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Nashville muss den Erfolg bestätigen

Serie 31 in 31 von NHL.com/de: Die Predators waren die große Überraschung der vergangenen Spielzeit, kaufen können sie sich davon nichts

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Der Startschuss zur NHL-Saison 2017-18 steht zwar noch nicht unmittelbar vor der Türe, doch die Nachwuchs-Camps sind geschafft und die Trainingscamps in Sichtweite. Wir denken, dass es das Beste sei, die Sommerhitze im August mit Analysen Eurer Lieblingsteams zu bekämpfen.

Jeden Tag wird Euch NHL.com/de im Rahmen der 31 in 31 Serie mit fundierten Einschätzungen der Mannschaften versorgen.

Wo wird die Reise für den Liganeuling Vegas Golden Knights hingehen? Können die Pittsburgh Penguins ihre dritte Meisterschaft in Folge feiern? Welche Teams könnten uns alle überraschen?
Alle diese Fragen werden in den täglichen Artikeln beantwortet.

Heute analysieren wir die Nashville Predators:

Bilanz 2016/17:  41 - 29 - 12, 4. Platz in der Central Division
Playoffs 2017: 2:4-Niederlage im Stanley Cup-Finale gegen die Pittsburgh Penguins
Trainer: Peter Laviolette, seit Mai 2014
Neuzugänge: Alexei Emelin, Nick Bonino, Pierre-Cedric Labrie, Joonas Lyytinen, Andrew O'Brien, Emil Pettersson, Ryan Johnson, Austin Watson
Abgänge: Mike Fisher, Brad Hunt, Mike Liambas, Colin Wilson


Wo sie herkommen:

Sie waren die große Überraschung im Frühjahr 2017, unterlagen erst im großen Finale um den heißbegehrten Stanley Cup dem Titelverteidiger aus Pittsburgh. Gigantische Stimmung, viel Mut und Spielfreude. So sind die Nashville Predators sicherlich auch noch den meisten Lesern hier in Erinnerung. Man sollte sich jedoch nicht täuschen lassen. Das Team erreichte als punktschwächstes überhaupt nur mit viel Glück die Playoffs in der besten Eishockeyliga der Welt. Zu hoch sollte man seine Erwartungshaltung in und um Nashville nach diesem tollen Erfolg nicht automatisch hängen. Diesen Erfolg zu wiederholen, sich sogar noch etwas zu steigern ist keinesfalls eine Kleinigkeit. Eher erscheint es wahrscheinlich, dass ein Team welches am oberen Rand seiner Möglichkeiten agiert hat, nun wieder auf sein Normalmaß zurückfällt.

Was sie änderten:

Die Offseason der Nashville Predators gehörte bisher zu den unruhigeren der Liga. Überlagert wurden die letzten Wochen zweifelsohne vom Rücktrick von Teamkapitän Mike Fischer, der die Schlittschuhe im Alter von 37 Jahren nun an den Nagel hängt.

Doch auch sonst tat sich ziemlich viel im Umfeld des Überraschungsfinalisten aus dem Frühsommer. James Neal ging der Franchise in Richtung Vegas Golden Knights über den Expansion Draft verlustig. Verlängert werden konnte hingegen der Vertrag mit Verteidiger Yannick Weber. Colin Wilson wanderte zu den Colorado Avalanche ab. Hinzugewonnen wurden hingegen Scott Hartnell für ein Jahr und Nick Bonino sogar für deren vier. Viel Unruhe zuletzt also in Music-City.

Neal befindet sich inzwischen im letzten Jahr seines Sechsjahresvertrages, der ihm insgesamt 30 Mio. US$ zusicherte und wird in Kürze 30 Jahre alt werden. Sein Abgang gibt dem Team also neue Möglichkeiten.
Und auch das Karriereende von Fischer gibt die Gelegenheit für eine Verjüngung des Kaders. General Manager David Poile wird nun mehr finanziellen Spielraum haben den Kader neu zu strukturieren.

Der Abgang von Wilson kann verkraftet werden, war auch er zuletzt mit 3,94 Mio. US$ pro Jahr recht fürstlich entlohnt, konnte seine Leistung dem zuletzt nicht mehr wirklich gerecht werden.

