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Die bekannteste Torwartmaske im Eishockey

Ein Bild und 1000 Worte: Gerry Cheevers und seine weltberühmte Torwartmaske

von Bernd Rösch @NHLde / NHL.com/de Chefautor

Im Deutschen gibt es die Redewendung 'Ein Bild sagt mehr als tausend Worte'. NHL.com/de holt an jedem dritten Samstag im Monat ein berühmtes Eishockeyfoto aus den Archiven hervor und beschreibt es in 1000 Wörtern.

Heute: Gerry Cheevers mit der berühmteste Maske des Eishockeysports

Sie zieren Gestalten aus bekannten Horror-Filmen, wilde Phantasiewesen, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen oder überdimensionale Teamlogos zum Ausdruck der Verbundenheit. Ein reißender Werwolf verfolgt sein nächstes Opfer, Dinosaurier befreien sich aus ihren Käfigen und diesem flammenden Inferno zu entkommen ist schier aussichtslos. Wahre Kunstwerke befinden sich auf den Masken der Torhüter und jedes von ihnen erzählt eine eigene Geschichte - über den Träger und über das Team.

Auf das Airbrushing von Torwarthelmen spezialisierte Art-Designer lassen ihrer Kreativität freien Lauf, wenn sie nach Kundenauftrag eine Maske anfertigen. Einen vierstelligen Dollar-Betrag muss ein NHL-Torwart schon hinlegen, um einen individuell gestalteten Helm sein eigen nennen zu dürfen.

Deutlich günstiger kam Ende der 60er-Jahre Gerry Cheevers davon, der die bekannteste Torwartmaske in der Geschichte des Eishockeysports trug. Jeder kennt sie, Cheevers' weiße Maske mit den aufgemalten Platzwunden, die hätten genäht werden müssen. Drei Stiche, sieben Stiche oder elf Stiche. Sie lassen den Betrachter erschaudern weil jeder den Schmerz nachvollziehen glaubt, weil es identisch ist, weil sie keine Auftragsarbeit waren, sondern die Realität eines Torhüter-Lebens im Eishockeysport darstellen.

Cheevers Künstler hieß John Forristall, von Berufs wegen Teamcoach der Boston Bruins. Forristalls Atelier war Ende der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts die Spielerkabine Zur Gestaltung benötigte er keine Airbrush-Spritzpistole sondern nur einen schwarzen Stift.

Wie kam Forristall nur auf diese Idee?

Cheevers begab sich während einer Trainingseinheit der Bruins in die Kabine nachdem er von einem Puck auf der Maske getroffen wurde. Er sah es als willkommenen Anlass an, das Training vorzeitig zu beenden. Bruins Coach Harry Sinden gefiel das aber keineswegs, ging in den Umkleideraum zu Cheevers und befahl ihm, unverzüglich zurück aufs Eis zu kommen. Bevor Cheevers dem Wunsch nachkam, griff sich Forristall die Maske und malte zehn Stiche an jene Stelle, an der der Puck eingeschlagen war. Cheevers gefiel das Design so sehr, dass sie jedes Mal, wenn er einen Puck ins Gesicht bekam, die Stiche markierten.

Bis zu seinem Karrierende trug er in jedem Spiel die gleiche Maske, an der er noch eine weitere Modifizierung vorgenommen hatte. Er hatte die Augenlöcher vergrößert, um den Sichtbereich zu erweitern. Kein Puck sollte ihn mehr überraschen. Auch jede seiner Trainingsmasken glich dem Original.

"Alle Masken sahen gleich aus", erzählte Cheevers NHL.com. "Das war der Job von Forristall. Meiner war es die Masken zu tragen. ich hatte eine Maske nur fürs Spiel und über die Jahre hinweg vielleicht neun oder zehn fürs Training. Die Stiche waren bei allen an der selben Stelle angebracht. Wenn dich die Pucks dort ohne Maske treffen, dann hättest du ein Gesicht wie Boris Karloff in Frankenstein."

Erinnert man sich an die Torhüter der Bruins, denkt man automatisch an den Namen Cheevers. Doch zu seinen ersten NHL-Einsätzen kam er am 2. und 3. Dezember 1961 für die Toronto Maple Leafs. Es blieben seine einzigen Auftritte für das kanadische Traditionsteam aus seiner Heimat Ontario, wo er am 7. Dezember 1940 in St. Catharines das Licht der Welt erblickte.

