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New Jersey mit einem teuflischen Comeback

Die Devils beenden ihre Sieglosserie in Nashville nach einer unglaublichen Aufholjagd

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Der Druck auf die Mannschaft war ja doch schon ziemlich groß vor dem Spiel. Die New Jersey Devils waren inzwischen bereits seit vier Spielen sieglos. Da war ein Erfolgserlebnis bei Gastspiel in Nashville gegen die dortigen Predators eigentlich fast schon Pflicht, wenn man denn möglichst unbeschadet und rasch wieder aus der jüngsten Negativspirale herauskommen wollte. Doch es begann auch an diesem Tage alles andere als günstig für die 'Teufel'. Nach zwei Dritteln stand es nämlich bereits scheinbar vorentscheidend 4:1 für die Gastgeber aus Musiccity.

Gerade auch im zweiten Drittel machten die Predators mit den Gästen auf dem Eis spielerisch quasi was sie wollten, dominierten fast nach Belieben. Wer da noch einen Pfifferling auf einen Erfolg der zuletzt so gebeutelten Devils gegeben hätte, der wäre wohl fast für verrückt erklärt, zumindest aber wohl belächelt worden.

Doch dann spielte New Jersey ein eigentlich nicht mehr für möglich gehaltenes Schlussdrittel und kam so zumindest noch in die Verlängerung, sicherte sich so zunächst noch den einen Punkt, den Minuten zuvor fast niemand mehr für wahrscheinlich erachtet hätte.

Dass das Ganze dann sogar am Ende noch mit einem doppelten Punktgewinn endete, sich der scheinbar so verkorkste Abend am Ende nach einem der spektakulärsten Comebacks der jüngeren Ligageschichte tatsächlich sogar noch in einen 5:4-Erfolg verwandelte, das könnte der langersehnte Wendepunkt für die New Jersey Devils in dieser Saison gewesen sein, zumindest aber wohl ein sehr einschneidendes Erlebnis auf das sich eine ganz Saison theoretisch aufbauen lässt.

Werfen wir daher hier und heute noch einmal einen etwas ausführlicheren Blick auf die Geschehnisse des letzten Abends in Nashville.

Video: Subban erzielt einen herrlichen Treffer

Nach vierzig Minuten stand es, wie gesagt, durch Tore von zwei Mal Kevin Fiala (17., 27.) Roman Josi (35.) und P.K. Subban (20.), bei einem zwischenzeitlichen Gegentreffer durch Taylor Hall (18.), bereits 4:1 für die Hausherren, die in allen Bereichen des Spiels deutlich überlegen schienen, Keith Kinkaid im Tor der Devils mit etlichen hochkarätigen Torschüssen eindeckten, mehr als es diesem lieb sein konnte.

Doch in der allerersten Shift des Schlussdrittels begann die Begegnung tatsächlich noch einmal spannend zu werden, nachdem Andy Greene einen Torschuss abfeuerte, der von Mattias Ekholm abgeblockt wurde und dann vom freistehenden Michael Cammalleri zum 2:4 verwertet werden konnte (41.).

Nur dreißig weitere Sekunden waren gespielt, da war plötzlich auch bereits der Anschlusstreffer gefallen. Vernon Fiddler stürmte nach vorne und testete Rinne, der dann gegen den zweiten Versuch von Andy Greene (41.) keine Chance hatte.

Die Gastgeber reagierten geschockt, Coach Peter Laviolette nahm direkt seine Auszeit, dirigierte aufgeregt mit deutlichen Gesten seinen um ihn versammelten Kader, versuchte die Reihen wieder zu schließen, doch die zuvor so sicher und überlegen agierenden 'Preds' konnten ihre zuvor zu erkennende Überlegenheit nicht wieder zurückgewinnen.

Die Hausherren zitterten deutlich spürbar um die Führung, auch wenn Angriffe der Devils auf dem Eis doch eher die Ausnahme blieben. Die zuvor noch so ausgelassene Stimmung in der Arena wich in dieser Phase jedoch nach und nach einem nervösen Grummeln.

Adam Henrique war es dann vorbehalten mit seinem Treffer zum 4:4-Ausgleich, dem ersten Powerplaygegentreffer der den Predators in dieser Saison in ihrer Halle unterlaufen ist übrigens, das Comeback der Gäste noch rund acht Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit zu krönen.

Video: Hall trifft die Scheibe in deer Luft

Es war, man mag es ja kaum glauben, der erste Schuss auf den Kasten von Rinne nach dem Anschlusstreffer von Greene zum 3:4 in der ersten Minute des letzten Drittels.

Dann galt es für die Gäste noch den Schlussspurt der Hausherren zu überstehen, die nun einige regelrecht wütend wirkende Angriffe auf das Tor von New Jersey initiierten.

Kinkaid musste verletzungsbedingt behandelt werden, konnte aber weitermachen. Eine tolle Einschussgelegenheit von Roman Josi musste er noch zunichtemachen, doch dann war für die Gäste zumindest die Overtime erreicht, der Punkt für New Jersey, trotz deutlich höherer Torschussanzahl zugunsten der Predators erfolgreich abgesichert.

Und auch in der fünfminütigen Verlängerung blieb die optische Überlegenheit der Gastgeber weiter erhalten. Doch wie es dann häufig so läuft, dauerte es bis zur letzten Minute der Verlängerung bevor die Devils ihrerseits überhaupt dann einmal eine erste Tormöglichkeit herausspielen konnten, diese dann aber auch gleich erfolgreich und in diesem Falle spielentscheidend nutzen konnten.

Erneut traf Camalleri für die danach fast ungläubig und etwas verdutzt wirkenden 'Teufel'. Der sieglosfluch der letzten Tage war tatsächlich durchbrochen worden, niemand wusste so recht wie dies zustande kam.

Predators-Coach Laviolette war jedenfalls entsprechend bedient im Anschluss: "Wir haben heute wirklich alles getan um am Ende dann auch als Sieger das Eis zu verlassen. Das Spiel am Ende auf diese ungewöhnliche Art und Weise zu verlieren, dass das ist ein schreckliches Erlebnis für uns. Jeder von uns fühlt sich gerade ganz furchtbar."

Taylor Hall war entsprechend glücklich: "Unser Auftritt war wahrlich nicht perfekt. Man muss aber immer kämpfen bis zum Schluss. Das haben wir heute zweifelsohne gemacht und sind belohnt worden. Gerade auswärts ist das der Weg zum Erfolg. Im Schlussdrittel haben wir wirklich alles reingeworfen. So muss das immer sein."

Häufig sind es ja genau solche Erfolge, die einen dauerhaften Effekt auf die Psychologie eines Teams haben, ganz neues Selbstvertrauen entstehen lassen, die Geschicke einer langen Saison urplötzlich herumreißen.

Und im Umfeld der Devils war man sich nach diesem glücklichen und hart erkämpften Erfolg, der in dieser Art und Weise, und dem Aufholen eines Drei-Tore-Rückstands im Schlussdrittel, übrigens erstmals seit dem 12. Oktober 2006 zustande kam, als es New Jersey letztmals gelang durch einen Hattrick von Brian Gionta einen 3:6-Rückstand im Schlussdrittel noch in einen 7:6-Erfolg nach Verlängerung gegen die Toronto Maple Leafs zu verwandeln, diesbezüglich heute einig, dass dies genau ein solch den weiteren Saisonverlauf nachhaltig prägender Sieg gewesen sein könnte.

Die nächste Gelegenheit diese Hoffnung nun weiter zu untermauern haben die Devils übrigens dann am kommenden Dienstag beim Heimspiel gegen die Vancouver Canucks.

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