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Ducks noch schwerer zu knacken

Südkalifornier tankten in Spiel 3 gehörig Selbstvertrauen und werden in Spiel 4 eine harte Nuss für Calgary sein

von Marc Rösch / NHL.com/de Autor

Nicht viel passte bei den Anaheim Ducks am Montag in der ersten Hälfte des dritten Spiels der Erstrundenserie gegen die Calgary Flames im Scotiabank Saddledome zusammen. Es waren keine zwei Minuten gespielt, als sich Anaheims Nick Ritchie zu einem unnötigen Foulspiel hinreißen ließ. Wegen Interference an Matt Bartkowksi musste der Flügelstürmer auf die Kühlbox und 23 Sekunden später zappelte der Puck im Tor der Ducks.

Die Fans der Südkalifornier sahen ein Team, das im Vergleich zu den beiden Siegen zuvor im heimischen Honda Center wie ausgewechselt wirkte. Calgary präsentierte sich bissiger und war am Drücker. Als Sam Bennett in der 29. Spielminute den Treffer zum zwischenzeitlichen 4-1 erzielte, lagen die Nerven bei den Ducks blank.

Headcoach Randy Carlyle setzte ein Zeichen und brachte Ersatzkeeper Jonathan Bernier für den bis Dato glücklosen John Gibson. Mit Bernier ging ein Weckruf durch das Team und das Momentum wechselte peau a peau auf ihre Seite. Schritt für Schritt kämpften sich die Ducks zurück ins Spiel und sollten den Dreitorerückstand tatsächlich egalisieren.

Video: ANA@CGY, Sp3: Perry bezwingt Elliott in der Overtime

Mit Nate Thompson und insbesondere Shea Theodore traten zwei nicht gerade als Torjäger bekannte Gesichter in Erscheinung. Der erst 21-jährige Defensivspieler Theodore, der in der 56. Spielminute den 4-4 Ausgleich erzielte und damit die Eintrittskarte in die Verlängerung löste, konnte sein Glück nach dem Spiel kaum fassen:

"Ich bin mir gar nicht sicher, wie der Erste reingegangen ist ... muss ein ziemlich glücklicher Hupfer gewesen sein", sagte der zweifache Torschütze Theodore. "Auch das zweite Tor, ich habe einen schönen Pass bekommen und den Puck einfach aufs Tor geworfen. Ich denke, wir sind in eine der Pausen gegangen und haben uns einfach gesammelt. Wir haben uns wieder auf die richtige Bahn gebracht und haben das Spiel ziemlich stark beendet. Wir wissen, egal wie hoch wir hinten liege, wir können uns wieder zurückkämpfen und uns wieder auf die Spur bringen."

Bei den Ducks passte in der zweiten Spielhälfte nahezu alles zusammen. Nachdem sie zu Beginn selbst in ihrer Paradedisziplin, dem Bullyspiel, deutlich das Nachsehen hatten, verbesserten sie sich im Laufe der Partie deutlich, was auch Coach Carlyle erkannte.

"Wir haben viele Bullies in der Offensivzone gewonnen und wir haben einige Varianten am Bully gespielt", sagte er. "Das ist immer etwas, mit dem der Gegner umgehen muss. Es gibt deinen Jungs Selbstvertrauen. Ich muss ihnen nichts Besonderes erklären, weil sie es schon das ganze Jahr machen. Deshalb geben die Jungs richtig den Ton an. Wenn du eine Eishockeymannschaft trainierst und sie anfangen, Verantwortung zu übernehmen und die Dinge selbst in die Hand nehmen, dann ist das sehr positiv für die ganze Gruppe."

Die Ducks haben die Dinge am Montag zweifellos in die Hand genommen. Sie haben sich auch von einem Rückstand, der so hoch war, dass er in der Franchisegeschichte noch nicht aufgeholt werden konnte, nicht entmutigen lassen und ihre winzige Restchance am Schopfe gepackt.

"Es sind Playoffs", erklärte Goalie Bernier. "Du musst immer weiter arbeiten und weiterhin die richtigen Dinge tun und wie ich sagte, wir haben einen Weg gefunden. Es ist schwer zu erklären. Wir wissen, dass wir ein gutes Team haben. Wir sind im Dritten und in der Overtime richtig gekommen. Wie schon gesagt, es war noch Alles drin und wir haben einen Weg gefunden."

Anaheim hat jedoch nicht nur einen Weg gefunden, das Gastspiel in Calgary zu drehen, sie sind auch als Team noch stärker geworden. Mit Korbinian Holzer, Josh Manson, Brandon Montour und Shea Theodore spielten in Spiel 2 zehn Verteidiger, die zusammen noch keine zehn Spiele Playofferfahrung haben (Kevin Bieksa hat zum Vergleich bereits 80 Stanley Cup Playoffspiele auf dem Buckel).

Im Dritten Spiel haben diese Jungen nicht nur Erfahrung gesammelt sondern, wie Theodore mit zwei Toren unterstrich, Verantwortung übernommen. Mit zwei Toren in einem einzigen Playoffspiel stellte Theodore einen Franchiserekord für Verteidiger ein. Zuletzt gelang dieses Chris Pronger in Spiel 3 des Conferenceviertelfinales am 15. April 2008 gegen Dallas.

Mit dem Selbstvertrauen aus Spiel 3 im Rücken hat das Team von Carlyle am Mittwoch die Entscheidung auf der Kelle. Um 7:00 PM PT werden sie im Scotiabank Saddledome zu Calgary versuchen, die perfekte Serie klarzumachen.

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