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NHL.com/de diskutiert über die aktuellen Regeländerungen

Die NHL hat im Sommer das Regelwerk angepasst. Unsere Autoren haben sich im Writer's Room damit beschäftigt

von NHL.com/de @NHLde

Während der Saison 2019/20 wird das Team von NHL.com/de jeden Samstag in der Rubrik "Writer's Room" wichtige Themen der Liga diskutieren und analysieren. In dieser Ausgabe: Die Auswirkungen der jüngsten Regelanpassungen.

Wie in jeder Offseason nahm die NHL auch in diesem Sommer einige Regeländerungen vor, um Schwächen auszumerzen und das Spiel attraktiver zu machen. Nachdem die General Manager sie genehmigt, das Board of Governors und das NHL Players' Association Competition Committee sie angenommen hatten, sind die neuen Regeln seit wenigen Tagen in der Anwendung.

Augenfällig sind insbesondere Modifizierungen der Coach's Challenge. Dieser wurde im Juni eine dritte Kategorie hinzugefügt. Trainer können jetzt Widerspruch nach einer nicht erfolgten Spielunterbrechung in der Offensivzone, die zu einem Tor geführt hat, erheben. Zuvor durften sie bereits bei Torwart-Behinderung und Abseits Einspruch einlegen.

Sollte der Puck das Zuschauernetz getroffen haben, der Puck illegal mit hohem Stock zu einem Teamkollegen im Angriffsdrittel gespielt worden sein, sollten Pucks, die aus dem Spiel waren, anschließend in der Offensivzone berührt werden, können die Trainer jetzt einschreiten. Gleiches gilt bei Handpässen.

Coach's Challenges werden zudem nicht mehr durch die Verfügbarkeit eines Timeout begrenzt, sondern es wird eine kleine Strafe wegen Spielverzögerung für jeden Einspruch, der nicht gerechtfertigt war, verhängt.

Nach dem alten Reglement gab es nur eine kleine Strafe wegen Spielverzögerung nach einem ungerechtfertigten Einspruch bei Abseits.

Bei großen Strafen und Match-Strafen ist der Schiedsrichter ab sofort verpflichtet, sie auf dem Monitor oder Tablet zu überprüfen. Es steht in seinem Ermessen, die Entscheidung zu bestätigen oder auf eine kleine Strafe zu reduzieren. Komplett zurückgenommen werden darf die Strafe nicht.

Bei einer doppelten kleinen Strafe wegen hohen Stocks hat der Schiedsrichter nun den Ermessensspielraum diese zu überprüfen. Sollte sich herausstellen, dass es nicht der Stock des bestraften Spielers war, kann der Schiedsrichter die Entscheidung widerrufen. In diesem Punkt hatte es in den vergangenen Stanley Cup Playoffs einige kontroverse Diskussionen gegeben.

 

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Wir haben die Meinungen der Redakteure von NHL.com/de zu den Regeländerungen zusammengetragen: 

Robin Patzwaldt: Ich finde es grundsätzlich gut, wie die NHL ihre Regeln ständig aktualisiert und damit auf Schwachpunkte reagiert. Vergleicht man die Handhabung mit der in der Fußball-Bundesliga, wo seit Einführung des Videoassistenten eine ständige Diskussion herrscht, läuft es in der NHL seit Jahren geradezu ideal. Dass es keine hundertprozentige Perfektion geben kann, ist selbstverständlich. Das Spiel entwickelt sich ständig weiter, die Liga reagiert auf diese Tendenzen und die technischen Neuerungen. Über einzelne Details mag man streiten, aber die Grundrichtung passt. Das würde ich mir beim Fußball auch wünschen. Aber dort kann man von diesen Strukturen und der großen Akzeptanz bisher leider nur träumen.

Stefan Herget: Naja Robin, Fußball und Eishockey sind nicht unbedingt miteinander vergleichbar, aber auch ich finde es in der NHL richtig und konsequent, dass die Fehler von den Schiedsrichtern, die in den Playoffs 2019 passiert sind, wo sie teilweise klare Sachen übersehen haben, konsequent aufgearbeitet wurden und das Regelwerk für den Videobeweis entsprechend geändert wurde. Die Regelung, wonach es eine Strafzeit gibt, wenn falsch moniert wurde, halte ich für gut, um die Videobeweise nicht überhand nehmen zu lassen. Eine solche Regelung würde ich mir auch im Fußball wünschen, dass die Trainer für eine Überprüfung intervenieren müssten und es nicht automatisch in einem Video-Room gemacht wird. Es würde vieles vereinfachen und es würde nicht jedes Abseits um ein paar Millimeter überprüft werden. Aber zurück zur NHL: Die Liga macht es meiner Meinung nach richtig und gibt den Schiedsrichtern im immer schneller werdenden Spiel die entsprechende Unterstützung und verunsichert sie nicht dadurch, dass ihnen ständig jemand über den Funk in ihre Spielleitung hineinquatscht.

