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Oilers brauchen mehr als nur McDavid

31 in 31: Edmonton hofft auf höhere Stabilität und besseres Secondary-Scoring

von Christian Rupp @IamCR1 / NHL.com/de Autor

Die NHL-Saison 2018/19 wirft langsam aber sicher ihre Schatten voraus. Vor dem Start der Trainingslager analysiert NHL.com/de ab dem 5. August die 31 Teams der Liga in 31 Tagen. Zu jeder Mannschaft gibt es in der Serie "31 in 31" zwei Berichte mit interessanten Fakten, Einschätzungen und Einblicken.

In dieser Folge: Edmonton Oilers

Die Edmonton Oilers haben sich seit 2006 nur ein einziges Mal für die Playoffs qualifizieren können. In der Saison 2016/17 drangen die Kanadier sogar bis ins Conference-Halbfinale (3:4 gegen die Anaheim Ducks) vor. Darauf wollte Edmonton eigentlich aufbauen, doch die Folgespielzeit 2017/18 war ein so nicht eingeplanter Rückschlag. Obwohl mit Connor McDavid der NHL-Top-Scorer als Kapitän auf der Brücke stand, scheiterten die Oilers krachend mit 17 Punkten Rückstand an der Endrunden-Teilnahme (Bilanz: 36-40-6).

 

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Fehleranalyse: Schwache Special-Teams

Die Gründe hierfür waren mannigfaltig: 262 Gegentore bedeuteten die schlechteste Defensive in der Western Conference. Zudem war auf die Special-Teams kein Verlass: Das Powerplay war mit nur 14,8 Prozent das schlechteste in der gesamten NHL. Auch in Sachen Penalty-Killing landete Edmonton mit 76,7 Prozent im unteren Drittel (25.). Hinzu kommt eine nicht von der Hand zu weisende Heimschwäche: Die Bilanz im Rogers Place war stark ausbaufähig (19-18-4), zudem war das Unterzahlspiel auf eigenem Eis unterirdisch (65,8 Prozent).

Die Oilers litten unter starken Formschwankungen von Schlüsselspielern. Dabei sind vor allem Stürmer Milan Lucic und Torhüter Cam Talbot zu nennen, die nicht wie erhofft lieferten. Talbot parierte nur noch 90,8 Prozent der Schüsse bei einem Gegentorschnitt von 3,02 (Vorjahr: 91,9 Prozent, 2,39). Lucics Produktivität stürzte von 50 Scorerpunkten (23 Tore, 27 Assists) auf magere 34 Punkte (zehn Tore, 24 Assists) ab. "Wir erwarten, dass er sich erholt. Er muss einen Weg finden, wieder zu produzieren", warnt Coach Todd McLellan. Auch fehlte es Edmonton an Gefahr von der blauen Linie. Schlimmer noch: Der teils fahrlässige Aufbau sorgte immer wieder für Probleme vor dem eigenen Tor.

Video: EDM@BUF: Lucic trifft nach Vorlage von McDavid

Kein Umbruch - Brodziak und Rieder kehren zurück

Trotz dieser alarmierenden Zahlen blieb ein Umbruch im Sommer aus. "Das ist gut, denn du willst das Team zusammenhalten", glaubt McDavid. Teure Verpflichtungen waren ohnehin nicht möglich: Superstar McDavid (12,5 Millionen US-Dollar Jahresgehalt) und der deutsche Exportschlager Leon Draisaitl (8,5 Millionen) nehmen bereits viel Gehaltsspielraum in Anspruch. Entsprechend erlebten die Oilers eine relativ ruhige Offseason mit verschmerzbaren Abgängen (Laurent Brossoit, Mike Cammalleri, Eric Gryba, Joey LaLeggia, Iiro Pakarinen, Anton Shlepyshev, Dillon Simpson) sowie punktuellen Verstärkungen. Neu sind die Goalies Mikko Koskinen und Hayden Hawkey, Verteidiger Kevin Gravel sowie die beiden Stürmer Kyle Brodziak und Tobias Rieder. "Brodziak und Rieder sind enorme Verstärkungen. Hoffentlich werden alle Neuen den Konkurrenzkampf schüren", so McLellan, der die zurückhaltende Transferpolitik wie folgt erklärt: "In der Sommerpause geht es nicht zwangsläufig darum, möglichst viele verschiedene Spieler zu holen. Es geht darum, mehr aus dem herauszuholen, was wir haben."