Bonino könnte erfolgreich die Mitte des Spielfeldes bei den Predators verstärken. Einsätze in der zweiten oder dritten Reihe erscheinen realistisch. In Pittsburgh agierte er zuletzt häufig in der dritten Formation. In Nashville dürfte er mehr Möglichkeiten bekommen, hat er hier doch nicht zwei der besten Center der Liga direkt vor sich im eigenen Team platziert.

Die Rolle von Colton Sissons war schon in den letzten Playoffs deutlich größer als noch in der Hauptrunde zuvor. War er hier zunächst noch der Center der vierten Reihe, kam ihm in der KO-Phase durch Ausfälle im Kader schon eine wichtigere Rolle zu, bis hin zum Center der Top-Formation. Auch seine Bedeutung könnte in der anstehenden Saison konstant ansteigen.

Viel wird davon abhängen wie sich Bonino und Jarnkrok präsentieren werden, wenn die neue Runde in der besten Eishockeyliga der Welt startet.

Spannend auch, wie sich die Rolle von Pontus Aberg dann darstellen wird. Nach nur 15 Spielen in der Vorrunde 2016-17 war er in 16 Playoff-Spielen im Einsatz. Kann er dieses Niveau halten? Man darf gespannt sein. Wenn ja, dann könnte er die Lücke schließen, welche durch den Abgang von Wilson gerissen wurde. Doch da er seine Leistung bisher noch nicht konstant gezeigt hat, dürfte hier ein gewisses Risiko liegen.

Überhaupt war der Abgang von Wilson diskutabel. Zunächst machte die Aktion den Eindruck es ginge hier um die Gewinnung von freiem Busget für andere Neuverpflichtungen. Doch neben Bonino folgten dann gar nicht so viele wirklich teure Neuverpflichtungen.

Neben der sich zukünftig wohl weiter ausdehnenden Bedeutung von Aberg, holten die Predators auch noch Scott Hartnell zur Franchise zurück. Bereits von 2000 bis 2007 agierte der zuletzt in Columbus aus seinem Vertrag herausgekaufte Kufen-Crack in Tennessee für die 'Preds'. Nun konnte er für vergleichsweise günstige 1 Mio.
US$ für die kommende Saison verpflichtet werden. Mit seinen bereits 35 Jahren ist er allerdings nur eine kurzfristige Lösung für das Team.

In der Defensive fällt vor allem die Verpflichtung von Alexei Emelin ins Auge des Beobachters. Die Top-Vier hinten sind zweifelsohne P.K. Subban, Ryan Ellis, Roman Josi und Mattias Ekholm. Damit bleibt Emelin vermutlich nur eine Rolle in der dritten Formation. Matt Irwin und Yannick Weber werden sich hier ebenfalls bewerben.

Ein Blick auf den Kader bringt einen zu der Erkenntnis, dass es den Verantwortlichen der Predators nun darum geht den Kader etwas jünger aufzustellen, langsam einen Umbruch einzuleiten, ohne dabei die sportlichen Ambitionen aufzugeben. Junge Aktive wie Kevin Fiala (siehe auch Extra-Bericht) und Aberg bekommen die Chance sich in der Top-Formation der Franchise festzuspielen.

Doch das ist eine Gradwanderung, schließlich waren die Predators im Vorjahr, trotz der überraschenden Teilnahme im Stanley Cup-Finale mit 94 Zählern aus der Hauptrunde das punktschwächste Team, welches es noch in die Playoffs der NHL geschafft hat. Man sollte sich also nicht blenden lassen. Die Predators dürfen nicht nachlassen, wenn sie nicht aus dem Anwärterpulk um die KO-Phase im Frühjahr 2018 herausfallen wollen.
Wie sie abschneiden könnten:

Nicht wenige Beobachter meinten, dass die Predators, wenn sie nicht so sehr vom Verletzungspech gebeutelt gewesen wären, sogar den Stanley Cup gegen Pittsburgh hätten gewinnen können. Andererseits muss man aber eben auch bedenken, dass die 'Preds' nur als absoluter Außenseiter in die Playoffs gingen. Die Erwartungen für die kommende Spielzeit sollten also nicht zu hoch gehängt werden. Das Erreichen der KO-Runde ist abermals ein realistisches Ziel für die Laviolette-Truppe. Ob dann auch wieder mehr geht? Das wird in jedem Jahr auch wieder eine Frage von Glück und Pech sein. Von dem Team nun aber ernsthaft den Titel zu erwarten, das erscheint sehr unrealistisch.

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