Zeit nach dem Spiel vielen Eishockeyfreunden gut in Erinnerung war. Sein Gegenüber im Tor der Westkanadier war übrigens an diesem Abend Goalie Ty Conklyn.

Richard Zednik (21.) spielte dann zu Beginn des Mitteldrittels den kurzfristigen Stimmungstöter für die zu diesem Zeitpunkt noch immer andauernde ausgelassene Eishockey-Party auf den Rängen, als er die Gäste zum Ärger der großen Mehrheit der Fans mit 1:0 in Führung schoss.

Yanic Perreault (31., PP) sorgte beim Großteil der frierenden Fans dann für weitere Stimmungseintrübung, bevor Eric Brewer in der 34. Spielminute dann erstmals den Klassiker 'Kernkraft 400' von der Gruppe 'Zombie Nation' als Tor-Hymne der Gastgeber durch das Stadion schallen ließ und die Hoffnungen der Gastgeber zumindest kurzzeitig wieder frisch beflügelte. Mit dem Ergebnis von 1:2 ging es dann für alle Aktiven erneut zum Aufwärmen in die Katakomben des Stadions.

Doch ein wirkliches Comeback sollte den Hausherren auch im Schlussdrittel an diesem Abend dann nicht mehr gelingen. Zwar konnte man nach dem 1:3 durch einen weiteren Treffer von Yanic Perreault und auch nach dem 2:4 durch Richard Zednik (55.), immer wieder auf einen Eintore-Rückstand zum 2:3 bzw. 3:4 verkürzen, Jarret Stoll (54.) bzw. Steve Staios (55.) waren die Torschützen für die kämpferischen Hausherren, doch zu mehr sollte es an diesem Abend für die Oilers dann eben letztendlich nicht reichen.

Und so endete die Begegnung schlussendlich, sehr zum Verdruss der großen Mehrheit der der Kälte trotzenden Stadionbesucher, mit 3:4 Toren zu Gunsten der Montreal Canadiens.
Und das, obwohl die damals noch von Coach Craig Mac Tavish betreute Oilers-Mannschaft die letzten vier Spiele vor dem Heritage Classic allesamt gewonnen hatte, und die Canadiens ihrerseits zu dieser Zeit aus den letzten 13 Spielen in der Liga ganze eigene 20 Tore zusammenbekommen hatten.

An diesem historischen Abend sollte all dies dann keine wirkliche Bedeutung mehr haben.

Coach Claude Julien, auf Seiten der Canadiens, behielt damit am Ende des Abends dann auch Recht mit seinen Aussagen von vor dem Spiel, in denen er seine Spieler vor dem Eröffnungsbully mit dem Hinweis zu motivieren versuchte, dass es doch letztendlich viel mehr Spaß machen würde, wenn man sich an so ein sporthistorisches Ereignis als Sieger des Spiels würde erinnern können. Das hat er mit seinem Team damals letztendlich tatsächlich wunschgemäß erfolgreich umsetzen können.

Die Oilers hingegen müssen sich bis zum heutigen Tage mit der Tatsache trösten, dass ihre Auswahl das Spiel der ehemaligen NHL-Größen im Vorprogramm, welches übrigens nur in zwei Spielhälften a 15 Minuten Spieldauer durchgeführt wurde, mit 2:0 gegen die Montreal Canadiens gewinnen konnte. Zumindest ein kleines Trostpflaster damals und auch noch heute für alle Oilers-Fans, wenn man zurück an das erste Heritage Classic im Jahre 2003 denkt. .

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