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NHL-Dynastien: Die Ottawa Senators der 20er

Unsere Serie der herausragenden Dynastien der Ligageschichte beschäftigt sich heute mit den Ottawa Senators

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Als der Puck am 1. Januar 2017 beim Eröffnungs-Bully des NHL Centennial Classic in Toronto erstmals auf das Eis fiel, da eröffnete die National Hockey League zugleich offiziell die Feierlichkeiten rund um ihren 100. Geburtstag. Im Jahre 1917 gegründet, ist die Ligageschichte inzwischen reich an Eishockeygeschichten und Ikonen des Sports, spielten schier unzählige Teams und Aktive in ihr eine große Rolle.

An jedem Samstag während des gesamten Jahres 2017, wird NHL.com/de die herausragenden Personen und Teams dieser 100-jährigen Geschichte an dieser Stelle vorstellen.

Innerhalb dieser Reihe tauchen wir auch ein in eine Serie der herausragenden Mannschaften, welchen es gelang zu echten Sportdynastien ihrer Generation heranzureifen, ihre Zeit in der Liga zu dominieren. In dieser Ausgabe: Die Ottawa Senators der 1920-er-Jahre.

Derzeit ist der Name ja wieder in aller Munde, doch die Ottawa Senators, genauer gesagt eine Vorgängerfranchise welche unter dem gleichen Namen antrat, gilt allgemein bis zum heutigen Tage als die erste wirkliche NHL-Dynastie. Dieses Team war nämlich die herausragende Eishockeymannschaft über etliche Spielzeiten hinweg vor rund 100 Jahren.

Als die Liga in den 1990er-Jahren immer weiter expandierte, da schickte man eine Franchise auch in die kanadische Hauptstadt Ottawa. Und dieses berief sich dann auf die großen Traditionen einer Mannschaft, welches es seit Jahren schon nicht mehr gab, welche aber viel Glanz versprühte als sie ihre Hochzeiten durchlebte.

Diese Truppe war in den Gründungstagen der NHL nicht nur mit dabei, sie bildete in den ersten Jahren der Ligageschichte eine wirkliche Eishockeymacht, gewann einige Male auch den Stanley Cup.

Die ursprünglichen Ottawa Senators können dabei auf eine lange Geschichte bis in das Jahre 1883 zurückblicken. Damals startete eine Gruppe junger Sportler eine Eishockeymannschaft in Ontario. Seinerzeit zunächst sogar noch die erste Mannschaft weit und breit.

Die Entwicklung des Eishockeysports in der Gegend schritt jedoch rasch voran, und in den nächsten rund drei Jahrzehnten konnte man sich dann mit etlichen verschiedenen anderen Mannschaften in unterschiedlichen Ligen der damaligen Zeit messen.

Zwischen den Jahren 1903 und1906, einer Ära welche als 'Silver Seven Ära' bekannt wurde, bildeten die Senators eine unglaublich erfolgreiche Formation. Sie gewannen den schon damals ausgelobten Stanley Cup vier Mal. Damals war er noch unter dem Namen 'Challenge Cup'ausgespielt worden. Die NHL war noch nicht gegründet.

In dieser Phase galten die Jungs aus Ottawa als beinharte Truppe, welche die Grenzen des Fairplays austesteten, manchmal dem Vernehmen nach auch überschritten. Besonders das Jahr 1904, als man die Trophäe gegen den Winnipeg Rowing Club eroberte, gilt bis heute als Paradebeispiel dafür. Sieben der neun Spieler Winnipegs gingen aus der Serie mit teilweise heftigen Verletzungen hervor.

Bis zum Jahre 1908 bestand das Team der Senators dann ausschließlich aus Profis. Man schloss sich der neu gegründeten Eastern Canada Hockey Association an. Diese bestand dann bis zu ihrer Auflösung allerdings nur ganze zwei Jahre. Dann teilte sie sich in die CHA und die NHA auf. Die Senators landeten in der NHA, welche am Ende dann in der NHL aufgehen sollte.

