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Draisaitl will mit neuer Stärke zurückkommen

von Stefan Herget / NHL.com

Eine lange Sommerpause ist erneut ein Fremdwort für Leon Draisaitl. Der 19-jährige Deutsche, der vergangenes Jahr bereits an dritter Stelle beim NHL Draft von den Edmonton Oilers gezogen wurde, muss sich erneut durch die Mühlen der Camps arbeiten, um sich wiederum einen Platz im NHL-Kader zu sichern. Das erste Entwicklungscamp hat bereits begonnen.

Die Voraussetzungen sind aber etwas anders, sowohl bei ihm, als auch im Klub. Der Konkurrenzkampf in der kanadischen Großstadt hat zugenommen. Es herrscht Aufbruchstimmung.

Das Management hat sich in wesentlichen Teilen verändert und mit Peter Chiarelli wurde ein erfahrener Mann als General Manager verpflichtet, der schon die lange Zeit vor sich dahindümpelten Boston Bruins zu Stanley Cup Siegern gemacht hat.

Neuer Cheftrainer wurde der langjährige Coach der San Jose Sharks, Todd McLellan. Er hat das Team aus Kalifornien sehr erfolgreich gemacht, allerdings fehlte in den Playoffs der durchschlagende Erfolg.

„Ich glaube es ist großartig“, sagt Draisaitl zu diesen Veränderungen. „Ich glaube sie sind alle sehr erfahrene Leute und sie wissen wie sie eine Organisation oder Mannschaft am Laufen halten. Sie haben definitiv die richtigen Schritte unternommen.“

Das beschränkt sich nicht darauf, dass der erste Zug beim NHL Draft 2015 mit Connor McDavid effektiv eingesetzt wurde. Der 18-jährige Kanadier gilt als der beste Nachwuchsmann seit die Pittsburgh Penguins Sidney Crosby auswählten.

„Ich war begeistert, einen Spieler wie ihn zu bekommen, ist sehr begeisternd“, sagt Draisaitl. „Natürlich weiß ich, er ist ein Center und ich bin ein Center und es wird einen Wettkampf geben. Auf der anderen Seite sind wir beide jung und wir wollen beide hier her, aber das heißt nicht, dass wir nicht so etwas wie Freunde werden können.“

Nach der Verpflichtung des erfahrenen Mark Letestu und den sehr wahrscheinlich gesetzten Ryan Nugent-Hopkins und Anton Lander, steht nur noch eine weitere Centerposition zur Verfügung und die könnte McDavid und eben nicht Draisaitl gehören.

„Ich weiß das. Ich bin mir dessen vollkommen bewusst und das macht nur noch mehr Spaß“, sagt Draisaitl. „Es wird einen großen Konkurrenzkampf um die Plätze geben, aber ich möchte für mich werben und in diese Mannschaft kommen. Ich werde hart dafür kämpfen.“

Einen Plan B gibt es auch schon. Draisaitl hätte nichts dagegen auf den Flügel auszuweichen und dort sein bestes zu geben. „Ich wäre absolut damit einverstanden“, betont er. „Ich habe schon auf Außen gespielt und von daher weiß ich, wie man dort spielen muss. Es hätte für mich keine Bedeutung. So lange wie ich in der Mannschaft bin, taugt mir alles.“

Ein Wechsel könnte Draisaitl helfen, dauerhaft in der NHL Fuß zu fassen, nachdem er vergangene Spielzeit als Center der zweiten Reihe die Saison begonnen hatte, aber schnell feststellen musste, dass erfahrene Center auf der Gegenseite ihm das Leben sehr schwer machten. Nach nur zwei Toren und sieben Assists in 37 Spielen, verpflichteten die Oilers den damals 31-jährigen Center Derek Roy und schickten den gebürtigen Kölner zurück in den Juniorenbereich.

„Ich glaube es ist einfacher vom Center zum Außen zu werden, als anders herum“, erklärt Draisaitl. „Ich glaube man hat als Center ein bisschen mehr Verantwortung. Sehr viele Male bist du der Mann, der hinten den Verteidigern aushelfen muss und das kostet natürlich Kraft. Man hat diese Verantwortung nicht als Außenspieler, obwohl du natürlich genauso hart arbeiten musst wie ein Center. Es ist eine andere Rolle, aber ich weiß wie ich beide Seiten spielen kann und das ist gut so etwas vorweisen zu können.“

Wenn gleich Draisaitl Ende Dezember 2014 enttäuscht war, dass er zurück in den Juniorenbereich musste, weil er der Meinung war, dass es nach der Entlassung von Dallas Earkins als Trainer Mitte Dezember unter dem Neuen Todd Nelson besser für ihn gelaufen wäre, sieht er den Schritt im Nachhinein positiv.

„Es hat etwas gebraucht, es ist nie einfach“, sagt Draisaitl. „Ich war 19 Jahre alt und konnte den Traum leben. In diesem Alter in der NHL zu spielen, ist etwas ganz besonderes. Dann zurückgeschickt zu werden, trifft dich natürlich schon ein bisschen. Aber ich habe das Beste daraus gemacht. Ich habe es als Hinweis genommen, dass ich weiter an mir arbeiten muss und das war es, was ich in Kelowna versucht habe zu tun.“

In 32 Spielen der regulären Saison verbuchte er 19 Tore und 53 Punkte für die Kelowna Rockets in der Western Hockey League. Er fügte weitere zehn Treffer und 28 Punkte in den Playoffs hinzu und hatte so wesentlichen Anteil am Gewinn der WHL Meisterschaft seiner Farben und der damit verbundenen Qualifikation für den Memorial Cup. Er wurde jeweils wertvollster Spieler der WHL Playoffs und des Memorial Cup Turnieres, obwohl er mit den Rockets den Oshawa Generals im Finale unterlag.

„Der Memorial Cup war eine großartige Erfahrung“, schwämt Draisaitl. „Es ist eine große Eishockey-Bühne und wir sind wirklich knapp gescheitert. Aber auf der anderen Seite war es ein begeisterndes Turnier und das hat mir sehr geholfen.“

Dinge, die Draisaitl im vergangenen Jahr gelernt hat, muss er nun in die Tat umsetzen, um den neuen Trainerstab um McLellan von sich zu überzeugen. Das Gesamtpaket stimmt und der Sohn des ehemaligen Nationalspieler Peter Draisaitl fasst es gut in einen Satz zusammen. „Jetzt ist die Zeit für mich angebrochen zu zeigen, dass ich in der Lage bin dauerhaft ein NHL-Spieler zu sein.“

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