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Ein schwerer Weg zur Titelverteidigung

von Stefan Herget / NHL.com

So schön ein Stanley Cup Gewinn in einem Jahr ist und auch ausgiebig gefeiert wird, so schwer ist es auf der anderen Seite, diesen Triumph zu wiederholen, besonders dann, wenn man hungrig auf diesen Erfolg wird.

Eine Erfahrung, welche die Boston Bruins in diesem Jahr machen werden. Zum ersten Mal seit 1973, also vor 39 Jahren, starten sie wieder als Titelverteidiger der berühmten Trophäe in die heute Nacht beginnenden Playoffs. Damals war mit einem 1-4 in der Serie gegen die New York Rangers bereits in der ersten Runde Endstation.

Während es in den 70er und 80er Jahren durchaus üblich war, dass der Vorjahressieger auch in der folgenden Spielzeit triumphierte, zeigt die Bilanz der letzten 20 Spieljahre, wie schwer es mittlerweile in der NHL geworden ist, seinen Titel zu verteidigen. In dieser Zeit gelang es nur den Detroit Red Wings im Jahr 1998 den Stanley Cup nach dem Sieg im Vorjahr erneut zu gewinnen.

Dabei stellt sich natürlich die Frage, nach dem Warum und ob nicht die Erfahrung helfen sollte? „Erfahrung hilft, aber jeder Gegner will natürlich auch den Titelverteidiger schlagen und von daher wird es genauso schwerer für uns“, unterstreicht der deutsche Dennis Seidenberg von den Boston Bruins die Schwierigkeit des Unterfangens.

Trotzdem sieht der 30-jährige gebürtige Schwenninger sich und seine Teamkollegen auf einem guten Weg für den nicht leichten Kampf. „Wir haben die letzten zehn Spiele zurück zu unserer Form gefunden und deswegen bin ich guter Dinge, dass wir bereit für die kommenden Playoffs sind und weit kommen können“, sagt er und schiebt aber gleich hinterher: „Wie weit wird sich zeigen!“

Dabei haben es sich die Bruins selbst nicht leicht gemacht und auf jegliche taktische Spielchen verzichtet. Am letzten Donnerstag hätte ein Punktverlust im direkten Duell gegen Ottawa gereicht und die Senators wären der Gegner in der ersten Runde gewesen. Doch u.a. durch diesen 3-1 Sieg, sind es nun doch die Washington Capitals geworden, welche die Kanadier in der Tabelle letztendlich noch abgefangen haben.

„Im Endeffekt ist der Gegner egal, weil wir jedes Team schlagen müssen, wenn wir Stanley Cup Sieger werden wollen“, betont Seidenberg. „Diese taktischen Spielchen bringen wenig, auch wenn die Saisonbilanz gegen Ottawa mit fünf Siegen aus sechs Partien natürlich besser aussieht, als die gegen Washington mit einem Sieg aus vier Begegnungen.“

Der Verteidiger mit der Nummer 44 erklärt auch warum, denn Playoffs sind wieder ein ganz anderes Thema und mit der regulären Spielzeit nicht zu vergleichen, weil taktisch in einer Playoffserie ganz anders agiert werden würde.

Trotzdem ist ihm die Schwere der Aufgabe bewusst: „Washington hat technisch sehr begabte Angreifer und sehr offensivstarke Verteidiger. Von daher wird es sehr schwierig, sie vom Tore schießen abzuhalten.“ Zugleich gibt er die taktische Maßgabe vor: „Wir müssen einfach unser körperbetontes Spiel spielen und ihnen wenig Raum und Zeit geben, sich zu entfalten.“

Selbstverständlich ist es für den Erfolg von Bedeutung, dass alle Mannschaftsteile soweit gesund und von Verletzungen verschont bleiben. Seidenberg sieht diese Voraussetzung für Boston derzeit als gegeben an. „Die Mannschaft ist soweit fit“, ist seine kurze Diagnose und fügt gleich ein „psychologisches Kurzgutachten“ hinzu: „Alle sind gut drauf und bereit die Playoffs anzugehen.“

Der Gesundheitszustand der Mannschaft war im letzten Jahr ein wichtiger Baustein für den Cupgewinn und man kann nur hoffen, dass es auch in diesem Jahr so bleibt. Die Hauptkonkurrenten im Kampf um den Einzug ins Stanley Cup Finale sieht Dennis Seidenberg besonders in den Pittsburgh Penguins und den New York Rangers, auch wenn alle verbliebenen Teams topbesetzt sind. „Aber für uns heißt der Gegner erst einmal Washington, das wird schwer genug“, verliert er den Blick dafür, Schritt für Schritt zu gehen, nicht aus den Augen.

Die Frage, wo Dennis Seidenberg Anfang Juni sein werde, beantwortet er gewohnt locker: „Ich hoffe noch in den Playoffs.“ Das Erfolgsrezept dazu ist für ihn simpel, aber zugleich logisch: „Es liegt an uns: Wenn wir gut spielen, dann sollten wir es ins Stanley Cup Finale schaffen.“

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