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Eric Lindros polarisierte

Mit ihm wird nun einer der meistdiskutierten Center der Ligageschichte in die HHOF aufgenommen

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Wie immer Anfang November wird die Hockey Hall of Fame auch in diesem Jahr neue Persönlichkeiten des Eishockeys in die Ruhmeshalle aufnehmen. Die Gala hierzu findet am 14. November in Toronto statt. Wir ehren die Ausgezeichneten durch eine Berichterstattung über spezielle Themen in dieser Woche.

Unter den in diesem Jahr so geehrten Ex-Aktiven befindet sich auch der ehemalige Center Eric Lindros. Völlig unbestritten sind seine großen Talente. Jedoch war der inzwischen 43-Jährige über Jahre hinweg recht umstritten, teilweise aufgrund seiner Einstellung, teilweise aufgrund seiner Leistungen. Zudem war er aufgrund von häufigen Verletzungen über Jahre hinweg deutlich weniger aktiv in der Liga als man es einem Spieler seiner Kategorie eigentlich aus neutraler Sicht gewünscht hätte.

Werfen wird daher hier und heute einmal einen kurzen Blick zurück auf die wechselvolle Karriere von Lindros, der am Montag mit der Aufnahme in die Hockey Hall of Fame für seine ohne Zweifel ungewöhnliche Laufbahn ganz offiziell in großem Rahmen geehrt werden wird.

Lindros begann seine Karriere als Jugendlicher zunächst bei den Oshawa Generals in der Ontario Hockey League, wo er von 1990-92 spielte. Lindros, bereits im Juniorenalter ein vielbeachtetes Riesentalent, erzielte hier unglaubliche 97 Tore und 119 Assists, insgesamt also 216 Scorerpunkte, in nur 95 Spielen für die Generals. Keine schlechte Bilanz, munkelt man.

In der Ontario Hockey League war er als junger Aktiver zunächst von den Sault Ste. Marie Greyhounds ausgewählt worden. Er weigerte sich jedoch bereits vor dem damaligen "Draft" jemals für diesen Club zu spielen. Somit erzwang er letztendlich bereits zu einem so frühen Zeitpunkt in seiner Karriere einen Wechsel nach Oshawa. Seine ungewöhnliche Entschlossenheit wurde hier bereits erstmals in der Hockeywelt sichtbar. Eine Meinungsstärke welche auch später in seiner Karriere noch an der einen oder anderen Stelle zu teils heftigen Diskussionen führen sollte.

Eine vergleichbare Situation entstand nämlich bereits wenig später erneut, im anstehenden NHL-Draft, als Lindros als Nummer Eins Pick des Jahres 1991, von den Quebec Nordiques gezogen wurde. Das Talent weigerte sich auch in diesem Falle strikt, zu den Nordiques zu wechseln und spielte stattdessen in der folgenden Saison lieber auch noch weiterhin für die Oshawa Generals.

Schließlich wurde er im Jahr darauf zu den Philadelphia Flyers transferiert, für die er dann von 1992 bis 2000, wiederum meist als deren Kapitän, ziemlich erfolgreich spielte. Im Austausch für ihn wechselten damals u.a. so namhafte Aktive wie Peter Forsberg, Ron Hextall, Chris Simon, Mike Ricci, Kerry Huffman und Steve Duchesne von den Flyers zu den Nordiques (den heutigen Colorado Avalanche). Bis heute einer der spektakulärsten Trades der langen NHL-Geschichte.

Lindros' Stärken waren in diesen besonders erfolgreichen Jahren vor allem seine herausragende Physis und seine häufig recht aggressive Spielweise.

Aufgrund diverser Verletzungen gelang es ihm aber selbst in diesen Jahren seiner Karriere nicht, der Erwartungshaltung sich mit den allerbesten des Sports wie Wayne Gretzky und Mario Lemieux dauerhaft vergleichen zu können, zu erfüllen.

In der Saison 1994-95 gewann er dann die Hart Memorial Trophy als wertvollster Spieler der Liga.

