Skip to main content

Der unglaubliche Weg der Blues zum Stanley Cup

St. Louis kämpfte sich vom letzten Platz der Liga zum ersten Titel der Franchise-Geschichte

von Alexander Gammel @NHLde / NHL.com/de Autor

Als Fan macht man viel mit, man durchlebt mit seiner Mannschaft immer wieder die Euphorie der großen Erfolge, aber auch die bittersten Enttäuschungen. Diese Achterbahnfahrt taten in dieser Saison besonders die St. Louis Blues ihren Anhängern in extremer Art und Weise an, so dass es in Missouri den Umsatz von Blutdruckmitteln in die Höhe getrieben haben dürfte.

Am Mittwoch belohnte das Team sich selbst und seine treuen Gefolgsleute mit dem größten Erfolg der Klubgeschichte, dem Gewinn des Stanley Cups in Spiel 7 des Finales.

Dieser Saison-Ausgang, der erste Titelgewinn ihrer Franchise-Geshichte, schien zwischenzeitlich so gut wie unmöglich. Vor einem halben Jahr hatte niemand, wohl nicht einmal die Blues selbst, damit gerechnet, dass sie auch nur die Playoffs erreichen würden. Die Blues starteten katastrophal in die Saison und holten in den ersten neun Partien sieben Punkte bei nur zwei Siegen.

 

[Hier findest du alles über die BOS-STL Serie]

 

"Das ist zum Kotzen", fand Stürmer Vladimir Tarasenko nach der Niederlage im neunten Spiel damals deutliche Worte. Zuvor hatten sich die Spieler 23 Minuten lang zur Aussprache in der Kabine eingeschlossen, ehe sie vor die Presse traten. "Wäre mein Englisch besser, könnte ich dazu mehr sagen, aber nicht viel. Es fühlt sich schlecht an, das unseren Fans anzutun... ich will mich einfach bei unseren Fans entschuldigen, die uns unterstützen. Nach solchen Spielen fühle ich mich weiter schlecht."

Die Blues gewannen zwar vier der nächsten fünf Partien, das war jedoch nur ein kurzes Zwischenhoch, auf das die nächsten Rückschläge folgten. Nach weiteren Niederlagen, einer Bilanz von 17 Punkten (7-9-3) aus 19 Spielen und unter anderem drei torlosen Spielen in vier Auftritten, trennten sich die Blues, auf dem vorletzten Tabellenplatz stehend, am 19. November schließlich von Trainer Mike Yeo und setzten auf seinen Assistenten Craig Berube. Das Ergebnis der Maßnahme war zunächst ernüchternd. Bis Neujahr rutschten die Blues mit einer Ausbeute von 34 Punkten (15-18-4) aus 37 Spielen auf den letzten Platz aller 31 NHL-Teams ab.

Dann kam der große Wandel. Ab dem 3. Januar war die Mannschaft kaum mehr wiederzuerkennen. Bereits im Januar verbesserten sie sich gewaltig und holten 62,5 Prozent der möglichen Punkte, im Vergleich zu 45,9 Prozent in den vorherigen Monaten. Am 23. Januar verabschiedeten sie sich mit einem 5:1-Sieg gegen die Anaheim Ducks in eine neuntägige Pause rund um das All-Star-Wochenende. Die Bedeutung dieses Auswärtssieges war zu diesem Zeitpunkt wohl niemandem wirklich klar. Offensichtlich gut erholt kehrten die Blues am 2. Februar aus der Pause zurück und bauten mit einem 4:2-Sieg gegen die Columbus Blue Jackets auf den vorherigen Erfolg auf. Daraus entstand mit elf Siegen in Folge die längste Serie der Franchise-Geschichte. Mit dem elften gewonnenen Zweier war das undenkbare Comeback Realität geworden, die Blues standen auf dem dritten Platz der Central Division und damit auf einem sicheren Playoff-Platz.

Zwischen Anfang Januar und dem Ende der regulären Saison sollten die Blues mit 65 Punkten (30-10-5) in 45 Spielen das erfolgreichste Team der Liga sein und ihren dritten Platz in der Division halten. Mental gestärkt durch die Aufholjagd ging das Team mit breiter Brust in die Playoffs.

"Unsere Spieler haben aus der Situation und dem Kampf, den wir durchmachten mussten, um in die Playoffs zu kommen, gelernt", erklärte Trainer Craig Berube nach dem fünften Spiel im Finale gegen die Bruins. "Ich habe Januar und Februar unser Restprogramm angeschaut und das sah schon hart aus. Unsere Spieler sind aber gut damit fertig geworden und haben gelernt mit widrigen Umständen zurechtzukommen. Das muss man als Sportler die ganze Zeit, während dem Spiel, nach dem Spiel, das haben unsere Jungs gut gemacht. Wir hatten gute Anführer und einen starken Charakter als Team."

In den Playoffs wurde es nicht einfacher für die Blues, sie kamen in keiner Serie mit weniger als sechs Spielen aus. In der zweiten Runde standen sie gegen die Dallas Stars nach fünf Spielen mit einem 3:2-Rückstand kurz vor dem Aus. Mit Nerven aus Stahl und einem beinahe unmenschlich auftretenden Rookie-Torwart Jordan Binnington, der bereits an der Aufholjagd in der regulären Saison maßgeblich beteiligt gewesen war, gewannen sie die folgenden Spiele (4:1, 2:1) und drehten die Serie. Im Conference-Finale gegen die San Jose Sharks gerieten die Blues in den ersten drei Auftritten zwei Mal in Rückstand, kämpften sich aber zurück und holten in den Spielen vier bis sechs souverän drei Siege in Folge.

Im Finale waren die Siege vielleicht nicht so eindeutig wie das 5:0 und das 5:1 in den beiden letzten Begegnungen mit den Sharks, der Verlauf der Serie bewies jedoch die Qualität der Blues. Mit dem Sieg in Spiel sieben bewiesen sie vor allem die Qualität, die sie überhaupt erst in die Playoffs brachte, die Fähigkeit sich jederzeit zurückzukämpfen und nie aufzugeben.

Die Mannschaft sorgte in der Saison 2018/19 für Rekorde und historische Momente, die unglaublicher sind als mancher Hollywood-Film und belohnte ihre Fans am Ende für ihre Treue in den schwierigen Zeiten mit der größten Freude, die ein Team seinen Anhängern bereiten kann, dem Gewinn des heiligen Grals des Eishockeys.

Mehr anzeigen

Die NHL verwendet Cookies, Web Beacons und andere ähnliche Technologien. Durch die Nutzung der NHL Websites oder anderer Online-Dienste stimmen Sie den in unseren Datenschutzrichtlinien und Nutzungsbedingungen beschriebenen Praktiken einschließlich unserer Cookie-Richtlinien zu.