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Die Rivalität zwischen den Flyers und Penguins

von Bernd Roesch / NHL.com

Im mit 20.092 zum Großteil in Orange gekleideten Zuschauern bis auf den letzten Platz ausverkauften Wells Fargo Center von Philadelphia herrscht Feierstimmung. Frenetisch werden die heimischen Philadelphia Flyers von ihren Fans gefeiert. Die Flyers haben eben die Pittsburgh Penguins mit 8-4 Toren deklassiert und liegen in der nach dem bisherigen Verlauf außergewöhnlichen Playoffserie mit 3-0 Siegen vorne.

Aufeinandertreffen zwischen rivalisierenden Teams schreiben immer besondere Geschichten. Nach Spiel 3 zwischen den Kontrahenten aus Pennsylvania auch historische. Noch nie haben die Philadelphia Flyers in den 45 Jahren ihrer Franchisegeschichte in drei Spielen einer Playoffserie 20 Tore erzielt. Noch nie gelangen den Flyers 16 Treffer in zwei aufeinanderfolgenden Partien und dies alles ausgerechnet gegen die Pittsburgh Penguins, dem Erzrivalen.

Als wahrer Prophet der Ereignisse hatte sich vor der ersten Begegnung schon Philadelphias Stürmer Scott Hartnell erwiesen, der sich dabei etwas martialisch ausdrückte: "Es werde viel Blut fließen und viele Tore fallen."

Die Tormaschinerie der Flyers läuft wie am Schnürchen und das zum rechten Moment. In allen bisherigen drei Partien gerieten die Flyers in Rückstand, dreimal ließen sie sich davon nicht beeindrucken, dreimal kamen sie zurück ins Spiel. Wenngleich es ihnen die Defensivabteilung der Penguins zu leicht und auch Pittsburghs Schlussmann Marc-Andre Fleury nicht immer den glücklichsten Eindruck machte, unumwunden viele ihrer Treffer erzielten die Flyers nach wunderschönen Kombinationen.

Wie entstand diese Rivalität zwischen den Penguins und den Flyers? Beide Teams aus Pennsylvania traten im Jahre 1967 der NHL bei. Sowohl bei den Flyers als auch bei den Penguins kamen viele ihrer Fans aus dem Arbeitermilieu und nicht zuletzt bürgen zahlreiche Aufeinandertreffen unter der regulären Saison, was dem Umstand geschuldet ist, dass sie in der gleichen Division antreten, für genügend Zündstoff.

In den ersten Jahren ihrer Teamhistorie war die Mannschaft aus der Stahlstadt Pittsburgh noch kein ernstzunehmender Gegner für die Flyers, die bereits Mitte der 70er Jahre zweimal den Stanley Cup gewinnen konnten.

Die alte Arena der Flyers, 'The Spectrum', erwies sich als uneinnehmbar für die 'Pens'. Zwischen dem 7. Februar 1974 und dem 2. Februar 1989 konnten die Penguins 42 Partien in Folge dort nicht gewinnen. Magere drei Unentschieden betrug ihre Ausbeute bei Auftritten in Philadelphia.

In den folgenden Jahren mit Mario Lemieux und Jaromir Jagr im Kader waren die Penguins die Nummer 1 im Staate Pennsylvania. Anschließend ging auch zweimal, 1991 und 1992, der Stanley Cup nach Pittsburgh. Nachdem die Penguins auch im Jahre 2009 zum dritten Mal den Titel holten, haben die Flyers hier Nachholbedarf. Im direkten Vergleich liegen sie klar vorne: Von insgesamt 255 Aufeinandertreffen hat Philadelphia 143 gewonnen, 30 Mal trennte man sich Unentschieden.

Die Flyers haben aber auch noch weitere Rechnungen offen. In den Playoffs der Jahre 2008 und 2009 trafen sie zuletzt auf die Penguins, jene Mannschaft, gegen die sie in ihrer Playoffgeschichte zuvor noch nie eine Serie abgegeben hatten. Diese beiden letzten Male zogen sie mit 1-4 beziehungsweise 2-4 Siegen den Kürzeren.

Mit körperbetonter Spielweise wollten sie dieses Jahr wieder dagegen halten und die Rechnung geht offenbar auf. Obwohl die Penguins ebenfalls schon beeindruckende zwölf Mal ins Schwarze getroffen haben, muss man sagen, dass dies eher dem Umstand geschuldet war, dass Ilya Bryzgalov, der Mann im Kasten der Flyers, manchen dieser Treffer wohl hätte verhindern müssen.

Pittsburghs russischer Stürmerstar Evgeny Malkin, immerhin Topscorer und zweitbester Torjäger der abgelaufenen Saison, konnte sich bisher im Abschluss nicht in Szene setzen.

Anders die Flyer Claude Giroux und Danny Briere, die aktuell die Playoff-Scorerliste der NHL gemeinsam anführen. Unter den ersten 14 Topscorern der Liga stammen 13 aus den Reihen von Philadelphia und Pittsburgh. Selbst wenn man berücksichtigt, dass noch nicht alle Mannschaften bisher drei Playoffpartien absolviert haben, eine beeindruckende Anzahl.

Gespannt darf man darauf sein, ob die Penguins noch einmal in die Serie zurückfinden werden. Einen 'Sweep', die Höchststrafe von 4-0 Niederlagen, werden sie auf alle Fälle verhindern wollen.

So legt auch Pittsburghs Teamkapitän Sidney Crosby sein Augenmerk auf die nächste Partie: "Ein Spiel gewinnen. Schlicht und klar ausgedrückt: Man kann nicht vier Partien auf einmal gewinnen sondern nur eine. Wir sind auf jeden Fall weiterhin gewillt zu siegen."

Dass die Penguins am Ende doch noch in das Conference-Halbfinale einziehen werden, das glauben wohl nur wenige. Doch wer weiß, Derbys schreiben Geschichten und manchmal auch historische.

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