Enttäuschend verlief für ihn und sein Team in Philadelphia hingegen dann das herbeigesehnte Stanley Cup-Finale im Jahre 1997, in dem seine Flyers den Detroit Red Wings glatt mit 0:4-Spielen unterlagen, ihre Stanley Cup-Titel-Träume somit recht sang und klanglos begraben mussten.

In der Saison 1999-2000 überwarf sich Lindros zudem mit Bobby Clarke, dem damaligen General Manager der Flyers. Außerdem verkürzte ein im April erlittener Lungenkollaps seine Saison auf dem Eis. Öffentliche Streitereien waren die Folge.

Lindros kehrte erst in den letzten beiden Spielen der Eastern Conference-Finals wieder auf dem Eis in das Team zurück. Im zweiten Spiel nach seiner Rückkehr erlitt er direkt eine erneute, schwere Gehirnerschütterung. Ursache war damals ein harter Check von Scott Stevens, dem damaligen Kapitän New Jersey Devils. Bis heute sicherlich einer der meistdiskutierten Checks der Ligageschichte.

Am Ende der Spielzeit lief dann sein Vertrag bei den Flyers aus. Lindros weigerte sich nach den jüngsten Ärgernissen einen neuen Kontrakt in Philadelphia zu unterzeichnen. Er wollte stattdessen mit aller Macht zu den Toronto Maple Leafs transferiert werden, was jedoch die Flyers konsequent und dauerhaft ablehnten. In der Saison 2001-02 spielte er folglich gar nicht in der NHL.

In den drei folgenden Spielzeiten lief er danach für die New York Rangers auf. Im Jahre 2004 erlitt er dann dort die bereits achte Gehirnerschütterung seiner Karriere. Ärzte rieten ihm damals öffentlich an seine aktive Laufbahn besser zu beenden um gesundheitliche Spätfolgen möglichst zu vermeiden. Zudem war er auch in New York umstritten. Ich persönlich erinnere mich beispielsweise noch an einen damaligen Besuch im MSG, wo der verletzte Lindros auf dem Videowürfel kurz eingeblendet wurde, als er in Zivil das Match in der Halle verfolgte, und direkt ein Pfeifkonzert der Rangers-Fans einsetzte. Eine wahrlich ungewöhnliche Reaktion der "eigenen" Fans.

Letztendlich unterschrieb der Center am Ende des damaligen "Lockouts" dann noch einmal einen vergleichsweise gering dotierten Ein-Jahresvertrag bei seinem Wunschverein, den Toronto Maple Leafs. Doch auch hier limitierten ihn in der Saison 2005-06 weitere Verletzungen. Am Ende standen für ihn dann lediglich 22 Punkte in 33 Spielen für die Leafs in den Statistikbüchern.

Zur Saison 2006-07 wechselte Lindros noch ein letztes Mal innerhalb der NHL, diesmal zu den Dallas Stars nach Texas.

Im Sommer 2007 verlängerten diese dann jedoch seinen Vertrag ebenfalls nicht mehr, nachdem er auch dort längst nicht mehr an die gezeigten Leistungen seiner besten Jahre im Trikot der Flyers anknüpfen konnte. Daraufhin erklärte der Center im Sommer 2007 seinen Rücktritt vom aktiven Sport.

Nach letztendlich immerhin 16 Jahren aber leider "nur" 760 Spielen in der NHL endete damit aus gesundheitlichen Gründen eine ursprünglich deutlich erwartungsvoller gestartete NHL-Karriere.

Trotzdem darf man seinen Einfluss auf das Spiel natürlich nicht unterbewerten. Lindros war ohne Zweifel ein herausragend begabter Spieler, der die Liga über Jahre hinweg geprägt hat. Trotz aller negativen Randgeschichten im Laufe seiner in vielerlei Hinsicht diskutablen Karriere.

Natürlich ist es bedauerlich, dass er es nicht auf einer Stufe mit den ganz großen dieses Sports geschafft hat, wie es ihm vielleicht aufgrund seines Talents grundsätzlich wohl möglich gewesen sein dürfte.

Trotzdem verdient natürlich auch er zweifelsohne diese Aufnahme in die HHOF im Jahre 2016. Herzlichen Glückwunsch!

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