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Die Schweizer-Auswahl überzeugte bei der IIHF-WM

Um die Zukunft des Eishockeysports in der Alpenrepublik muss einem nicht bange sein

von Bernd Rösch @nhlde / NHL.com/de Chefautor

Wilhelm Tell war gestern, die neuen Nationalhelden und Scharfschützen der Schweizer heißen Sven Andrighetto, Enzo Corvi und Nino Niederreiter. Wie vor über 700 Jahren Tells Sohn Walter, der seinem Vater vertraute, dass dieser den Apfel treffen werde, den ihm der habsburgische Vogt auf dem Kopf gesetzt hatte, behielt auch Goalie Leonardo Genoni die Ruhe und die Nerven, als die Schweden einen Angriff nach dem anderen auf seinen Kasten fuhren.

Wer hatte nicht schon den Puck im Netz zappeln sehen, als 20 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit der schwedische Verteidiger Mattias Ekholm beim Stande von 2:2 alleine auf Genoni zulief? Doch was kümmerte das den 31-jährigen Schlussmann des SC Bern, er hielt stoisch die Position und seine Eidgenossen im Spiel.

 

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Ihr hehres Ziel war nicht der Freiheitskampf gegen eine Willkürherrschaft, sondern der Gewinn der IIHF Eishockey-Weltmeisterschaft 2018 gegen eine der ganz großen Eishockeynationen, die ohne Niederlage durch das Turnier marschiert ist, und am Ende mit einem 3:2-Sieg nach Penaltyschießen einen ebenso würdigen Weltmeister stellte.

Im letzten Akt von Schillers Drama tritt Tell in den Hintergrund, andere setzen seinen Kampf fort. Auch das Schweizer Eishockey wird sich weiter positiv entwickeln und seine Kufenkünstler vom Sonntag werden einen großen Anteil daran haben. 

Ab Mitte der 80er Jahre galt gut zehn Jahre lang die Schweizer Nati als Fahrstuhlmannschaft zwischen den A- und B-Weltmeisterschaften. Erst seit dem Jahre 1998 konnte sie sich ununterbrochen in der Top-Division des IIHF halten. Mittlerweile ist sie nicht nur dabei, sich unter den besten Acht zu etablieren, sondern greift die Top-6 an.

Tweet from @IIHFHockey: In the end, it all came down to a duel of goalies for Team Sweden (@trekronorse) and Team Switzerland (@swissicehockey). Take a look at the best moments from tonight's #IIHFWorlds Gold Medal Game. �� pic.twitter.com/elWQuu1FmI

Nach dem Gewinn der Silbermedaille 2013, damals unterlagen sie ebenfalls den Tre Kronors (1:5) im Endspiel, blieben weitere ganz große Erfolge aus, zweimal verpassten sie sogar den Einzug in das WM-Viertelfinale (2014, 2016). Doch in Bestbesetzung, wenn sie fast alle Nordamerika-Legionäre mit an Bord haben, sind sie jederzeit in der Lage für eine Überraschung zu sorgen. Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass sie nicht mehr weit davon entfernt sind, die Eishockeynation Tschechische Republik zu überholen.

Im diesjährigen Kader der Schweizer befanden sich 13 Spieler, die noch nicht älter als 25 Jahre sind, sieben von ihnen spielen bereits in Nordamerika. Ein Niederreiter, ein Andrighetto, ein Timo Meier, ein Mirco Mueller und ein Kevin Fiala stehen bei NHL-Teams unter Vertrag. Leistungsträger und Teamleader Roman Josi von den Nashville Predators hat ebenfalls noch nicht das 30. Lebensjahr vollendet und nimmt eine Vorbildfunktion für den Eishockey-Nachwuchs ein.

Besonders beeindruckte beim Turnierauftritt der SIHF-Auswahl, dass die Spieler aus der heimischen National League und jene aus Nordamerika sich nahtlos zusammenfügten. Alle hatten sie das Spielsystem verinnerlicht, zogen an einem Strang, waren Schlittschuhtechnisch perfekt ausgebildet und in der Lage das Spiel schnell zu halten. 

Zweifelt jemand daran, dass Corvi, 25, der es in den zehn WM-Partien auf vier Tore und fünf Assists brachte, nicht auch einem NHL-Team gut zu Gesicht stehen würde. Ein Joel Vermin (3 Tore, 3 Assists), 26, versprühte so viel Spielfreude, dass man sich verwundert fragen muss, warum ihm im vergangenen Sommer von den Tampa Bay Lightning kein Angebot für einen Ein-Wege-Vertrag unterbreitet wurde.

Aus der Silbermedaillen-Mannschaft von 2013 standen noch sechs Spieler im diesjährigen Aufgebot der Nationalmannschaft. Lehnt man sich zu weit aus dem Fenster, wenn man behauptet, dass beim nächsten Medaillengewinn der Schweizer mehr als ein halbes Dutzend, der am Sonntag mit Silber ausgezeichneten Eishockey-Cracks, dabei sein werden?

Die Schweiz ist für einiges weltweit berühmt: Wo gibt es leckereres Fondue, wessen (analoge) Uhren laufen präziser, wer hat ein umfänglicher ausgebautes Eisenbahnnetz und in welchem Staat genießen die Bürger so weitgehende direkte Volksrechte?

Wird man in ein, zwei Dekaden zusätzlich die Frage stellen, wo spielt man auf dem europäischen Kontinent besseres Eishockey?

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