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Ehrhoff, Goc, Greiss: Nur der Titel zählt

von Gerulf Ketz / NHL.com

Uwe Krupp und Dennis Seidenberg. Mit gleich drei deutschen Spielern war es nie aussichtsreicher, diese übersichtliche Liste auf einen Schlag mehr als zu verdoppeln:

Die Namen von Christian Ehrhoff, Marcel Goc und Thomas Greiss sollen unter die über 2.400 Auserwählten auf den wichtigsten Pokal des Profi-Eishockeys graviert werden, den Stanley Cup.

Ehrhoff und Goc wurden im Entry Draft 2001 von den San Jose Sharks nach Kalifornien geholt, starteten dort ihre NHL-Karriere und spielten von 2005 bis 2009 zusammen.

2004 sicherten sich die Sharks mit Greiss die Rechte an einem weiteren Deutschen, der sich zum Ende der Zeit von Ehrhoff, der nach Vancouver ging, und Goc, den es nach Nashville zog, ins Team spielte; dort bliebt Greiss bis 2013 und wechselte anschließend nach Phoenix.

2001 war auch der Beginn von zwei weiteren deutschen NHL-Karrieren: Christoph Schubert kam zu den Ottawa Senators und Dennis Seidenberg wurde von den Philadelphia Flyers ausgewählt. Während Schubert nach fünf NHL-Spielzeiten bereits 2010 nach Europa zurückkehrte, wechselte Seidenberg häufig die Teams, bevor er 2010 nach Boston kam.

Uwe Krupp galt lange als einziger deutscher Eishockeyspieler, der es in Nordamerika zu Ruhm und Ehre brachte. Als er 1986 in die NHL kam, sollten noch über zehn Jahre vergehen, bis sich die heute in Deutschland gut bekannten NHL-Stürmer Marco Sturm und Jochen Hecht einen Namen machen. Und es dauerte fast ebenso lange, bis Krupp sich unsterblich machte.

Er spielte lange in Buffalo und kam über New York mit Quebec nach Denver. Erst dann "passierte" es, dass sein Schuss in der Verlängerung den Weg ins Tor fand und er mit diesem Treffer 1996 den Titel für die Colorado Avalanche und seinen Platz in den Geschichtsbüchern sicherte.

Nun spielen Ehrhoff, Goc und Greiss wieder zusammen; dieses Mal bei den Pittsburgh Penguins. Ausgestattet mit Einjahresverträgen ist klar, um was es geht:

"Es wird nicht einfach, da es viele sehr starke Teams mit Ambitionen gibt. Wir wollen uns einfach gut durch die Saison schlagen und in den Playoffs die Kleinigkeiten richtig machen.", sagt ein selbstbewusster Ehrhoff. Sein Mitspieler Goc sieht das ähnlich:

"Wir stehen im Moment gut da und wollen bis zum Ende mitspielen. Dann schauen wir, was dabei raus kommt. Wir haben hohe Ziele."

Bis zum Ende mitspielen und die Kleinigkeiten richtig machen: das klingt so einfach und bedeutet doch alles.

Ehrhoff weiß, was es heißt, knapp am Titel vorbei zu schrammen. Er war in seiner Zeit in San Jose stets Teil eines starken Teams, das in der regulären Spielzeit oft meisterlich anmutete und dann im entscheidenden Augenblick, den Playoffs, scheiterte.

In Vancouver war es noch knapper: 2011 verloren seine Canucks erst im letztmöglichen und siebten Finalspiel gegen Boston und blieben mit leeren Händen zurück.

Anders als Seidenberg, der für diese Bruins im ersten Stanley Cup-Finale mit deutscher Beteiligung auf beiden Seiten das glücklichere Ende für sich behielt.

Nach Vancouver folgte Buffalo, eine im Rückspiegel betrachtet verlorene Zeit. Ehrhoff verdiente zwar viel Geld bei den Sabres, war jedoch sichtlich froh, als es 2014 zur Trennung kam: "Pittsburgh ist ein großer Unterschied zu Buffalo; das Niveau ist viel höher.

Jetzt komme ich wieder jeden Tag mit einem Lächeln zum Training."

Marco Sturm erlebte mit über 900 NHL-Spielen und fast 500 Punkten eine sehr erfolgreiche Karriere. Jochen Hecht schaffte es auf ähnliche Zahlen. Doch eine große Karriere bleibt für immer unvollendet, wenn die letzte Krönung fehlt. Diese Situation ist bei Krupp, Seidenberg und Ehrhoff vergleichbar.

Krupp wartete zehn Runden und etwa 550 Saison- und über 70 Playoffspiele auf den ersten Titel. Seidenberg benötigte acht Spielzeiten und etwa 450 Saison- und fast 50 Playoffspiele. Ehrhoff kann auf die größte Erfahrung bauen:

Er spielt seine elfte NHL-Saison nach über 700 Saison- und über 70 Playoffspielen.

Es scheint alles zusammenzupassen: Das starke Team, den besten Spieler der Liga, die deutschen Mitspieler, die gesammelten Erfahrungen.

"In Pittsburgh fühlte ich mich als alter Pinguin direkt heimisch. Es ist ein schöner Bonus, dass Marcel und Thomas hier sind. Unsere Mannschaft ist stark und wir gehören zu den Favoriten. Das ultimative Ziel: Ganz klar, wir wollen den Stanley Cup gewinnen.", fasst Ehrhoff, der in Deutschland bei den Krefeld Pinguinen groß wurde, die wichtigen Elemente dieser Saison zusammen.

Der Druck ist enorm, im ersten Jahr direkt Meister zu werden und auf dem 90 cm großen und 15 kg schweren Stanley Cup verewigt zu werden.

Die Einjahresverträge legen die Zukunft fest, bedeuten alles oder nichts:

Wenn es zum Titel reicht, ist es wahrscheinlich, dass das Team größtenteils in der jetzigen Zusammensetzung bestehen bleibt und weitere Titel anstrebt.

Dann, ähnlich wie für Seidenberg in Boston, kann man mit seiner Familie ein zu Hause aufbauen und für etwas Normalität im größten Eishockeyzirkus der Welt sorgen; wenn es nicht reicht, gehen die Deutschen womöglich wieder auseinander und die Reise zum Stanley Cup beginnt an anderer Stelle erneut.

Die Chance aber es zu schaffen, war für deutsche Eishockeyspieler nie besser.

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