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Anaheim zeigte sich lernfähig

Ducks Stürmer Perry ging in Spiel 4 wieder einmal vorbildlich voran

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Es zieht sich wie ein Roter Faden durch diese Playoffs, dass Partien spät, häufig nur mit einem Tor Unterschied, oder sogar erst in der Verlängerung entschieden werden. Auch in Spiel 4 des Western Conference Finales zwischen den Anaheim Ducks und den Nashville Predators stand der Sieger erst nach einer Zusatzschicht fest - zum 26 Mal in diesem Jahr.

Ein Faible für Verlängerungen, vor allem wenn sie auf fremden Eis stattfinden, haben die Ducks. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag fuhr das Team von Randy Carlyle mit 3-2 Toren seinen vierten Overtimeerfolg in den diesjährigen Stanley Cup Playoffs ein (4-1), den dritten Auswärts (3-0), und trägt damit seinen Anteil dazu bei, dass die Chancen nicht schlecht stehen, dass diese Postseason, als jene mit den meisten Overtimespielen in die Geschichte eingehen wird. Mit weiteren drei Overtimebegegnungen wäre der seit 1993 bestehende NHL-Rekord geknackt.

Die Ducks konnten zunächst einmal die beeindruckende Heimsiegesserie der Predators, die saisonübergreifend zehn Playoffpartien in der heimischen Bridgestone Arena gewonnen haben, beenden. Nashvilles Serie begann am 21. April 2016 nach einer 1-4 Niederlage in der Erstrundenserie gegen eben jenes Team, das ihr nun auch ein Ende setzen konnte.

Mit der Gewissheit, dass sie in Nashville auch gewinnen können, unabhängig davon wie schlecht sie in Spiel 3 ausgesehen haben, gingen die Südkalifornier ihre Aufgabe in der Nacht von Donnerstag auf Freitag an, präsentierten sich gefestigt, und nach der Kritik an ihrer gezeigten Leistung auch lernfähig.

Sie lieferten ein überragendes erstes Drittel ab, in dem sie nur zwei Torschüsse der Hausherren zuließen, spielten sich einen 2-Tore Vorsprung heraus, und meldeten sich nach dem späten Ausgleich der Predators 35 Sekunden vor Spielende eindrucksvoll in der Verlängerung zurück - wieder einmal avancierte Corey Perry zum Matchwinner für den Stanley Cup Champion von 2007. Zwei Tage nach seinem 32. Geburtstag bereitete er sich und seinem Team das schönste Geschenk mit dem Treffer nach 10:25 Minuten in der Verlängerung.

Perry hat schon genialere Tore geschossen als das siegbringende am gestrigen Abend. Von rechts außen an der Bande spielte er die Scheibe in die Mitte vors Tor, Empfänger sollte Center Nate Thompson werden, doch zuvor fälschte sie Nashvilles Unglücksrabe P.K. Subban in den eigenen Kasten ab.

Video: ANA@NSH, Sp4: Perry schießt das Overtime-Siegtor

Der Treffer wurde Perry zugerechnet, der in diesen Playoffs bereits in jeder der drei Serien gegen Calgary, Edmonton und Nashville in der Verlängerung getroffen hatte. Er trat damit dem illustren Kreis bei, dem bisher nur zwei Spieler aus der 100-jährigen Geschichte der NHL angehörten. Bostons Mel Hill war in den Playoffs 1939 und Montreals Maurice Richard in den Playoffs 1951 ein solches Kunststück geglückt.

"Den Treffer nehme ich natürlich gerne mit. Ich habe gesehen, dass Subban zurückkommt und dachte, dass ihn schon jemand unter Druck setzen wird. Er spielte die Scheibe mit der Rückhand, um die Rundung, wo ich stand, dann sah ich aus dem Augenwinkel Nate vors Tor ziehen. ich habe nur versucht Verkehr vor dem Kasten zu erzeugen und Chaos zu verursachen. Das sagt man doch immer. 'Bring den Puck in der Overtime vors Tor und niemand weiß, was passieren wird", beschrieb Perry die Situation, die zum Game Winner führte aus seiner Sicht.

Perry gehört zu jener Riege an Spielern, die eben nicht nur theoretisch wissen, wann es darauf ankommt, sondern vor allem auch in der Lage sind die Vorgaben praktisch auf dem Eis umzusetzen.

Nach der 1-2 Niederlage in Spiel 3 wurden die Ducks berechtigterweise dafür kritisiert, dass sie nur 20 Mal auf das gegnerische Tor geschossen hatten, gestern Abend suchte alleine Perry fünfmal den Abschluss und war in dieser Kategorie neben seinen Sturmkollegen Ryan Kesler und Rickard Rakell Anaheims fleißigster Angreifer.

Video: ANA@NSH,Sp4: Rakell versenkt Schlagschuss gegen Rinne

Auf die Erfahrung von Perry können die Ducks nicht verzichten, unabhängig davon in welcher Sturmformation, ob in der ersten oder dritten Reihe, er aufläuft.

"Es spielt eigentlich überhaupt keine Rolle in welcher Reihe man spielt. Man geht raus und versucht alles, damit man in dieser Liga erfolgreich ist. Ich ziehe meinen Spielstil durch, versuche die Pucks aufs Tor zu bringen oder tief zu gehen", bestätigte Perry glaubhaft, dass er es keinesfalls als Degradierung ansieht, wenn er nicht zusammen mit Teamkapitän Ryan Getzlaf in einer Reihe auf dem Eis steht."

Unbestritten beherrscht Carlyle die hohe Kunst seine Ducks immer wieder auf die Erfolgsspur zurückzubringen. Nach dem 1-2 Rückstand in der Serie verordnete er den Spielern einen freien Tag, damit sie den Kopf freibekommen.

Perry ist sich sicher, dass diese Maßnahme ausschlaggebend für ihr letztes Comeback war: "Das war perfekt. Wir waren nicht auf dem Eis, gingen raus, spielten etwas Billard, etwas Darts und erholten uns. Für jeden von uns war es ein toller Nachmittag. Das hatten wir gebraucht. Wir wollten Spiel 3 hinter uns lassen. Das ist uns geglückt. Wir hatten die Kraft und eine Antwort parat."

Ihre nächste Visitenkarte können die Ducks wieder vor heimischem Publikum abgeben. Am Samstagabend messen sie sich im Honda Center von Anaheim zum fünften Mal mit den Nashville Predators (7:30 p.m. ET).

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