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Eis brechend: Domi über Vater und Krankheit

von Stefan Herget / NHL.com

Während der Saison 2015/16 führt Dich NHL.com/de in der 14-tägigen Serie 'Eis brechend' weg vom Eis und gibt Dir einen Einblick in das Leben einiger der besten Spieler der Liga. Ob Veteran oder Rookie, ob Star- oder Vorbildspieler, erfahre mehr über die Protagonisten, die jeden Abend ihre Schlittschuhe schnüren - und erfahre das nicht von uns, sondern von ihnen selbst.


Zum dritten Mal hintereinander zogen die Phoenix Coyotes (heute Arizona Coyotes) beim NHL Draft 2013 in der ersten Runde den Sohn eines ehemaligen Spielers. Max Domi, Nachkomme von Tie Domi, war aber ein besonderer Zug, denn seine Art zu spielen unterscheidet sich doch deutlich von der seines Vaters.

Während Tie ein klassischer Enforcer war, also ein Spieler, der sich ins Getümmel stürzte und Gegner mit seinen Checks und Fights den Nerv raubte, hat Max sehr viele technische Fertigkeiten, ist ein schneller und torgefährlicher Spieler, sowie Spielgestalter.

Tie ist der Spieler mit den meisten Strafminuten als jeder andere in der Geschichte der Toronto Maple Leafs. Max möchte vor allem mit Toren und Vorlagen überzeugen.

Der heute 46-jährige Tie war von 1990 bis 2006 für die Toronto Maple Leafs, New York Rangers und Winnipeg Jets (das Vorgängerteam der Arizona Coyotes) aktiv. In seiner über 1020 NHL-Spiele dauernden Karriere konnte er 245 Punkte sammeln, aber sage und schreibe 3515 Strafminuten für sich verbuchen.

Dass der 20-jährige Max aus einem anderen Holz geschnitzt ist, zeigt sich bereits in seiner ersten Saison, die er zur Zeit absolviert. In 49 Spielen sammelte er bereits 32 Punkte und nur 19 Strafminuten.

Doch was sagt Max heute darüber, ob ihn sein Vater in seiner Kindheit und Jugend geprägt hat:

"Klar, als ich aufgewachsen bin, war ich natürlich sehr beeindruckt von meinem Vater, dass er in der NHL spielte. Er hat sehr viele Erfahrungen mit mir geteilt und mir einige sehr coole Leute vorgestellt, in erster Line natürlich Eishockeyspieler."

"Es war schon früh klar, dass ich Eishockey spielen werde und ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit, einen in diesem Bereich sehr einflussreichen Vater zu haben, der mir sehr viel mitgeben konnte und dessen Meinung und Tipps ich noch heute schätze."

Eine spezielle Geschichte ist, dass bei Max im Alter von 12 Jahren nach einem Eishockeyturnier in Detroit Typ 1 Diabetes diagnostiziert wurde. Ein Schock für die Familie und auch ein großes Fragezeichen zur weiteren Karriere tat sich auf.

In diesem Zusammenhang half ihm die Geschichte des heute 65-jährigen Bobby Clarke, der seine gesamte 15-jährige NHL-Karriere von 1969 bis 1984 bei den Philadelphia Flyers verbrachte. Er schaffte drei Mal in einer Saison die 100 Punkte Marke und führte die NHL zwei Mal bei den Assists an.

Und das alles eben mit Typ 1 Diabetes, das bei Clarke ebenfalls im gleichen jungen Alter wie bei Max festgestellt wurde. Ihm hätte es fast die NHL-Karriere gekostet, denn die Teams schreckten damals trotz seiner hervorragenden Leistungen im Juniorenbereich vor einer Verpflichtung zurück, ehe die Flyers doch noch zuschlugen.

Max trägt Clarke zur Ehre die Nummer 16 und hat dafür die passende Begründung parat:

"Er war einer der besten Zwei-Wege-Stürmer. Außerdem hatte er schon von Kindheit an Diabetes, eine Krankheit, die uns verbindet. Er hat gelernt mit dieser Krankheit umzugehen."

"Trotz der Umstände hat er sich durchgebissen und wurde so zu einem großartigen Eishockeyspieler, der unheimlich viel erreicht hat. Davor habe ich großen Respekt und deswegen ist er für mich ein ganz wichtiges Vorbild geworden."

Domi kann heute seine Insulinzufuhr über eine moderne Pumpe, die im Bereich seiner Hüfte hängt, regulieren. Trotzdem misst er im Spiel alle 15 Minuten auf der Bank seinen Blutzucker, um sicher zu gehen, dass kein Schock droht.

Eine Einschränkung, die seine Leistung aber nicht schmälert.

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