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Die Penguins haben nicht zu viel versprochen

von Bernd Roesch / NHL.com
Nach einer bitteren Niederlage in den Playoffs gleichen sich häufig die Aussagen von Spielern, Trainern und Verantwortlichen der unterlegenen Mannschaft. Besserung wird versprochen, vom Entgegenstemmen wird gesprochen und dass es nun darauf ankomme, hochkonzentriert das nächste Spiel anzugehen.

Umso mehr sich eine Playoffserie dem Ende neigt, umso stärker wird an den Kampfgeist der Mannschaft appelliert oder dieser besonders hervorgehoben. Es wird auch gerne erwähnt, dass nun vor allem die Führungsspieler der Mannschaft gefragt sind und sie bei der anstehenden Aufgabe noch mehr Verantwortung übernehmen werden.

Häufig können diese Versprechungen nicht eingehalten werden. Nur 44,4 Prozent der Mannschaften, die nach fünf Spielen einer Best-of-7 Serie mit 2-3 hinten lagen, konnten Spiel 6 für sich entscheiden. Ein 2-3 Rückstand war auch am Dienstag die Ausgangsposition der Pittsburgh Penguins vor dem sechsten Aufeinandertreffen mit den Tampa Bay Lightning im Eastern Conference Finale.

Durchhalteparolen gab es auf Seiten der Penguins in den zwei Tagen vor der Begegnung in der Amalie Arena zu Genüge, auch an Zuversicht ließen sie es nicht missen. Kampflos wollten sie sich nicht aus den Stanley Cup Playoffs 2016 verabschieden, nachdem sie zwei Spiele hintereinander mit 3-4 Toren, das zweite nach Verlängerung, verloren hatten. Leichter gesagt, als getan, dachte sich da der neutrale Beobachter angesichts der jüngst gezeigten Stärke der Lightning, die nun sogar vor heimischer Kulisse die Chance hatten, ihren Einzug in das Stanley Cup Finale klar zu machen.

Für viele völlig überraschend setzten die Gäste aus Pittsburgh genau das um, was sie im Vorfeld dieser Partie versprochen hatten. Sie begannen furios, vielleicht auch im Wissen, dass in den fünf Spielen zuvor, viermal jene Mannschaft das Eis als Sieger verlassen konnte, die auch den ersten Treffer markiert hatte. Beeindruckend ist in dieser Hinsicht auch die Playoffbilanz der Lightning aus den vergangenen zwei Jahren: Von 21 Partien, in denen sie mit 1-0 in Front gingen konnten sie 19 für sich entscheiden.

Eine Schrecksekunde gab es für die Penguins, als nach gut fünf Spielminuten die Hausherren mit ihrem ersten Torschuss das vermeintliche 1-0 schossen, das aber wegen Abseits nicht anerkannt wurde. Der Schock wich aber schnell der Freude angesichts des weiterhin torlosen Spielstands.

"Das war für uns enorm wichtig. Wenn sie 1-0 in Führung gehen, dann wird das ein komplett anderes Spiel", freute sich Pittsburghs Rechtsaußen Patric Hornqvist.

Auch ihr Trainer Mike Sullivan sah darin eine Schlüsselszene: "Das Spiel hätte ganz anders verlaufen können. Unser Videokoordinator hatte den Eindruck, dass es Abseits gewesen war und da es so knapp zuging, entschieden wir uns dagegen Einspruch zu erheben. Zum Glück hat er uns darauf aufmerksam gemacht. Wenn in diesem Gebäude das Licht hinter dem Tor angegangen wäre, dann hätte die Partie eine völlig andere Dynamik entwickelt. So haben wir den zusätzlichen Schub bekommen."

Die Penguins machten weiter Druck, ließen fast zwei Drittel lang den Hausherren nicht ihr Spiel aufziehen und erarbeiteten sich einen Drei-Tore Vorsprung bis zur zweiten Drittelpause. Pittsburgh war gegenüber der Partie von vor zwei Tagen nicht mehr wiederzuerkennen.

"Wir werden versuchen jene Spieler auf das Eis zu schicken, die uns die größte Gewinnchance geben", kündigte Sullivan vor der Partie an und entschied sich für Matt Murray im Tor. Der Rookie zahlte das in ihn gesetzte Vertrauen mit 28 Paraden und einer Fangquote von 93,3 Prozent zurück. Die meiste Arbeit wartete auf den 22-jährigen Schlussmann im Schlussdrittel, als die Lightning wild anstürmten.

Sullivan sah sich bestätigt: "Matt hat in den Playoffs sehr gut gespielt. Er hat für uns wichtige Spiele gewonnen, er hat auch den Rückhalt der Mannschaft und er hat eine beruhigende Wirkung auf seine Vorderleute aus. Seine Leistung spricht für ihn selbst. Er wurde in eine schwierige Situation geworfen und er kam mit ihr sehr gut zurecht."

Hatten im Vorfeld dieser Partie nicht auch die Topstars der Penguins versprochen, dass sie versuchen werden bei diesem entscheidenden Spiel noch eine Schippe draufzulegen und die Mitspieler mitzureißen?

Ihr Torjäger Phil Kessel erzielte den ersten Treffer an diesem Abend, Kapitän Sidney Crosby bereitete es vor und schoss das Siegtor selbst und Verteidiger Kris Letang versenkte ebenfalls die schwarze Hartgummischeibe im Netz der Lightning.

Letang hatte einen Tag vor der Partie noch verkündet: "Ganz sicher können wir es schaffen, dass die Serie noch einmal zurück nach Pittsburgh geht."

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