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Ein Ausnahmetalent kann Geschichte schreiben

Der 18-jährige David Levin ist ein Kandidat für den NHL Draft 2018 und könnte der erste israelische Spieler in der Geschichte der Liga werden

von Alexander Gammel / NHL.com/de Autor

NHL.com/de bereitet Sie im Rhythmus von zwei Wochen mit der NHL Draft Watch 2018 auf die Zukunft vor. Jeden zweiten Dienstag liefern wir Neuigkeiten und Informationen zu den Nachwuchstalenten von heute, die die NHL von morgen prägen könnten.

Heute beschäftigen wir uns mit David Levin.

Der Sport schreibt immer wieder unglaubliche Geschichten, die Fans begeistern und den Stoff für Filme liefern. Jeder Fan kennt die Geschichte des "Miracle on Ice", des Sieges einer US-Amerikanischen College-Truppe, die bei den Olympischen Spielen 1980 in Lake Placid eine als unschlagbar geltende Mannschaft aus der Sowjetunion bezwang und das Turnier gewann. Der diesjährige Draft könnte das nächste Kapitel in einer Geschichte liefern, die ähnlich unglaublich ist und filmreif scheint.

Am 16. September 1999 erblickte David Levin in Tel Aviv das Licht der Welt. Im Alter von vier Jahren begann er Inline-Hockey zu spielen, da es in ganz Israel nur zwei Eishallen gab. Bis zu einem Alter von zwölf war er in einem Team aktiv, das sein Vater Pavel trainierte, der aus Lettland stammt und als Fußballspieler für Maccabi Tel Aviv spielte. Er trat dabei regelmäßig gegen Spieler an, die bis zu vier Jahre älter waren als er und räumte dabei reihenweise Auszeichnungen ab.

 

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Mit zwölf Jahren sollte er dann eine Entscheidung treffen, die sein Leben für immer verändern sollte. Ein Video von Sidney Crosby, auf das Levin im Internet stieß, bewegte ihn dazu seinen Eltern seinen größten Wunsch mitzuteilen. Er wollte zukünftig Eishockey spielen. Sein Traum letztendlich einmal in der NHL spielen wurde geboren. Einen Spieler aus seinem Land gab es in der hundertjährigen Geschichte der Liga bisher übrigens noch nie. Ohne die nötige Infrastruktur in Israel gab es damit für ihn nur eine Option: Der junge David musste nach Nordamerika.

Nach anfänglichem Widerstand stimmten seine Eltern dem Begehren schließlich zu und schickten ihren Sohn zu seinem Onkel und seiner Tante nach Kanada. Obwohl er zuvor erst wenige Male auf Kufen gestanden hatte, zeigte Levin dort angekommen schnell, dass er sein Talent mit Leichtigkeit auch auf das Eis übertragen konnte. Während er zunächst noch mit dem Kulturschock und vor allem auch der ungewohnten Kälte kämpfte, arbeitete er unermüdlich an seinen läuferischen und spielerischen Fähigkeiten an der elitären Hill Academy, einer Talentschmiede für verschiedene Sportarten.

"Ich erzählte meiner Mutter zuerst von meiner Entscheidung und sie wollte mich nicht gehen lassen, sie hatte Angst", erinnert sich das Ausnahmetalent. "Aber ich habe mit meinen Eltern gesprochen und ihnen erklärt, dass ich meinen Traum verwirklichen will. Ich wollte nach Kanada gehen, in das beste Land im Eishockey. Eishockey ist mein Leben, ich wache jeden Tag auf und gehe auf das Eis und es macht mich glücklich. Ich will einfach jeden Tag spielen."

Nachdem er in der Saison 2014/15 80 Punkte (39 Tore, 41 Assists) für den Nachwuchs der Don Mills Flyers erzielt hatte, wurde seine Hingabe schließlich belohnt. Im folgenden Draft der Ontario Hockey League wurde er als erster Spieler gewählt und sollte in Zukunft für die Sudbury Wolves auflaufen. Auch auf dem hohen Niveau der OHL enttäuschte der junge Center nicht.

"Das war unglaublich", schwärmte Levin. "Es war der beste Moment meines Lebens. Ich bin einen Schritt näher an meinem großen Traum. Aber nach den ersten paar Spielen, interessiert niemanden mehr, wann man gedraftet wurde. Ein Spieler muss auf dem Eis beweisen, warum er der erste Pick war."

In seiner Rookie-Saison erzielte er bereits neun Tore und 30 Punkte in 47 Spielen. In der nächsten Spielzeit steigerte er sich weiter mit 18 Toren und 53 Punkten in 66 Partien und leistete einen wichtigen Beitrag zur Teilnahme seines Teams an den Playoffs. Die Wolves scheiterten in der ersten Runde in sechs Spielen gegen die Oshawa Generals, Levin kam dabei aber auf ein Tor und fünf Assists.

Auch in die aktuelle Saison, seine letzte, bevor er tatsächlich für den NHL Draft zur Wahl stehen wird, startete Levin wieder stark. In den ersten elf Spielen verzeichnete er fünf Tore und elf Punkte. Am 28. Oktober kassierte er gegen die Niagara IceDogs jedoch einen Kniecheck und musste über sechs Wochen aussetzen, wobei er 18 Partien verpasste. Doch Levin ließ sich auch davon bisher nicht aufhalten. Am 17. Dezember kehrte er in den Kader zurück derzeit steht er trotz der bitteren Verletzung schon bei acht Toren und 20 Punkten.

Obwohl er erst so spät anfing Schlittschuhlaufen zu lernen, zeigt er bereits beeindruckende Fähigkeiten, doch sein größtes Attribut, ist wohl seine Übersicht und intelligente Spielweise, die die meisten seiner Altersgenossen in den Schatten stellt.

"Man kann einem Spieler viel beibringen", sagte einst sein erster OHL-Trainer, David Matsos. "Man kann den Jungs beibringen zu skaten, Muskeln aufzubauen, im Kraftraum richtig zu arbeiten. Aber diesen Instinkt für das Spiel, kann ein Spieler nicht lernen. David denkt auf einem anderen Level."

 

Durch die Verletzung fiel Levin in der Liste des NHL Central Scouting deutlich zurück, doch wenn er in den letzten Jahren eines bewiesen hat, dann dass er mit seiner harten Arbeitsmoral, seiner Hingabe und Hartnäckigkeit immer wieder selbst Ziele erreichen kann, für die er von vielen spöttisch belächelt wird.

Aktuell wird er auf Rang 183 der nordamerikanischen Feldspieler gelistet, doch es wäre nicht weiter verwunderlich, wenn er bis zum Ende der Saison noch einen Sprung nach vorne macht. Ob er diese Saison gedraftet wird, oder in Zukunft, Levin hat die Chance Geschichte zu schreiben, als der erste israelische NHL-Spieler. Der Bedeutung dieser Möglichkeit, ist er sich auch in seinen jungen Jahren bewusst.

"Das Trikot von Sudbury hat die Farben der israelischen Flaggen", erklärte er NHL.com bereits, als er in die OHL kam. "Das erinnert mich immer an meine Heimat, deshalb versuche ich bei jedem Einsatz mein Bestes für die Leute in Israel und diejenigen, die Eishockeyspieler werden wollen zu geben. Ich will allen zeigen, dass sie niemals aufgeben sollten."

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