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Eine WM voller bemerkenswerter Begebenheiten

von Axel Jeroma / NHL.com

Die IIHF-Weltmeisterschaft 2016 ist am Sonntagabend mit Kanadas Titelverteidigung zu Ende gegangen. Es war ein spannendes Turnier mit vielen Höhepunkten und bemerkenswerten Begebenheiten.

Dazu zählten unter anderem:

Kanadas imponierende Leistungen

Zum zweiten Mal in Folge haben die Kanadier bei einer Weltmeisterschaft die meisten Treffer erzielt. 46mal jubelten die Spieler mit dem Ahornblatt auf dem Trikot. An die Zahl von 66 Toren bei der WM 2015 in Tschechien kam Kanada jedoch nicht heran. Ungewöhnlich: Obwohl Kanadas Mannschaft die erfolgreichste Offensivleistung aller 16 Teams ablieferte, befindet sich keiner der ihren unter den Top-Drei der Torschützenliste oder der Scorer-Wertung. Mit elf Punkten (fünf Tore, sechs Vorlagen) liegt Derick Brassard als bester Kanadier auf Rang sechs bei den Scorern. Taylor Hall belegt mit sechs Treffern einen geteilten vierten Platz bei den Torschützen.

Überragend präsentierte sich Kanada in Unterzahl. 29mal mussten sie kurzzeitig mit weniger Personal auskommen. Doch nur zweimal gelang es dem Gegner, diesen Vorteil in Tore umzumünzen. Das entspricht einer Penalty-Killing-Quote von phänomenalen 93,10 Prozent. Der mit Abstand beste Wert aller Mannschaften. Auf dem zweiten Platz folgt mit 89,66 Prozent der Vizeweltmeister Finnland.

Durch das 2-0 im Endspiel gegen Finnland ist es Kanada als erstem Team seit Russland 2009 gelungen, einen Weltmeistertitel zu verteidigen. Für die Kanadier war es der 26. Titelgewinn bei einer WM. Damit haben sie den Abstand auf Rekordweltmeister Russland (27) verkürzt.

Kanadas Angreifer Corey Perry ist seit Sonntag das 27. Mitglied im Triple Gold Club. Er gewann mit Kanada Olympia-Gold bei den Spielen 2010 und 2014 und nun WM-Gold 2016.

Connor McDavid und Auston Matthews

Die Erwartungen in seiner kanadischen Heimat an Connor McDavid waren riesengroß. Manche Fans hofften, dass er wie Wayne Gretzky 1982 in Finnland und Sidney Crosby 2006 in Lettland als WM-Debütant gleich Top-Scorer werden würde.

Die neun Punkte (ein Tor, acht Vorlagen), die er im Verlauf des Turniers sammelte, reichten dafür zwar nicht. Dennoch wird sein Name auf ewig mit dem Titelgewinn 2016 verknüpft sein. Denn seinen einzigen Treffer erzielte er just im Endspiel. Mit einem sehenswerten Schlenzer unter die Latte brachte er Kanada mit 1-0 in Führung. Der 19-jährige McDavid ist nun der jüngste Spieler, der Juniorenweltmeister, U-18-Weltmeister und Weltmeister geworden ist.

Nachdrücklich für eine Karriere in der NHL empfohlen hat sich der US-Amerikaner Auston Matthews. Er kam ebenfalls auf neun Punkte (sechs Tore, drei Vorlagen). Er zählte in allen Partien zu den Aktivposten des jungen Teams aus den USA. Beim 2-1 gegen Tschechien erzielte er den wichtigen Ausgleich und verwandelte den entscheidenden Penalty. Matthews gilt zu Recht als möglicher NHL-Draftpick Nummer eins im Sommer.

Deutschlands Einzug ins Viertelfinale

Zum ersten Mal seit 2011 stand Deutschland wieder im Viertelfinale bei einer Weltmeisterschaft. Dort lag die Mannschaft nach dem ersten Drittel gegen den hohen Favoriten Russland sogar mit 1-0 vorne und durfte von der Sensation träumen. Doch dann machten die Russen ernst und gewannen noch mit 4-1.

Das deutsche Team begeisterte die Anhänger im Turnierverlauf mit starken Kombinationen und vielen Toren. Zweifellos ein Verdienst von Bundestrainer Marco Sturm, der seine WM-Premiere hinter der Bande feierte.

Patrik Laine als MVP

Kleiner Trost für Finnland: Finnlands Rechtsaußen Patrik Laine, mit sieben Treffern gemeinsam mit dem Schweden Gustav Nyqvist Torschützenkönig, wurde zum MVP des Turniers ernannt. Laine ist die Nummer 2 im Abschlussranking des NHL Central Scouting bei den internationalen Spielern für den NHL Draft 2016.

Dänemarks Powerplay

Branchenkenner dürften sich bei einem Blick auf die Powerplay-Statistik verwundert die Augen reiben. Nicht etwa einer der üblichen Verdächtigen wie Kanada, Russland, Schweden oder Finnland führt diese Rangliste an. Es ist Dänemark. 29mal hatte das dänische Team den Vorteil einer numerischen Überlegenheit und erzielte dabei zehn Tore. Das entspricht einer Quote von 34,48 Prozent.

Diese Effizienz hat unter anderem dazu beigetragen, dass die Dänen die höher eingeschätzte Mannschaft der Schweiz hinter sich ließen und sich als Vierter der Gruppe A fürs Viertelfinale qualifizierten. Dort unterlagen sie dem späteren Vize-Weltmeister Finnland mit 1-5.

Die mutigen Ungarn

Noch bevor der erste Puck in St. Petersburg fiel, galt der Aufsteiger als sicherer Absteiger. Geschuldet war diese Einstufung der ungünstigen Konstellation, dass die Ungarn in Gruppe B zusammen mit Frankreich und Deutschland spielen mussten. Beide richten die WM 2017 aus und hatten daher den Klassenerhalt von vornherein sicher. Doch die Ungarn ließen sich von den widrigen Voraussetzungen nicht entmutigen und verkauften sich teuer. Mit dem 5-2 gegen Weißrussland schafften sie den ersten Sieg bei einer A-WM seit 1939.

Beinahe hätte dieser Erfolg zum Wunder gereicht. Doch am letzten Spieltag schlugen die Weißrussen die Franzosen und retteten so ihren Klassenverbleib. Trotz des Abstiegs hat Ungarn bleibende Eindrücke hinterlassen. Dafür sorgten die vielen sympathischen Fans auf der Tribüne und die erste Sturmreihe mit Istvan Sofron, Istvan Bartalis und Vilmos Gallo auf dem Eis.

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