Skip to main content

Edmontons Qualität liegt im Zentrum

Mit Connor McDavid, Leon Draisaitl und Ryan Nugent-Hopkins, haben die Oilers eine Qualität, wie seit Jahrzehnten nicht mehr

von Alexander Gammel / NHL.com/de Autor

Die Fans der Edmonton Oilers mussten in den letzten Jahren eine harte Durststrecke durchmachen. 10 Saisons lang konnte sich ihr Team nicht für die Playoffs qualifizieren, bis vergangene Saison Connor McDavid und Leon Draisaitl durchstarteten und das Team aus Alberta endlich wieder in die Endrunde der besten 16 führen konnten.

Das nahm die Zeitung Edmonton Journal jetzt zum Anlass, einen Vergleich mit den Centern der Gretzky-Ära zu bemühen. Mit McDavid, Draisaitl und Ryan Nugent-Hopkins haben die Oilers tatsächlich drei außergewöhnlich talentierte, effektive und torgefährliche Center in ihren Reihen, doch ein Vergleich mit dem damaligen Trio aus Gretzky, Mark Messier und Craig MacTavish, ist natürlich trotzdem gewagt.

David Staples, der Autor des Artikels, geht dabei vor allem auf die durchschnittliche Punktzahl der Spieler ein. Die kann sich beim aktuellen Trio der Oilers tatsächlich sehen lassen. Vergangene Saison erzielten die drei 220 Punkte (77 Tore, 143 Assists), doch die Gretzky-Truppe kam 1985-86 auf 346 Punkte, wobei 'The Great One' alleine schon 215 Punkte machte. Solch eine Ausbeute, ist im heutigen Eishockey unrealistisch, wahrscheinlich ist aber, dass die heutigen Oilers Center ihre Punktzahl weiter erhöhen werden. McDavid ist gerade 20 Jahre alt, Draisaitl 21 und beide gehen nun in ihre dritte volle NHL-Saison. An diesem Punkt einer Karriere, legen Stürmer für gewöhnlich nochmal an Punkten zu. Nugent-Hopkins ist 24 und machte bisher im Durchschnitt 44 Punkte in sechs NHL-Saisons, wobei die durch den Lock-Out verkürzte Saison 2012-13 und die vorletzte Saison, in der er nur 55 Spiele machte, mit einbezogen sind.

Auch die Experten von NHL.com beschäftigten sich in den letzten Tagen mit der Offensive des jungen Teams. McDavid ist selbstverständlich wieder ein Kandidat für die Art Ross Trophy als bester Scorer, und könnte laut Prognosen selbst Sidney Crosby wieder deutlich hinter sich lassen. Dan Rosen nennt in einem Artikel die Oilers als beste Offensive der Western Conference, eine durchaus realistische Einschätzung, wenn man sich den Angriff der Kanadier ansieht. Neben den drei starken Mittelstürmern stehen schließlich noch Spieler wie Milan Lucic und Patrick Maroon auf dem Eis.

Video: SJS@EDM, Sp2: McDavid erzwingt Turnover, schießt SHG

Ein weiterer Punkt, der für eine erhöhte Ausbeute des Trios spricht, ist der neue Umgang der Schiedsrichter mit gewissen Regelverstößen, vor allem dem Stockschlag. Das Vergehen wird seit Beginn der aktuellen Preseason deutlich konsequenter gepfiffen, was schnellen, talentierten Stürmern natürlich in die Karten spielt. Spieler wie McDavid und Draisaitl sind oft nur dadurch zu stoppen, dass man ihnen als Verteidiger auch einmal auf die Finger klopft. Durch das neue, strengere vorgehen der Offiziellen, ist dies nun keine so praktikable Option mehr, wie zuvor. In einer Situation, in der die Flitzer der Oilers nicht mehr mit konventionellen Mitteln zu stoppen sind, bleibt nun die Wahl, ob man einen Knipser wie McDavid, oder Draisaitl zum Torschuss kommen lässt, was wahrscheinlich zum Torerfolg führen wird, oder ob man in den sauren Apfel beißt und die Strafe nimmt, was ebenfalls ein hohes Torrisiko bedeutet.

In der vergangenen Saison war McDavid der einzige Spieler, der eine dreistellige Punktzahl erreichte (30 Tore, 100 Punkte) und Draisaitl brach mit seinen 77 Punkten (29 Tore, 48 Assists) reihenweise Rekorde für deutsche Spieler in der NHL, darunter auch den Bestwert für die meisten Punkte eines Deutschen in der besten Liga der Welt, den zuvor Nationaltrainer Marco Sturm hielt. Nugent-Hopkins machte vergangene Saison erstmals in seiner Karriere in einer vollen Saison weniger als 50 Punkte. Die einzigen beiden Jahre, in denen er weniger Punkte machte, war die verkürzte Saison 2012-13, in der er 24 Punkte (vier Tore, 20 Assists) in 40 Partien erzielte und die verletzungsgeplagte Saison 2015-16, in der er nur in 55 Begegnungen auf dem Eis stand und dabei 12 Tore und 34 Punkte machte. Diese zahlen legen nahe, dass er in der kommenden Saison, falls er verletzungsfrei bleibt, deutlich öfter zum Torjubel kommen wird.

Video: NJD@EDM: Draisaitl versenkt McDavids Pass in Overtime

Für Draisaitl und McDavid, wird viel von ihren Mitspielern abhängen. Verganene Saison spielten sie lange Zeit gemeinsam in der ersten Reihe der Oilers, zusammen mit Patrick Maroon. Kommende Saison könnten sie womöglich getrennt werden, mit McDavid als Center der ersten Reihe und Draisaitl als Mittelstürmer in der zweiten Reihe, ähnlich wie Sidney Crosby und Evgeni Malkin bei den Pittsburgh Penguins. Als Außenstürmer würde vermutlich einem der beiden Patrick Maroon zur Seite gestellt, dem anderen Milan Lucic, zwei echte Brecher, die mit ihrer Größe und Muskelmasse dafür gemacht sind, vor dem Tor zu parken. Wie sich die Statistiken der beiden in diesem Fall entwickeln würden, wenn sie nicht mehr den anderen Superstar an ihrer Seite haben, ist schwer vorauszusagen. Beide haben die Qualität, ihre Mitspieler besser zu machen und das Spiel so zu leiten, dass sie auch andere Spieler in Szene setzen können, die nicht ihr Niveau, ihre Torgefahr haben.

Die drei Center werden sicherlich nicht an die Punktzahl aus den Zeiten von Gretzky und Messier heran kommen, doch wenn eines sicher ist, dann dass man sich auch in der kommenden Saison wieder auf ein Offensivfeuerwerk in Edmonton freuen darf. Die Oilers haben nach einer langen Dürreperiode endlich wieder ein schlagkräftiges Team, das sie mit einem Torfestival zu einem ernstzunehmende Kandidaten für den Stanley Cup macht.

Mehr anzeigen