Über weite Strecken der 1920er-Jahre waren die Ottawa Senators dann das bestimmende Team der jungen NHL. Drei Mal in Folge gewann man zwischen den Jahren 1920 und 1927 das Finale. Drei weitere Male erreichte man es zumindest. Ottawa gewann 129 Hauptrundenspiele, stolze 22mehr als jedes andere Team der Liga in diesem Zeitraum.

Kern der Mannschaft war damals eine Gruppe von Spielern, welche man heute in der Hockey Hall of Fame von Toronto wiederfinden kann. Allen voran natürlich Cy Denneny, einen der besten Angreifer dieser Zeit. Torhüter Clint Benedict wurde im Jahre 1924 zu den Montreal Maroons transferiert. Dieser wurde dort übrigens zum ersten Torhüter der während eines NHL-Spiels eine Torhütermaske trug.

Im Jahre 1927 gewann das Team dann seinen dritten und letzten Stanley Cup. Rückblickend behaupten viele, dass in diesem Jahr vielleicht die bis dato beste Mannschaft der damaligen Franchise beisammen war. Sie gewann 30 ihrer 44 Spiele der Hauptrunde, bevor man auch die Playoffs dominierte. Drei Siege und drei Unentschieden standen dort am Ende zu Buche. Die Tordifferenz betrug dort dann 12:4 Treffer für Ottawa. Nie kassierte das Team mehr als einen Gegentreffer pro Spiel.

Doch von diesem Jahr an entwickelten sich die Dinge plötzlich sehr ungünstig für das Team aus der kanadischen Hauptstadt. In einem vergleichsweise kleinen Markt zu agieren war schon damals ein spürbarer Nachteil für ein Profiteam.

Bereits im Jahre des Stanley Cup-Gewinns im Jahre 1927 soll dem Vernehmen nach ein finanzieller Verlust von rund 50.000 US-Dollar entstanden sein. Mit neuen Konkurrenten aus New York, Chicago, Detroit, Boston und Pittsburgh in den USA kamen nicht mehr so viele Zuschauer zu den Heimspielen nach Ottawa. Die steigenden Reisekosten trugen ebenfalls zum finanziellen Niedergang bei.

So sah man sich rasch gezwungen sportliche Leistungsträger abzugeben, darunter u.a. Hooley Smith, einen der vielversprechendsten jungen Angreifer des Teams. Auch Denneny musste in Richtung Boston abgegeben werden, noch bevor die Spielzeit des Jahres 1928 begann. So begann der Niedergang des zuvor so ambitionierten und erfolgreichen Teams.

Nachdem man zwischen den Jahren 1920 und1927 die dominierende Kraft der Liga war, gelang bis zum Jahre 1934 nur noch zwei Mal die Qualifikation für die Playoffs. Nur die Pittsburgh Pirates/Philadelphia Quakers-Franchise war in dieser Phase noch erfolgloser.

Video: NHL Centennial: 100 Jahre in 100 Sekunden

Immer mehr Spieler verließen daraufhin die Organisation aus der kanadischen Metropole, darunter dann auch Verteidiger King Clancy und Stürmer Frank Nighbor, der MVP des Jahres 1924.

Zu ihrem letzten Heimspiel, einer 3:2-Niederlage gegen die New York Americans, kamen dann nur noch rund 6.000, dazu ziemlich übel gelaunte Zuschauer zum Spiel der Senators.

Nach der Saison 1934 und weiteren 60.000 US$ Verlust im Zeitraum von zwei Jahren wurde das Team dann nach St. Louis umgesiedelt.

In der Saison 1934-35 war man dann als St. Louis Eagles aktiv, wurde jedoch auch in der neuen Heimat nur Tabellenletzter. Mit einer niederschmetternden Bilanz von nur 11 Saisonsiegen in 48 Spielen stellte man den Spielbetrieb danach frustriert ein, spielte danach nie wieder in der NHL.

Dies blieb so bis zur Spielzeit 1992-93, als sich eine neu gegründete Expansion Franchise unter gleichem Namen in der kanadischen Hauptstadt ansiedelte. Eben jene Franchise, welche in diesem Frühjahr dann so sehr weltweit auf sich aufmerksam gemacht hat.

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