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NHL-Dynastien: Die Canadiens der späten 70er

Unsere Serie der herausragenden Dynastien der Ligageschichte beschäftigt sich heute erneut mit dem Team aus Montreal

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Als der Puck am 1. Januar 2017 beim Eröffnungs-Bully des NHL Centennial Classic in Toronto erstmals auf das Eis fiel, da eröffnete die National Hockey League zugleich offiziell die Feierlichkeiten rund um ihren 100. Geburtstag. Im Jahre 1917 gegründet, ist die Ligageschichte inzwischen reich an Eishockeygeschichten und Ikonen des Sports, spielten schier unzählige Teams und Aktive in ihr eine große Rolle.

An jedem Samstag während des gesamten Jahres 2017, wird NHL.com/de die herausragenden Personen und Teams dieser 100-jährigen Geschichte an dieser Stelle vorstellen.

Innerhalb dieser Reihe tauchen wir auch ein in eine Serie der herausragenden Mannschaften, welchen es gelang zu echten Sportdynastien ihrer Generation heranzureifen, ihre Zeit in der Liga zu dominieren. In dieser Ausgabe: Die Montreal Canadiens der späten 1970er-Jahre.

Im Laufe der vergangenen 100 Jahre NHL-Geschichte hatten die Rekordchampions aus Montreal naturgemäß mehr als eine herausragende Phase, welche sich als Dynastie bezeichnen lässt. Unzweifelhaft gehörten auch die späten 1970er-Jahre dazu.

Unter dem legendären Trainer Scotty Bowman und mit Torhüterlegende Ken Dryden im Kasten konnte Eishockeygeschichte geschrieben werden. Größen wie Guy Lafleur und Steve Shutt organisierten die Truppe auf dem Eis, formten die Basis einer nahezu unbezwingbaren Mannschaft in der besten Eishockeyliga der Welt.

Erst als Coach Bowman dann die Franchise in Richtung Buffalo verließ endete die Erfolgsphase der Dauermeisterschaften gegen Ende des Jahrzehnts.

Mit der Saison 1975-76 begannen die Canadiens ihre abermalige Dominanz in der NHL. Mit 58 Siegen stellte die Original-Six-Franchise einen neuen Ligarekord auf und beendete seinerzeit die reguläre Saison auf der Spitzenposition der Liga.

Auch in den Playoffs zeigte die Mannschaft ihre enorme Stärke in dieser Spielzeit und musste sich auf dem Weg zum Stanley Cup-Sieg im Frühsommer in nur einem von 13 Spielen geschlagen geben.

Zur Spielzeit 1976-77 verbesserten die von Bowman geführten Canadiens ihren Rekord aus dem Vorjahr sogar auf schier unglaubliche 60 Siege innerhalb einer NHL-Hauptrunde. Damit setzte man eine Bestmarke, welche für stolze 19 Jahre Bestand haben sollte.

Ohne größere Schwierigkeiten zog die Mannschaft erneut in das Stanley Cup-Finale ein und siegte dort gegen die Boston Bruins ohne dabei ein einziges Spiel der Serie zu verlieren.

Ihren sportlichen Erfolg setzten die 'Habs' in der Saison 1977-78 auf beeindruckende Art und Weise fort und waren erneut das beste Team der NHL am Ende der regulären Saison, diesmal mit 16 Punkten Vorsprung auf die Boston Bruins.

Nach Siegen in den ersten beiden Playoff-Runden über die Detroit Red Wings und die Toronto Maple Leafs, standen die Canadiens, wie schon im Vorjahr, abermals den Boston Bruins im Finale um den begehrten Stanley Cup gegenüber. Diesmal jedoch konnte Montreal die Serie nicht gänzlich ohne Niederlage für sich entscheiden. Stattdessen stand es nach vier Spielen etwas überraschend 'nur' 2:2 unentschieden. Aber die Canadiens gewannen die folgenden zwei Spiele der Serie und somit auch den Stanley Cup mit einem 4:2 in der Finalserie des Jahres 1978.

In der folgenden Saison 1978-79 begann die jahrelange Dominanz der Franchise dann allerdings deutlich spürbar nachzulassen. Zwar belegten die Canadiens weiterhin unangefochten den ersten Rang in der damaligen 'Prince of Wales Conference', doch die New York Islanders aus der 'Clarence Campbell Conference' lagen am Ende der regulären Saison erstmals auf der Spitzenposition der NHL, mit einem Punkt Vorsprung auf den Titelverteidiger.

Auch in den folgenden Playoffs des Frühjahrs präsentierten sich die Canadiens etwas schwächer als noch zuvor in den vorangegangenen drei Spielzeiten. Wie schon in den zwei Jahren zuvor traf das Team von Erfolgstrainer Bowman hier auf die Boston Bruins, diesmal allerdings schon im Halbfinale.

Es entwickelte sich zwischen beiden Erzrivalen damals eine sehr umkämpfte Serie. Die 'Habs' führten nach fünf Spielen knapp mit 3:2, doch Boston glich die Serie mit einem Sieg im sechsten Spiel noch einmal zum 3:3 aus.
Im entscheidenden siebten Spiel war nach den regulären 60 Minuten Spielzeit auf dem Eis dann auch noch immer kein Sieger auf dem Eis gefunden. Starspieler Guy Lafleur gelang der Ausgleich für die 'Habs' zum 4:4 hier auch erst in den Schlusssekunden der Begegnung. Man spürte, dass die Canadiens wackelten.

Dich sie fielen noch nicht. Denn in der Verlängerung gewannen schließlich die Titelverteidiger glücklich und besiegten im anschließenden Stanley Cup-Finale 1979 die New York Rangers sogar relativ locker mit 4:1 in der Serie, sicherten sich damit dann zum vierten Mal in Folge den großen Silberling.

Danach jedoch zerfiel die über Jahre hinweg so erfolgreiche Mannschaft dann auf recht dramatische Art und Weise. Etliche Spieler gingen nämlich in den sportlichen Ruhestand, andere wechselten den Verein.

Die hinzugewonnenen Ersatzleute konnten die Leistungen der Franchise dann so nicht länger stabil halten. Es ging sportlich schrittweise immer weiter abwärts mit dem Rekordchampion.

In Erinnerung bleiben werden aus dieser Dynastie natürlich weitere herausragende Spieler wie: Bob Gainey, Doug Jarvis, Yvon Lambert, Guy Lapointe, Michel Larocque, Jacques Lemaire, Doug Risebrough, Larry Robinson, Serge Savard, Steve Shutt oder auch Mario Tremblay.

Größeren Ärger gab es seinerzeit am Ende dieser Epoche in der Franchise auch bereits hinter den Kulissen: Die Teambesitzer der Canadiens versprachen Coach Scotty Bowman zwar einige Jahre zuvor den Posten als General Manager, sollte Amtsinhaber Sam Pollock diesen einmal aufgeben, engagierten aber dann im Jahre 1978 Irving Grundman als dessen Nachfolger, woraufhin Bowman im Sommer 1979 enttäuscht von seinem Amt als Cheftrainer der Truppe aus Montreal zurücktrat und nach Buffalo zu den Sabres wechselte.

Eine Ära in Montreal war damit dann auch endgültig Geschichte. Erst Jahre später konnten die Canadiens wieder im Kampf um den Cup ein ernsthaftes Wörtchen mitreden.

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