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Als nächstes Ziel Vorherrschaft aufbauen

Mehrmals den Stanley Cup zu gewinnen ist äußerst diffizil. Können die Capitals ihre Dominanz bestätigen?

von Bernd Rösch @NHLde / NHL.com/de Chefautor

Ein Dutzend der 31 NHL-Teams haben ihn noch nie gewonnen, weitere sechs durften ihn zumindest einmal mit nach Hause nehmen und drei noch existente Franchisenehmer, die Philadelphia Flyers (1974, 1975), die Colorado Avalanche (1996, 2001) und die Los Angeles Kings (2012, 2014), wurden in ihrer Klub-Geschichte zweimal Stanley Cup Champion.

Die Zeiten, in denen eine Mannschaft in der Lage war mindestens zweimal in Folge seinen Titel zu verteidigen, sind schon lange vorbei. Drei Stanley Cup Siege hintereinander feierten in der über 100-jährigen NHL-Historie nur die Toronto Maple Leafs (1947-49, 1962-64), die Montreal Canadiens (1956-60, 1976-79) und die New York Islanders (1980-83). Zweifelsohne dominierten auch die Edmonton Oilers mit ihren fünf Titelgewinnen zwischen 1984 und 1990 den Kampf um die Trophäe und nahmen in dieser Zeitspanne eine Vormachtstellung ein, für die im Englischen gerne das Wort 'Dynastie' verwendet wird.

Nach der Einführung eines Salary Cap (Gehaltsobergrenze) zur Spielzeit 2005/06 schien es schier unmöglich, dass der Cup dreimal in Folge oder zumindest dreimal in vier Jahren an das gleiche Team geht, so dass schon von einer 'modernen Dynastie' gesprochen werden darf, sobald im Schnitt alle zwei Jahre dasselbe Franchise dreimal den Sieger stellt.

 

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Geglückt ist dieses Vorhaben in der Post-Salary-Cap-Ära nur den Chicago Blackhawks (2010, 2013, 2015). Die goldenen Tage der Blackhawks, die sich 2017/18 nicht einmal mehr für die Stanley Cup Playoffs qualifizieren konnten, scheinen vorüber. Zwei Teams stehen in den Startlöchern als nächste Dynastie in die Geschichtsbücher einzugehen.

Da wären zum einen die Pittsburgh Penguins, die 2016 und 2017 als erste Mannschaft seit 19 Jahren (Detroit Red Wings: 1997, 1998) in aufeinanderfolgenden Spielzeiten Meister wurden und denen zuzutrauen war, dass ihnen das erneut 2018 gelingen würde und zum anderen der frisch gekürte Stanley Cup Champion, die Washington Capitals.

Ist der wunschgemäße Verlauf eines solchen Unterfangens wahrscheinlich?

Beide Mannschaften geben schon seit über einem Jahrzehnt den Ton in der NHL an, einhergehend mit dem Zugang von zwei jungen Ausnahme-Talenten, die sich zu den besten Eishockeyspielern der Welt entwickelt haben - Sidney Crosby und Alex Ovechkin.

Die Penguins zogen zwölf Mal in Folge in die Playoffs ein, den Capitals gelang dies im gleichen Zeitraum zehn Mal, wobei sie sich acht Mal als Erster ihrer Division, zunächst der Southeast und ab 2013 der Metropolitan, für die Postseason qualifizierten. Viermal schloss Washington die Eastern Conference als punktbestes Team ab.

Pittsburgh war in der regulären Saison nicht ganz so vorherrschend wie der Rivale aus der US-Hauptstadt. In der verkürzten Saison 2012/13 belegten die Penguins den ersten Platz im Osten und weitere zweimal standen sie in ihrer Division ganz oben. Erfolgreicher waren die Penguins hingegen in der Postseason, in der sie fünfmal die ersten zwei Runden überstanden, viermal in einem Stanley Cup Finale standen und dreimal den Titel holten. Die Capitals beendeten ihre Playoff-Misere, während der sie neunmal nicht über die zweite Runde hinauskamen, erst in diesem Jahr.

Bei Teams, die über eine solche lange Zeit, das Geschehen in der Liga bestimmen, nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, dass demnächst wieder magere Jahre auf sie zukommen werden.

Wie lange bleibt das Erfolgsfenster der Penguins und Capitals noch offen?

 

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Die fünf besten Stürmer der Capitals in der abgelaufenen Saison, Ovechkin, Evgeny Kuznetsov, Nicklas Backstrom, T.J. Oshie sowie Lars Eller werden Washington auch kommende Spielzeit wieder zur Verfügung stehen. Ovechkin, 32, Backstrom, 30, und Oshie, 31, haben aber auch schon das 30. Lebensjahr überschritten. Verteidiger John Carlson mit 15 Toren und 53 Assists Washingtons offensivstärkster Verteidiger wird am 1. Juli zu einem Unrestricted Free Agent. Um den 28-Jährigen halten zu können, wird General Manager Brian MacLellan tiefer in die Tasche greifen müssen, als die US$ 4 Millionen, die Carlson in den vergangenen fünf Jahren durchschnittlich verdiente.

Wichtige Vertragsverhandlungen stehen auch mit den Restricted Free Agents Devante Smith-Pelly, der überragende Playoffs absolvierte (sieben Tore), mit Rechtsaußen Tom Wilson und mit dem deutschen Schlussmann Philipp Grubauer an. Auf dem Weg bis zum Titelgewinn wies Brooks Orpik mit +17 den besten +/-Wert aller Capitals aus, doch der routinierte Blueliner ist bereits 37 Jahre und wird am Aufbau einer Dynastie nicht mehr beteiligt sein.

Auch die festgebundenen Leistungsträger der Penguins zählen nicht mehr zu den Jüngsten. Pittsburghs Offensivspiel lebt von einem Sidney Crosby, 30, einem Evgeni Malkin, 31, einem Phil Kessel, 30, und dem 31 Jahre alten Patric Hornqvist.

Der 23-jährige Jake Guentzel konnte zwar in der vergangenen Spielzeit die Punktausbeute von seiner Rookie-Saison 2016/17, in der er es auf 33 Scorerpunkte brachte, um 15 Zähler überbieten, bestritt aber auch alle 82 Partien gegenüber 40 im Vorjahr. Ebenfalls keine besondere Steigerung verbuchte Bryan Rust (2016/17: 28 Pkt. in 57 Sp.; 2017/18: 38 Pkt. in 69 Sp.), der am 1. Juli zu einem Restricted Free Agent wird und dessen kommendes Gehalt vermutlich deutlich die bisherigen 640.000,- überbieten wird.

Angesichts dessen, dass die Penguins relativ wenig Spielraum beim Salary Cap, aber fünf kommende Restricted Free Agents im Kader haben, dürfte es ihnen schwer fallen, punktuelle Verstärkungen zu verpflichten.

Die Penguins und die Capitals werden höchstwahrscheinlich wieder zu den besten Teams in der Eastern Conference zählen, doch die Konkurrenz schläft nicht und wird ihnen das Leben von Jahr zu Jahr schwerer machen. Viel Zeit bleibt ihnen nicht mehr, um ihre Superiorität in der modernen Eishockey-Geschichte herauszustellen.

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