Christian Göbel: Aus meiner Sicht handelt es sich bei den genannten Anpassungen um ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite wird sichergestellt, dass die Entscheidungen auf dem Eis korrekt und angemessen sind. Das ist natürlich im Sinne der Fairness und des Sports. Aufgrund der Spielgeschwindigkeit ist es für die Schiedsrichter wichtig, sich der verfügbaren Hilfsmittel bedienen zu können. Die andere Seite der Medaille liegt jedoch in der möglichen Verwirrung der Zuschauer bei vielen Entscheidungen per Video. Hier könnte es schnell passieren, dass besonders die Fans in den Arenen nicht wissen, welche Situation überprüft wird. Durch die Erklärungen der Schiedsrichter direkt auf dem Eis wird dies jedoch voraussichtlich vermieden. Diese Art der Kommunikation ist im Sport in Nordamerika üblich und würde auch in europäischen Ligen Vorteile mit sich bringen.

Christian Rupp: Ich stimme Stefan zu: Die NHL unternimmt viel, um auf die Entwicklungen im Eishockey zu reagieren. Dabei werden Schlupflöcher geschlossen und Fehler schnellstmöglich korrigiert. So wurde etwa nur wenige Wochen nach dem eigentlich irregulären Handpass-Tor der San Jose Sharks im Western-Conference-Finale gegen die St. Louis Blues eine Anpassung beim Videobeweis vorgenommen. Damals konnten die Schiedsrichter die Entscheidung laut Regelbuch schlichtweg nicht nachprüfen. Menschen machen Fehler - diese sollen mit Einsatz von Technik aber minimiert werden, ohne dabei den Spaß, die Dynamik und die Natur im Eishockey zum Beispiel durch zu viele Unterbrechungen negativ zu verändern. Eigentlich ein Drahtseilakt - doch in meinen Augen weiß die NHL diese Balance gekonnt zu meistern.

 

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Axel Jeroma: Ich oute mich jetzt mal als Traditionalist. Die bestehenden Regeln für die Coach's Challenge in der NHL fand ich vollkommen ausreichend. Ich befürchte, dass es durch die Erweiterung vor allem in den Playoffs zu weit mehr Trainereinsprüchen kommt als bislang und manche Szenen unnötigerweise bis ins kleinste Detail seziert werden. Das Damoklesschwert Zeitstrafe für eine unberechtigte Intervention hin oder her. Wenn es Spitz auf Knopf steht, werden die Trainer jede sich bietende Gelegenheit nutzen, um ein Gegentor überprüfen zu lassen. Ob das wirklich dem Spiel dient und es gerechter macht? Ich wage das zu bezweifeln, zumal weiterhin viel Ermessensspielraum bei den Schiedsrichtern liegt. Und die machen nun mal den ein oder anderen Fehler, weil sie Menschen sind und keine Roboter. Genauso wie die Spieler übrigens. Fehlentscheidungen und Fehlpässe gehören eben zum Eishockey, sage ich als hoffnungslos romantischer Traditionalist. 

Christian Treptow: Es ist grundsätzlich zu begrüßen, dass die NHL die immer besser werdenden technischen Möglichkeiten nutzt und damit auch bessere Entscheidungen auf dem Spielfeld getroffen werden. Doch wo ist die Grenze? Die Trainer haben die Möglichkeit, immer mehr Entscheidungen überprüfen zu lassen. Das ist für den einfachen Fan auf der Tribüne irgendwann nur noch schwer nachzuvollziehen. Meine Hoffnung ist, dass sich die Challenges durch die Androhungen von kleinen Strafen selbst regulieren. Kein Coach wird wohl darauf aus sein, sein Team drei- oder viermal mehr in Unterzahl spielen zu lassen. Ja, es ist gut, dass das Regelwerk permanent angepasst wird. Und es ist natürlich auch gut, dass irregulär erzielte Tore nicht zählen. Da ist man im Eishockey generell weiter als im Fußball. Allerdings müssen die Änderungen weiter permanent einer Prüfung unterzogen werden. Und sollte sich eine Änderung als dem Spiel nicht dienlich erweisen, sollte man auch keine Hemmung haben, sie wieder zurückzunehmen. 

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