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Die Penguins und Wild buhlen um Matt Cullen

von Axel Jeroma / NHL.com

Es war ein besonderer Augenblick, den die Fotografen nach dem Finale um den Stanley Cup 2016 für die Ewigkeit dokumentierten: Wuchtig stemmte Matt Cullen die 20 Kilo schwere Trophäe bei der Siegerehrung in die Höhe und blickte mit einem verklärten Lächeln auf all die Namen, die auf dem Sockel verewigt sind. Sein eigener ist nach dem Triumph mit den Pittsburgh Penguins bereits zum zweiten Mal eingraviert. 2006 hatte er den Pokal bereits mit den Carolina Hurricanes gewonnen.

Womöglich hat sich der 39-jährige Center just in diesem Moment vollkommener Glücksseligkeit dazu entschlossen, seine überaus erfolgreiche Karriere noch ein Jahr fortzusetzen. Wenige Tage später machte er sein Ansinnen publik und eröffnete damit Spekulationen um seine Person. Seit 1. Juli ist er Free Agent und daher an keinen Verein gebunden. Die Penguins würden ihn dem Vernehmen nach gerne weiter in ihren Reihen haben. Aber auch die Minnesota Wild bekunden ernsthaftes Interesse.

Für die Wild trifft es sich gut, dass Cullen demnächst mit dem Stanley Cup im Schlepptau nach Minnesota aufbrechen wird. Genauer gesagt in die 40.000-Einwohner-Stadt Moorhead, wo der Angreifer aufgewachsen ist und inzwischen als ihr berühmtester Sohn verehrt wird. „Ich bringe den Cup heim zu meinen vielen Freunden“, sagte Cullen nach der entscheidenden Partie bei den San Jose Sharks. Eine Geste, mit der er die große Zuneigung der Menschen im „State of Hockey“ erwidern will.

Dass der Stanley Cup als Retoure zurück nach Pittsburgh muss, ist den Sympathisanten der Wild klar. Matt Cullen dagegen wollen sie behalten – oder besser gesagt: wiederbekommen. Der Routinier trug bereits von 2010 bis 2013 das grüne Leibchen des Klubs aus St. Paul. Sein Weggang kam nach dem Geschmack der Fans viel zu früh. Cullen fiel seinerzeit dem Salary Cap zum Opfer und wechselte zu den Nashville Predators.

Die Verantwortlichen der Wild dürften sich jedoch nicht nur aus Sentimentalität bei Cullen erkundigt haben, ob er seine Karriere gerne in Minnesota ausklingen lassen möchte. Auch aus sportlichen Gesichtspunkten stünde dem Kader der Franchise ein weiterer routinierter Center gut zu Gesicht - trotz der Verpflichtung von Eric Staal von den New York Rangers. Wie zuletzt bei den Penguins könnte Cullen bei den Wild in der vierten Reihe mit jungen Spielern an seiner Seite als Angriffsführer agieren.

Wie gut er sein Handwerk nach wie vor versteht, beweisen die Statistiken aus der zu Ende gegangenen Saison. In 82 Hauptrunden-Partien erzielte Cullen 16 Tore und 32 Punkte. Außerdem gewann er über 55 Prozent seiner Bullys. In den Playoffs kamen sechs weitere Punkte (vier Tore, zwei Vorlagen) hinzu. In den 1294 Hauptrunden-Partien seiner gesamten NHL-Laufbahn schoss er 235 Tore und gab 423 Vorlagen.

Obwohl es beim amtierenden Champion einige Angestellte gibt, die mit noch eindrucksvolleren Leistungsnachweisen aufwarten, wollen die Penguins-Verantwortlichen, dass der allseits geschätzte Cullen seine 20. NHL-Saison in ihrem Dress bestreitet. „Matt ist ein großer Spieler. Ich bin froh, dass er sich zum Weitermachen entschlossen hat. Das war definitiv die richtige Wahl. Er hat noch genügend Sprit im Tank“, äußerte sich Assistent General Manager Bill Guerin vielsagend.

Der Grund dafür, dass es mit Cullen bis dato nicht zu einer Vertragsverlängerung gekommen ist, dürfte erneut finanziellen Zwängen hinsichtlich des Salary Cap geschuldet sein. Scheinbar ist es General Manager Jim Rutherford noch nicht gelungen, die Vorrausetzungen zu schaffen, um Cullen ein unterschriftsreifes Arbeitspapier vorzulegen. Der Stürmer selbst, verlautet aus Insiderkreisen, wolle dem Management der Penguins dafür weiter Zeit einräumen. Cullen und Rutherford kennen und schätzen sich seit ihrer gemeinsamen Zeit bei den Hurricanes, die vor zehn Jahren im Gewinn des Stanley Cup gipfelte. Einen Coup, den beide nun mit Pittsburgh wiederholten.

Bis zur endgültigen Entscheidungsfindung über seine Zukunft wird Cullen den süßen Erfolg vom Juni weiter auskosten. „Es war schon eine spezielle Saison, für die ich sehr dankbar bin“, meinte er nach dem letzten Match. Nun wolle er erst einmal viel Zeit mit der Familie und seinen Freunden verbringen. Gut möglich, dass bei diesen Zusammenkünften die Fotos von einem glücklichen Matt Cullen die Runde machen, wie er mit verklärtem Lächeln den Stanley Cup im SAP Center in San Jose in die Höhe stemmt.

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