Knapp vier Jahre nach seiner ersten NHL-Erfahrung, hütete Cheevers am 27. Oktober 1965 zum ersten Mal den Kasten der Bruins. Im Maple Leaf Gardens wehrte er zwar gegen sein Ex-Team 33 Torschüsse ab, doch am Ende stand es 1:2 für die Hausherren. Auch in den folgenden sechs Saison-Einsätzen war ihm das Glück nicht hold gewesen, es setzte Niederlage nach Niederlage. Es sollte bis zum 10. November 1966 dauern, ehe er, damals noch ohne Maske, einen NHL-Sieg feiern durfte. Und was für einen! Mit erneut 33 Saves kam er beim 4:0-Auswärtstriumph in Toronto zu seinem ersten NHL-Shutout.

 

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Mit Gesichtsschutz stand Cheevers erstmals am 11. Oktober 1967 im Tor. 4:4 endete Bostons Gastauftritt im Olympia Stadium der Detroit Red Wings. Zu Berühmtheit gelang Cheevers vor allem in den frühen 70er-Jahren, als er den Bruins 1970 und 1972 verhalf den Stanley Cup zu gewinnen. Eine bis heute noch gültige NHL-Bestmarke stellte er in der regulären Saison vor der zweiten Meisterschaft auf: Vom 14. November 1971 bis zum 25. März 1972 blieb er 32 Spiele in Folge ungeschlagen (24-0-8).

Cheevers erzählte, er sei sich sicher, dass seine Torwartkarriere ohne Maske anders verlaufen wäre: "Mit einer Maske spielt man anders. Man spielt viel tiefer und man hat auch weniger Angst davor getroffen zu werden. Für einen Torwart ist es unmöglich durch ein Spiel zu kommen, ohne dass man einen hohen Stock oder den Puck abbekommt. Man spielt einfach anders, wenn man geschützt ist." 

Nach seinem zweiten Stanley Cup Triumph mit Boston folgte Cheevers zur Saison 1972/73 dem Ruf der Cleveland Crusaders in die World Hockey Association (WHA). Nach 2 1/2 Jahren in der Konkurrenzliga kehrte er während der Saison 1975/76 zu den Bruins zurück, denen er über sein Karrierende hinaus treu blieb.

Nachdem Bruins General Manager Harry Sinden zum Ende der Spielzeit 1979/80 das Amt des Cheftrainers auf Interimsbasis von Fred Creighton übernommen hatte, wählte er Cheevers als seinen Nachfolger für die kommende Saison aus. Der ehemalige Torwart war auch als Übungsleiter äußerst erfolgreich: In den vier Jahren unter seiner Regie schlossen die Bruins zweimal die Adams Division als Tabellenzweiter und zweimal als Divisions-Erster ab. Im Laufe der Saison 1984/85 übernahm wieder Sinden von Cheevers den Job hinter Bande.

Ganz auf seine Dienste wollten die Bruins auf Dauer jedoch nicht verzichten. Als Mitglied des Scouting Büros der Bruins sichtete Cheevers für den Klub von 1995 bis 2006 Nachwuchstalente.

 

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Ob auf dem Eis, als Trainer oder als Scout, Cheevers gab immer sein Bestes. Mit ihm im Tor verloren die Bruins nicht einmal jede vierte Partie (24,76 Prozent). Seine Torwartbilanz von 226-103-76 ist ebenso überragend wie seine Bilanz als Trainer (204-126-46) mit einer Siegquote von 60,4 Prozent. Kennt jemand einen Goalie, der als NHL-Coach ähnlich erfolgreich war wie Cheevers?

Mit der Gestaltung seiner Maske setzte Cheevers einen Trend, der sich bis in die heutige Zeit bewahrt hat.

Bereits im Jahre 1985 wurde Cheevers in die Hockey Hall of Fame aufgenommen, wo auch eine seiner Masken ausgestellt ist. Das Original gab er jedoch seiner Tochter als Geschenk für seinen Enkel, bei dem das Museumsstück die Wand seines Zimmers verschönerte.

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