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Eine Hand am Stanley Cup

von Stefan Herget / NHL.com

Im siebten Jahr hintereinander führte eine Mannschaft im Stanley Cup Finale nach zwei Spielen mit 2-0, nur dass zum ersten Mal in dieser Zeit das Auswärtsteam beide Partien für sich entscheiden konnte. Würden es die Kings nach ihrem Rekord mit zehn Siegen in der Fremde ebenfalls schaffen den Rekord zu holen, als erstes Team seit Einführung des jetzigen Playoffformats 1987 in jeder Runde in der Serie mit 3-0 in Führung zu gehen? Bei der einzigen Beteiligung in einer Stanley Cup Finalserie der Los Angeles Kings 1993 hatten sie beide Heimspiele in der Verlängerung gegen die Montreal Canadiens verloren.

Einen zusätzlichen Schub verlieh den Hausherren die Rückkehr von Simon Gagne ins Team. Er war seit dem 26. Dezember mit einer Gehirnerschütterung außer Gefecht und sollte für mehr Torgefährlichkeit sorgen. Die ersten Minuten gehörten dann gleich den Kings, die versuchten ihren Heimvorteil auszunutzen. In einer Kontersituation kamen die Devils erstmals gefährlich vor das gegnerische Tor und hatten zwei Minuten später eine erste Drangphase aber das Problem blieb, dass sie zu wenige Schüsse auf das Tor brachten. Auf der Gegenseite hatten zunächst Slava Voynov und später Dustin Penner die Führung am Schläger, doch Martin Brodeur reagierte glänzend. Dem wollte Jonathan Quick in Nichts nachstehen und wehrte kurz darauf gegen Dainius Zubrus ab. Letzterer hatte aber den besser postierten Travis Zajac in der Mitte übersehen. Dann die erste Überzahl der Gäste, als Mike Richards wegen Ellbogencheck raus musste. Ihm folgte 61 Sekunden später Jeff Carter sogar für vier Minuten wegen hohen Stocks. Danach zeigte Quick wieder seine ganze Klasse und war nicht zu überwinden, als er mehrmals den Einschuss verhinderte. Dumm, dass sich Marek Zidlicky an der Blauen Line einen Puckverlust erlaubte, den zurück gekommenen Richards nur noch foulen konnte und so den Vorteil für sein Team aufhob. Eine gute Gelegenheit zur Führung von New Jersey war verstrichen und die Begegnung ging torlos in die erste Pause.

Nach Wiederbeginn waren es erneut die Kings, welche das erste Mal gefährlich in der gegnerischen Zone auftauchten, doch die Devils kamen ebenfalls zu Einschussmöglichkeiten. Erst war es Zubrus, sowie danach David Clarkson, der in der Mitte Alexei Ponikarovsky übersah und selbst abschloss. Im Gegenzug das 1-0 für Los Angeles: Dwight King hatte sich durchgesetzt und Brodeur geprüft. Dieser konnte die Scheibe jedoch nicht sichern und Alec Matinez(26.) drückte sie zu seinem ersten Playofftreffer über die Linie. Es folgten zwei weitere gute Aktionen von Carter und Jarret Stoll, ehe New Jersey zwei Mal hintereinander ins Powerplay durfte, wo Adam Henrique mit einem Doppelschuss noch die beste Möglichkeit hatte. Der Spielaufbau der Gäste war aber von zu vielen Fehlern geprägt, um entscheidend Druck auszuüben und wenn dann fehlte die Schussgenauigkeit, um Quick zu überwinden. Selbst eine Auszeit von Trainer Peter DeBoer vor der zweiten Überzahl zeigte nicht den gewünschten Erfolg. Es kam noch bitterer für die Devils. Die Kings zeigten ihnen wie es geht: Anze Kopitar(36.) überlief die eigene Blaue Line auf der linken Seite, spielte quer zu Justin Williams, der legte in der gegnerischen Zone zu Dustin Brown ab, welcher mit einem Querpass wieder Kopitar bediente und dieser den Puck zum 2-0 direkt im Netz versenkte. Den Gastgebern war einzig deren Undiszipliniertheiten vorzuwerfen, denn 90 Sekunden vor dem Ende des Mittelabschnitts musste Gagne wegen einem Stockschlag auf die Strafbank, aber die Devils konnten bis zum Wechsel abermals kein Kapital daraus ziehen.

New Jersey kam aus der Kabine und man hatte nicht den Eindruck, dass sie dem Spiel hier noch eine Wende geben können. Hinzu kamen Frustfouls von Mark Fayne, der wegen einem Stockcheck zwei Minuten bekam. Ironie der Geschehnisse, dass ausgerechnet die im Powerplay schlechten Kings ihre Überzahl zum 3-0 nutzten, während die in den Überzahlsituationen besser eingeschätzten Kontrahenten leer ausgingen. Jeff Carter(45.pp) traf mit einem trockenen Schuss ins kurze Eck und als Zidlicky den Kaliforniern die nächste nummerische Überlegenheit besorgte, machte Justin Williams(47.pp) sogar das 4-0. Sogleich hallten die ersten "We want the Cup" (Wir wollen den Cup) durch das mit 18.764 Zuschauern - Rekord für ein NHL-Spiel in L.A. - proppevolle Staples Center. Die Devils versuchten zwar noch einmal ein Zeichen zu setzen und Quicks Shutout in Gefahr zu bringen, aber der 26-jährige Torhüter war nicht mehr zu überwinden. Glück hatte er bei einem Lattentreffer sechs Minuten vor dem Ende. Mit 22 Saves feierte er sein drittes Zu-Null-Spiel in diesen Playoffs und die Conn Smythe Trophy für den wertvollsten Spieler der Playoffs dürfte ihm aufgrund seiner überragenden Werte kaum noch zu nehmen sein.

Die Los Angeles Kings hatten die New Jersey Devils erneut bezwungen und dieses Mal am Ende deutlich. Es bedürfte jetzt schon eines Wunders, wenn das Ostteam die Serie noch einmal wenden sollte. Die Hausherren haben die einmalige Gelegenheit bereits am Mittwoch zu Hause den Sack zuzumachen und erstmals seit 1998 wieder im Stanley Cup Finale einen Sweep, also ein 4-0 in der Serie zu schaffen.

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