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Erfolg steigt den Blues nicht zu Kopf

Die Einstellung von St. Louis ist mit der Ziellinie in der Serie gegen San Jose vor Augen vorbildlich

von Christian Treptow @NHLde / NHL.com/de Autor

Es war schon eine beeindruckende Vorstellung, die die St. Louis Blues in Spiel 5 des Western Conference Finals gegen die San Jose Sharks hingelegt haben. Das 5:0 brachte den Blues die 3:2-Führung in der Serie. Gleichzeitig bedeutet es, dass St. Louis nur noch einen Sieg vom Einzug ins Stanley Cup Finale entfernt ist. Wer darauf Anfang Januar gewettet hätte, könnte mit Sicherheit jetzt einen schönen Gewinn einstreichen. Denn im Januar waren die Blues noch das schlechteste Team in der gesamten NHL. Von den Playoffs, geschweige denn vom Einzug ins Stanley Cup Finale sprach da in St. Louis niemand.

Doch die Mannschaft hat den Umschwung geschafft. Sie hat sich als Dritter der Central Division für die Endrunde qualifiziert. Und in der K.o.-Runde weigern sie sich einfach, aufzugeben. In Runde 1 gegen die Winnipeg Jets brachten zwei Heimniederlagen in Folge das Team um Kapitän Ryan O'Reilly nicht aus dem Gleichgewicht. In Runde zwei gegen die Dalls Stars lagen die Blues 2:3 nach Siegen zurück - und kamen trotzdem weiter.

Gegen die Sharks ist die Situation eine andere: Nach fünf Spielen führen die Blues und haben in Spiel 6 vor heimischem Publikum den ersten Matchball, um ins Stanley Cup Finale einzuziehen. Doch eine Gemeinsamkeit haben die drei Situationen: In allen sind die Jungs von Coach Craig Berube ruhig geblieben. Sie haben sich bei Rückschlägen nicht verunsichern lassen. Und jetzt, so dicht vor dem größten Erfolg der Franchisegeschichte, bleiben sie schön auf dem Teppich.

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Seit die Mannschaft in der Mitte der Saison den Umbruch geschafft habe, habe er etwas ganz Spezielles gespürt, erklärt es Blues-Verteidiger Joel Edmundson. "Wir halten zusammen. Jeder setzt sich gerne für den anderen ein. Es macht Spaß. Es ist etwas ganz Spezielles." Der 25-Jährige betonte aber auch: "Das steigt uns jetzt nicht zu Kopf. Wir müssen noch ein Spiel gewinnen."

Dann wären die Blues im Finale um die wichtigste Trophäe im Eishockey. Dreimal waren sie dort schon. Doch das ist lange her. In den Spielzeiten 1967/68, 68/69 und 69/70 war St. Louis in der Finalserie. Immer verloren sie 0:4 - zweimal gegen die Montreal Canadiens, einmal gegen die Boston Bruins. Das Format war damals allerdings anders. Es gab nur zwölf Teams in der Liga. Die sechs Expansions-Teams spielten in einer eigenen Division, einer von ihnen erreichte also das Finale, die Original-Six-Teams in der anderen.

Das letzte Mal im Conference Finale ist dagegen noch nicht so lange her. 2016 unterlagen die Blues den Sharks in sechs Spielen, 2001 gegen die Colorado Avalanche in fünf. Am knappsten war es 1986: 3:4 verlor St. Louis das Finale der Clarence Campbell Conference gegen die Calgary Flames.

"Ja, wir sind dicht dran. Ich denke, die Jungs wissen das. Es ist bestimmt im Hinterkopf. Aber wir wissen auch, dass auf der anderen Seite des Eises ein gutes Eishockey-Team steht. Die Sharks werden nicht aufgeben", sagte Pat Maroon. Für ihn bekommt der aktuelle Erfolg des Teams aus Missouri noch mal eine neue Dimension. Er ist in St. Louis geboren und aufgewachsen.

Einen Franchise-Rekord haben die Blues mit dem Erfolg in Spiel 5 in San Jose immerhin schon aufgestellt. Es war der elfte Sieg in einer K.o.-Phase. Ihre Bestmarke lag bislang bei zehn. Am Dienstag (Ortszeit) im Enterprise Center zu St. Louis werden die Blues alles dransetzen, dass diese Statistik weiter ausgebaut wird.

 

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"Der Erfolg steigt uns jetzt nicht zu Kopf", betonte Joel Edmundson. "Wir müssen noch ein Spiel gewinnen, um ins Stanley Cup Finale einzuziehen." Natürlich hoffe er, dass die Blues das schon in Spiel 6 vor eigenem Publikum unter Dach und Fach bringen. "Aber wenn nicht, werden wir wieder nach San Jose zurückkommen und es noch mal versuchen." Typisch für die St. Louis Blues im Frühjahr 2019.

Einfach werde das selbstverständlich nicht, fügte Edmundson an. Die Blues werden natürlich versuchen, die gleiche Leistung abzurufen wie in Spiel 5. "Aber die Sharks wollen noch nicht in den Sommerurlaub." Doch dass die Blues eine reelle Chance haben, müsste mittlerweile auch dem letzten Zweifler klar sein.
 
"Wir sind fokussiert geblieben", berichtete auch Blues-Stürmer Alexander Stehen. Egal, ob das im Spiel oder zwischen zwei Partien sei: "Wir bleiben immer bei unserem Plan." Mit Spiel 5 will sich der 35-Jährige gar nicht mehr groß beschäftigen. "Wir haben gut gespielt. Aber das ist Vergangenheit. Wir müssen jetzt nach vorne schauen und uns auf das nächste Spiel vorbereiten."

 

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Wie diese Vorbereitung aussieht? Nun, geht es nach Verteidiger Alex Pietrangelo, dann passiert da nicht viel anderes, als bei den Spielen zuvor. "Wir bereiten uns vor, wie vor jedem Spiel. Das haben wir auch schon so in den Serien gegen Winnipeg und Dallas gemacht", meinte der 29-Jährige, den die Blues 2008 im NHL Draft in der ersten Runde an vierter Stelle gezogen haben.

Ob der Arbeitseinstellung seiner Spieler macht sich auch der Coach keine Gedanken. "Die Spieler denken immer ans nächste Spiel. Wir schauen immer nach vorne. Das machen wir schon seit Januar gut gemacht", meinte Berube.

Ein wichtiger Baustein auf dem Weg ins Stanley Cup Finale ist weiter Jaden Schwartz. In Spiel 5 markierte er seinen zweiten Hattrick in diesen Playoffs. Aktuell steht er bei zwölf Toren in der Endrunde. Nur San Joses Logan Couture (14) ist besser. Mit zwölf Toren in einer K.o.-Runde ist Schwartz auch knapp davor, einen weiteren Franchise-Rekord zu brechen. Brett Hull traf in den Playoffs 1990 13-mal. "Er ist unser Motor", lobte Tyler Bozak den Kollegen. Man darf gespannt sein, wie weit dieser die Blues noch antreibt.

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