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Überzahlmisere bei den Ducks und Islanders

Die Null wird gerne gesehen, jedoch nicht, wenn es um die Powerplayeffektivität geht

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

'Vier Mann sind genug, vier Mann sind genug', skandieren in deutschen Eishockeystadien gerne die Fans hämisch, sobald das eigene Team eine Unterzahlsituation schadlos überstanden hat. Die Anhänger der bisherigen Gegner der Anaheim Ducks und der New York Islanders hätten, so ihnen dieser Sprechgesang bekannt wäre, in der noch jungen Saison häufig Gelegenheit gehabt ihn anzustimmen. Jeweils sechs Partien haben die beiden Franchises bestritten und sie haben als einzige Mannschaften in der Liga noch immer keinen Powerplaytreffer auf ihrem Konto. Während sich die Ducks damit trösten können, zumindest bei nummerischer Überlegenheit keinen Gegentreffer kassiert zu haben, bleibt den Islanders selbst dieser schwache Trost verwehrt. Bereits drei Tore musste das Team von Headcoach Doug Weight zu einem Zeitpunkt hinnehmen, zu dem es mit mehr Mann auf dem Eis stand als ihr jeweiliger Kontrahent.

Am vergangenen Sonntag profitierten die Los Angeles Kings im heimischen Staples Center von der mangelnden Effektivität der Special Teams ihrer Gäste aus Brooklyn. Die Islanders fingen sich durch Thomas Hickey just in jener Phase, als sie die Kontrolle über das Spielgeschehen bekamen, eine Strafzeit ein, die prompt durch Jake Muzzin mit dem 2:1 Führungstor der Südkalifornier bestraft wurde. Kings starker Verteidiger Drew Doughty erzielte den Treffer zum 3:1, als es den Islanders im Schlussabschnitt bei 5 gegen 4 nicht gelang sich im Drittel ihrer Gastgeber festzusetzen und sich Joshua Ho-Sang, beim Versuch den Puck an die blaue Linie zu spielen, einen folgenreichen Fehlpass leistete.

Casey Cizikas konnte zwar gut 5 1/2 Minuten vor Spielende noch für eine Ergebniskosmetik sorgen, doch am Ende standen die Islanders mit leeren Händen da.

John Tavares, der es in dieser Begegnung auf 3:19 Überzahlminuten brachte, ging im Anschluss kritisch mit seiner Leistung ins Gericht. "Sie zählen auf mich, sie erwarten dass ich punkte. Und das ist mir bisher nicht so konstant gelungen, wie ich es mir gewünscht hätte", gab der 27-jährige Teamkapitän im Anschluss der Partie zu Protokoll und ergänzte, dass er, vor allem wenn er zu Großchancen komme, mehr von sich erwarte.

Mangelnde Effizienz im Powerplay ist den Islanders nicht fremd. Am Ende der vergangenen Saison wiesen sie mit 14,9 Prozent den drittschlechtesten Wert in der Liga und den schlechtesten aller 15 Mannschaften in der Eastern Conference aus. Diese magere Ausbeute war mitverantwortlich, dass das Team den Einzug in die Stanley Cup Playoffs 2017 verpasst hatte. Es besteht Handlungsbedarf!

Etwas gelassener können die sportlich Verantwortlichen der Ducks die Sache angehen, obwohl ihre Bilanz von 2-3-1 aus sechs Partien, darunter zuletzt eine bittere 1:3 Heimpleite gegen die Buffalo Sabres, weit unter den Erwartungen des Pacific Division Champions vom Vorjahr liegt. Mit den Stürmern Ryan Getzlaf, Ryan Kesler, Corey Perry (jeweils 20 PP-Punkte in 2016/17) und mit den Verteidigern Cam Fowler (15 PP-Punkte) sowie Sami Vatanen (14 PP-Punkte) gehören noch immer die fünfbesten Powerplayscorer aus der Vorsaison zum Kader der Ducks. Getzlaf konnte verletzungsbedingt nur an zwei Saisonspielen teilnehmen und Vatanen (Schulteroperation) sowie Kesler (Hüftoperation) fielen bisher komplett aus. Auch wenn die Südkalifornier bisher 21 Überzahlsituationen ungenutzt verstreichen ließen, sobald sich ihre Verletztenliste an Offensivspielern wieder lichtet, werden sie sich im Powerplayklassement vom Tabellenende bis ins Mittelfeld vorarbeiten. Anaheims erfahrener Trainerfuchs Randy Carlyle verfiel auch nach der Vorstellung gegen die bis dato sieglos angetretenen Sabres nicht in Panik: "Wir hatten einige Gelegenheiten den Puck durchzubringen, doch wenn es einmal nicht so gut läuft, dann triffst du eben nur die Schienbeinschoner."

Video: BUF@ANA: Wagner tunnelt zum Tor in Unterzahl

Die Ducks haben bei ihren letzten zwei Niederlagen bei den Colorado Avalanche (1:3) und gegen Buffalo nur jeweils ein Tor geschossen, verfügen jedoch über viele erfahrene Protagonisten, die genau wissen, wie man aus einem solchen Tief auch wieder herauskommt.

In der Nacht von Freitag auf Samstag (4:00 Uhr MESZ) erwarten die Ducks im heimischen Honda Center die Montreal Canadiens. Die Islanders treten einen Tag vorher (1:00 Uhr MESZ) im Madison Square Garden gegen die New York Rangers an.

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