Für frischen Wind und mehr Secondary-Scoring hinter den Punktemaschinen McDavid (108 Scorerpunkte in 2017/18) und Draisaitl (70) sollen die neuen Stürmer dennoch sorgen. Für Rieder ist vorerst wohl eine Bottom-Six-Rolle vorgesehen. Der emsige Arbeiter aber soll sich durchaus auch für höhere Aufgaben empfehlen. Der Rückkehrer - Rieder wurde im Jahr 2011 in der 4. Runde an 114. Stelle von den Oilers gedraftet - wies bereits bei seinen bisherigen Stationen (Arizona Coyotes, Los Angeles Kings) nach, dass er in den Special-Teams erfolgreich spielen kann. Brodziak, ebenfalls von Edmonton gedraftet (2003 in der 7. Runde an 214. Stelle), soll mit seinen 34 Jahren mit seiner Erfahrung helfen. "Kyle gehört mittlerweile schon zum alten Eisen in dieser Liga, aber das ist okay. Solche Spieler sind wichtig und vielleicht hat uns das im letzten Jahr gefehlt", betont McLellan.

 

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Talentepool: Hauptrolle für Yamamoto?

Nach wie vor kann Edmonton auch aus einem reichhaltigen Talentepool schöpfen. Der größte Sprung wird von Flügelstürmer Kailer Yamamoto erwartet. Der 19-Jährige debütierte schon in der abgelaufenen Saison für die Oilers (neun Einsätze, drei Assists) und soll als intelligenter Arbeiter mit guten Händen eine perfekte Ergänzung für die Top-Six-Reihen sein. Womöglich darf sich der US-Amerikaner gar an der Seite der Superstars McDavid und Draisaitl probieren.

Für mehr Offensiv-Touch in der Verteidigung könnten die Blueliner Ethan Bear (21) und Evan Bouchard (18) sorgen. Während Ersterer gute Karten für einen Platz im Roster hat, wird Letzterer als Top-Pick im jüngsten Draft 2018 (1. Runde, 10. Stelle) wohl eher behutsam aufgebaut und ist vorerst noch kein Thema im NHL-Team.

Der Faktor McDavid

Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Oilers wird McDavid bleiben. Der 21-jährige Ausnahme-Center wurde zweimal in Folge mit der Art Ross Trophy als NHL-Top-Scorer sowie mit dem Ted Lindsay Award für den von der NHLPA ernannten Spieler der Saison ausgezeichnet. Macht der Kanadier seinen Trophäen-Hattrick nun perfekt? McDavid ist schnell, robust (1,85 Meter groß, 87 Kilogramm schwer), trickreich und kann sowohl passen als auch schießen. In den letzten zwei Jahren war er an 44,1 Prozent der Edmonton-Treffer direkt beteiligt (Tor oder Assist). Zudem stellt sich der Linksschütze in den Dienst der Mannschaft, blockt Schüsse und zieht Strafen. Doch selbst ein McDavid hat noch Luft nach oben. Das gilt insbesondere für die Bullys: In der Vorsaison gewann der Mittelstürmer lediglich 41,4 Prozent seiner Anspiele.

Video: ANA@EDM: McDavid aus dem Handgelenk gegen Gibson

Ausblick: Aufsteigende Tendenz

McDavid und Draisaitl sind zweifelsohne die beiden größten Trümpfe der Oilers. Allerdings muss es Edmonton schaffen, die Produktivität auf mehrere Schultern zu verteilen, um auch mit der zweiten, dritten und vierten Sturmreihe auf die Anzeigetafel zu kommen. Hierbei könnte mit Rieder ein Deutscher entscheidend mithelfen. Zumindest auf dem Papier konnten die Defizite in der Defensive nicht behoben werden. Genau diese Baustelle wird aber entscheidend dafür sein, ob Edmonton in die Playoffs zurückkehren wird oder nicht. "Ich glaube, dass wir die richtige Richtung einschlagen", sagt General Manager Peter Chiarelli. "Ich weiß nicht, ob wir so gut werden wie vor zwei Jahren, aber wir werden besser sein als zuletzt." Eine Einschätzung, die NHL.com/de so teilt: Die Oilers werden in der Pacific Division zwar nicht ganz vorne mitspielen, aber im Rennen um die Playoff-Plätze wieder ein Wörtchen mitreden.

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