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Die Schachzüge von Detroit GM Ken Holland

von Bernd Roesch / NHL.com

Die Schönheit von Detroit, der größten Stadt in Michigan, erschließt sich dem Besucher nicht auf dem ersten Blick, auch beim zweiten Hinschauen bleibt einem Liebenswertes zunächst verborgen. Für manchen Reisenden, den es an die Stadt am Detroit River verschlagen hat, sind die Detroit Red Wings der Grund seines Besuches. In keiner anderen Stadt der USA wird schon über ein Vierteljahrhundert hinweg, so gut Eishockey gespielt, wie in der ehemaligen Autoindustriehochburg Detroit.

Seit 1990 qualifizierten sich die Red Wings 25 Mal ohne Unterbrechung für die Stanley Cup Playoffs, schlossen 14 Mal ihre Division als Tabellenerster ab, wurden sechs Mal Conference Champion und wurden vier Mal Stanley Cup Sieger (1997, 1998, 2002, 2008). Keine andere Mannschaft in der NHL war seit den 90er Jahren erfolgreicher als die Franchise aus Motown.

Ihrem Erfolg tat es auch keinen Abbruch als nach dem Lockout 2004/05 in der NHL eine Gehaltsobergrenze (Salary Cap) für die Teams eingeführt wurde - was keine Selbstverständlichkeit ist. Fragen sie einmal bei den Colorado Avalanche, Detroits großen Rivalen aus der Zeit von Mitte der 90er bis zu Beginn der Jahrtausendwende nach. Der zweifache Stanley Cup Champion (1996, 2001) aus Denver verpasste in den elf Jahren nach dem Lockout siebenmal die Playoffs und kam nur zweimal über die erste Runde hinaus.

In den vergangenen drei Spielzeiten war für die Red Wings jedoch auch bereits in der ersten Playoffrunde der Traum vom zwölften Stanley Cup Gewinn ausgeträumt. Für die sportliche Leitung, dem Management und den zahlreichen Fans der Red Wings war das enttäuschend. Man muss den Red Wings aber Anerkennung zollen. Sie haben es, wie kaum eine andere Mannschaft geschafft, über viele Jahre hinweg Abgänge von wertvollen Spielern zu kompensieren. Das Management der Red Wings musste auch nach dem Karrierende eines Steve Yzerman oder eines Niklas Lidstrom nicht von Null beginnen, sondern sie hatten schon in den Jahren zuvor dafür gesorgt, dass ein adäquater Ersatz in den Kader integriert wurde.

Auch für schwer kalkulierbare Widrigkeiten, wie dem Wunsch von Pavel Datsyuk in seiner Heimat Russland spielen zu wollen und er damit einhergehend seinen Vertrag nicht erfüllen wird, hatte General Manager Ken Holland beim NHL Draft 2016 eine Lösung parat. Die Arizona Coyotes übernahmen Datsyuk's US$ 7,5 Millionen Vertrag, bekamen zusätzlich Detroits Erstrundenzug Nummer 16 und gaben hierfür ihre Züge 20 und 53 sowie Stürmer Joe Vitale ab, dessen $3,350 Millionen schwerer 3-Jahres Vertrag zum Ende der Saison 2016/17 ausläuft.

Das war ein ebenso genialer Schachzug von Holland wie die Verpflichtung des österreichischen Stürmers Thomas Vanek, der von den Minnesota Wild aus seinem 3-Jahresvertrag, der kommende Saison Minnesotas Salary Cap mit $6,5 Millionen belastet hätte, herausgekauft wurde. Der 32-jährige gebürtige Wiener einigte sich mit Holland auf einen Einjahresvertrag über $2,6 Millionen. Für dieses Geld bekommt Detroit einen erfahrenen Rechtsaußen, der in keiner Spielzeit seiner elfjährigen NHL-Karriere einen Punkteschnitt unter 0,5 vorwies.

Mit Darren Helm konnten die Red Wings einen hervorragenden 2-Wege Spieler weiterverpflichten (5 Jahre, 19,250 Mio.), den sie bereits 2005 in der fünften Runde (Nummer 132) gedraftet hatten und der wie Kapitän Henrik Zetterberg, Johan Franzen, Niklas Kronwall, Jonathan Ericsson und Justin Abdelkader beim letzten Stanley Cup Gewinn 2008 bereits in ihrem Kader stand. Mit Steve Ott, 33, (ein Jahr, $800.000) wird kommende Saison ein weiterer Kämpfer par excellence das rote Trikot mit dem geflügelten Rad überziehen.

Den größten Coup landete Holland mit Frans Nielsen. Der dänische Center war zuletzt ein Punktelieferant (15/16: 20 Tore, 32 Assists) für die New York Islanders gewesen, die ihn 2002 in der dritten Runde an 87. Stelle gedraftet hatten.

Kritiker werden jetzt wieder hervorheben, dass die Red Wings auf zu viele ältere Spieler setzen, übersehen dabei aber auch, dass in der vergangenen Saison mit Dylan Larkin ein erst 19-jähriger Stürmer ihr bester Torschütze (23 Tore) und drittbester Scorer (45 Punkte) war, dass der slowakische Rechtaußen Tomas Tatar (21T, 24A) ebenfalls erst 25 ist und mit Anthony Mantha, ihr Erstrundenpick (Nr. 20) vom NHL Draft 2013, nach einem Stammplatz greift. In zehn Einsätzen zum Ende der vergangenen Spielzeit waren dem 21-jährigen Rechtsaußen bereits zwei Tore und ein Assist geglückt.

Die Red Wings werden mit einer gesunden Mischung aus Veteranen und jungen Spielern in die Saison 2016/17 starten, mit ihnen wird wieder zu rechnen sein und ihre Playoffserie sollte auch im 26. Jahr ihre Fortsetzung finden.

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