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Dieser Ausgang des Finales ist für die Ewigkeit

Die St. Louis Blues und die Boston Bruins werden für lange Zeit an dieses Saisonende zurückdenken

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Was für ein Drama! Zum achten Mal in den vergangenen 25 Jahren fiel die Entscheidung in einem Stanley Cup Finale in einem alles entscheidenden siebten Spiel. Am Mittwochabend (Ortszeit) waren es die St. Louis Blues, die durch einen deutlichen 4:1-Erfolg im TD Garden der Boston Bruins, die Entscheidung zu ihren Gunsten herbeiführten, die Serie mit 4:3-Siegen für sich entschieden und dadurch als Stanley Cup Champions in die Sportgeschichte eingingen.

In einem Spiel, in dem es sportlich um alles geht, nach einer langen und intensiven Spielzeit die Nerven zu behalten, ist eine Herausforderung für die es keine Steigerungsmöglichkeit gibt. Die Blues haben sie auf beeindruckende Art und Weise gemeistert und werden sich für immer an diesen herrlichen Abend erinnern.

Alexander Steen schwärmte nach der Cupübergabe gegenüber NHL.com/de: "Das war wirklich surreal heute. Ich bin so stolz auf unsere gesamte Gruppe. Wir haben allen Widerständen getrotzt und sind reich dafür belohnt worden. Ich kann gar nicht genug positive Worte über diese Jungs finden. Es ist unglaublich, dass wir es tatsächlich geschafft haben. Wir hatten schwierige Zeiten zu überstehen, haben aber immer an uns geglaubt."

Video: STL@BOS, Sp7: Blues gewinnen erstmals Stanley Cup

Auf der Gegenseite müssen die Spieler der Bruins fortan mit diesem herben Rückschlag leben. Bostons Stürmer Brad Marchand brachte es sehr anschaulich auf den Nenner: "Der Spielausgang wird immer mit deinem Leben verbunden bleiben, egal ob du gewonnen oder verloren hast."

St. Louis' Torhüter Jordan Binnington, der einmal mehr mit 32 Rettungstaten überzeugte, wird diesen Tag demnach ebenso auf ewig mit viel Freude und Stolz verbinden, wie seine Teamkameraden Alex Pietrangelo, Ryan O'Reilly, Brayden Schenn, oder auch Zach Sanford, die in Spiel 7 für die Tore des Titelträgers 2019 verantwortlich zeichneten und entscheidend dafür sorgten, dass das Team aus St. Louis erstmals seit seinem Ligaeintritt zur Saison 1967/68 als Stanley Cup Sieger in die Sommerpause gehen kann.

Binnington strahlte ob der bestandenen Reifeprüfung: "Du weißt als Spieler ja nicht, wie viele dieser Möglichkeiten du im Laufe deiner Karriere bekommst. Da gilt es dann die Chance zu ergreifen, wenn sie sich bietet. Das haben wir heute geschafft. Ich bin stolz auf diese Mannschaft, die ein ganz besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl hat."

Video: STL@BOS, Sp7: Binnington hält Bruins torlos im 1.

"Ein schier unglaubliches Jahr. Mir fehlen einfach die Worte", freute sich unmittelbar nach der Schlusssirene im TD Garden.ein sichtlich aufgewühlter Kapitän Pietrangelo, dessen Team noch Anfang des Kalenderjahres ganz am Ende in der NHL-Tabelle zu finden war.

Er und seine Teamkameraden haben den ultimativen Test, die Nervenprobe in einem alles entscheidenden Spiel um den Titel, mit Bravour gemeistert, trotz eines deutlichen Vorteils für den Gegner in Sachen abgegebener Torschüsse (23:10 in den ersten beiden Spieldritteln).

Carl Gunnarsson betonte, dass die Mannschaft bis zum Schluss immer an sich geglaubt habe: "Alle Jungs haben geliefert. Das war perfekt. Natürlich war es hart das Spiel sechs daheim zu verlieren, doch wir wussten, dass wir es auch auswärts schaffen können. Wir sind nach Rückschlägen in dieser Saison immer wieder zurückgekommen, heute wieder."

Eine Einschätzung, die Oskar Sundqvist teilte: "Ein Spiel sieben in einem Stanley Cup Finale ist natürlich das größte und wichtigste Spiel in meiner bisherigen Karriere. Es gibt keine größere Bühne für einen Eishockeyspieler. Darüber haben wir in der Kabine vor dem Spiel miteinander gesprochen. Das war die größtmögliche Motivation."

Routinier Jay Bouwmeester ergänzte gegenüber NHL.com/de: "In dieser Liga wird dir nichts geschenkt. Wir haben uns gegen alle Wahrscheinlichkeiten über Monate hinweg durchgekämpft und haben diese Runde für uns zu einer historischen gemacht."

 

[Hier findest du alles über die BOS-STL Serie]

 

Konträr war hingegen die Gefühlslage nach dem Drama in Boston. Die Möglichkeit den Stanley Cup durch einen einzigen weiteren Heimsieg vor den eigenen Fans gewinnen zu können, gibt es in einem Sportlerleben nicht allzu häufig.

Wenn ein Spieler diese dann gemeinsam mit seinen Mannschaftskameraden vertan hat, dann ist das ein niederschmetterndes Erlebnis, das man für den Rest seines Lebens nur schwer verdauen kann. Es stellt einen extrem bitteren Einschnitt in der Karriere dar, weil der große Triumph schon dermaßen nah, scheinbar leicht greifbar schien.

Tuukka Rask, der erstmals seit dem 17. April in einem Spiel wieder mehr als drei Gegentore kassierte, wird sich fortan darüber ärgern müssen, dass dies ausgerechnet im wichtigsten Spiel des Saison, ja vielleicht sogar seines Lebens passiert ist.

Es ist verständlich, dass auch Bruins-Trainer Bruce Cassidy nach der Schlusssirene im Pressegespräch erst einmal ziemlich niedergeschlagen wirkte: "Unsere Gruppe war menschlich sehr eng beieinander. Deshalb sind wir überhaupt so weit gekommen. Aktuell fehlen mir etwas die Worte. Wir müssen uns jetzt bestmöglich wieder aufrichten und das Erlebte erst einmal verarbeiten."

Gerade diese ungewöhnliche Tragweite ist es, die die besondere Faszination dieser Art der Entscheidungsfindung ausmacht. Auf beiden Seiten des Eises.

Die Blues haben am Mittwoch gezeigt, dass sie wahrhaft große Champions sind. Die Bruins werden sich, obwohl sie eine tolle, eine begeisternde KO-Phase hinter sich haben, über dieses Spiel maximal grämen, dieser Chance auf ewig hinterhertrauern.

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