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Es wächst etwas heran

Auch wenn die Niederlage in Spiel 7 schmerzt, in Edmonton sieht man einer goldenen Zukunft entgegen

von Marc Rösch / NHL.com/de Autor

"Die Teams gegen die wir gespielt haben, die großartigen Serien die wir bestritten haben, die Aufs und Abs, die wir durchgemacht haben; Wir haben sozusagen innerhalb von nur einem Monat unseren Collegeabschluss gemacht.

Diese Erfahrungen werden uns in der Zukunft sehr, sehr hilfreich sein", resümierte Edmonton Oilers Trainer Todd McLellan nach der Niederlage in Spiel 7 der zweiten Runde der Stanley Cup Playoffs gegen die Anaheim Ducks.

Auch wenn die Enttäuschung über das Ausscheiden nach einer so umkämpften Serie schmerzt, in Edmonton richtet man den Blick nun nach vorne. Die Oilers katapultierten sich innerhalb einer Saison von einem der schlechtesten Teams der Liga zu einem echten Titelaspiranten. Zehn Mal in Folge verpasste man im Norden Albertas die Endrunde der besten 16 Teams der NHL.

Seit der Finalteilnahme in der Saison 2005-06 in der die Oilers nach sieben Spielen den Carolina Hurricanes unterlagen, waren sie Dauergast in der unteren Tabellenhälfte.

"Ich denke, niemand hätte hier gedacht, dass wir in diesem Jahr nur ein Drittel von den Conference Finals entfernt sein würden", sagte Torhüter Cam Talbot, der in Spiel 7 28 Saves machte und in den gesamten Playoffs einen Gegentorschnitt von 2,48 sowie eine Fangquote von 92,4 % erzielte. "Ich bin unglaublich Stolz auf diese Truppe und ich freue mich auf die Zukunft mit diesem Team."

Die Zukunft könnte für Edmonton eine goldene sein. Mit ihrer eingestaubten Heimspielstätte, dem Rexall Place, die ihnen über vierzig Jahre lang eine Heimat war, ließen sie auch ihre trostlosen Ergebnisse und bisweilen blasse Spielweise hinter sich.

Just waren sie in den schnieken Rogers Place eingezogen, mischten sie die Liga auf. Jahrelang konnten sich die Oilers aufgrund ihrer regelmäßig frühen Draftpositionen mit hochtalentiertem Spielermaterial ausstatten, doch die Erfolge wollten sich nie so recht einstellen.

Nun, man hatte sie schon fast abgeschrieben, gelang den Oilers in der abgelaufenen Spielzeit tatsächlich Großes.

"Vom letzten Jahr, das wir nahe dem Schlussstrich der Liga beendet hatten, sind wir so stark hervorgegangen und sind in diesem Jahr als Gruppe gewachsen", fügte Torhüter Talbot hinzu. "Ich denke nicht, dass das tatsächlich jemand erwartet hätte."

Das Team von Headcoach McLellan ist nicht nur als Gruppe zusammengewachsen; auch einzelne Akteure machten in 2016-17 einen riesigen Sprung. Schon in der Vorsaison konnte Ausnahmestürmer Connor McDavid sein großes Talent eindrucksvoll unter Beweis stellen, doch ein Schlüsselbeinbruch warf ihn in seiner Entwicklung zurück.

Als Teamkapitän machte er nun einen Quantensprung und versetzte die Defensivreihen mit seiner in der Liga fast unerreichten Geschwindigkeit regelmäßig in Angst und Schrecken. Mit 100 Scorerpunkten (30 Tore, 70 Assists) nach 82 Hauptrundenspielen schloss McDavid als punktbester Spieler der Liga ab. Damit ergatterte zum ersten Mal seit Wayne Gretzky ein Oilersspieler die begehrte Art Ross Trophy.

Neben McDavid machte allen voran Deutschlands Eishockeyhoffnung Leon Draisaitl in der abgelaufenen Saison einen gigantischen Schritt.

"Wir hatten viele Jungs, die so etwas noch nie durchgemacht haben und jetzt wissen wir im nächsten Jahr damit umzugehen, wenn wir es nochmal in die Playoffs schaffen sollte", erklärte Draisaitl, der in neun Playoffspielen 16 Punkte (6 Tore, 10 Assists) für Edmonton erzielte. "Ich denke, das wird uns helfen. Sie hatten uns gegenüber einen großen Erfahrungsvorteil und trotzdem haben sie gegen uns sieben Spiele gebraucht. Letztendlich machte nur ein Tor den Unterschied.

Video: ANA@EDM, Sp6: Draisaitl komplettiert Hattrick

Zweifellos waren die Anaheim Ducks das Playofferfahrenere Team. Während die Leistungsträger der Oilers reihenweise unter 30 Jahre sind, haben die Ducks gewaltig Playofferfahrung auf dem Buckel. Nun haben sie ein Team wie die Ducks an den Rande des Playoff-KOs gebracht.
In diesem Jahr haben die Oilers noch ihren Meister gefunden, doch für sie war es alles andere als ein Rückschlag.

"Vor nicht langer Zeit sind wir in der regulären Saison in diese Hallen gekommen und wollten einfach nur überleben", erklärte McLellan. "Jetzt können wir pushen und es mit diesen Teams aufnehmen. Wir gehen also in die richtige Richtung. Wir haben vieles richtig gemacht, haben viele Erfahrungen gesammelt."

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