Skip to main content

Toronto und New Jersey sind die Stehaufmännchen

Die Maple Leafs und Devils bewiesen zuletzt wie schnell man die Geschicke in der NHL erfolgreich herumreißen kann

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Erst im Vorjahr waren es die Toronto Maple Leafs, welche uns allen eindrucksvoll gezeigt haben, wie schnell sich das sportliche Schicksal eines Teams in der NHL in diesen Zeiten ändern kann. Gepusht auch durch die herbeigesehnte Untervertragnahme eines talentierten Nummer-eins-Picks, in ihrem Fall in Person von Auston Matthews, erreichte das Team aus Kanadas Eishockeymetropole endlich wieder einmal die Playoffs. So konnte die über Jahre hinweg ziemlich unruhige und innerlich tief verunsicherte Grundstimmung rund um das Franchise deutlich stabilisiert, neuer Optimismus, gar Begeisterung in der Stadt und unter den Fans weltweit entfacht werden.

Inzwischen scheinen die sportlich trostlosen Tage beim Team aus Toronto längst der fernen Vergangenheit anzugehören.

In der gerade frisch gestarteten Runde schicken sich die New Jersey Devils an, eine ganz ähnliche Entwicklung nehmen zu können.

Video: NJD@CHI: Hischier lässt Crawford keine Chance

Zuletzt ganz tief im Tabellenkeller beheimatet stürmen die Teufel aktuell, mit viel frischer Euphorie auch durch die Hinzunahme von Top-Draft Nico Hischier, derzeit vergleichbar die Liga, belegen mit bereits elf Siegen aus den ersten 17 Ligaspielen die Spitze der Metropolitan Division. In der Rangliste der gesamten Liga steht das Team auf einem überraschenden vierten Platz.

Sehr spannend die Tatsache, dass am Donnerstag beide Mannschaften, die Stehaufmännchen der vergangenen zwölf Monate sozusagen, zum direkten Kräftemessen aufeinandertreffen, wenn es zum Duell beider Teams im Air Canada Centre zu Toronto kommen wird.

Die Leafs waren in der Spielzeit 2016/17, nach etlichen sportlich mageren Jahren, wieder ein ernsthafter Playoff-Anwärter, konnten die Hauptrunde im vergangenen April dann mit insgesamt respektablen 95 Zählern und 40 Siegen abschließen.

In der folgenden KO-Phase überzeugte das Franchise im Duell gegen die traditionell sehr hoch gehandelten Washington Capitals, unterlag dort erst nach langem und hartem Kampf mit 2:4 in der Serie und hatte den Favoriten dabei tatsächlich bis ans Limit gefordert.

Daraus erwachsen ist ein ganz neues Selbstvertrauen, welches die Leafs in der aktuellen Spielzeit noch immer auszeichnet. Ein Jahr zuvor wäre ein Beobachter wohl nur mitleidig belächelt worden, wenn er so etwas ernsthaft als Saisonprognose abgeliefert hätte.

Video: TOR@LAK: Matthews trifft per Penalty

Positiv dabei vor allem die herausragende Premierensaison von Top-Draft-Pick Auston Matthews, der alleine in der Vorrunde mit 40 Toren und insgesamt 69 Zählern auf seinem Scorer-Konto abschließen konnte und sein Team somit bereits in seinem jungen Alter von gerade einmal 19 Lenzen einen mitentscheidenden Schub verleihen konnte.

Wirklich erstaunlich, wie schnell man die Geschicke einer Organisation inzwischen herumreißen kann, begünstig durch eine in einem Salary-Cap-System extrem ausgeglichenen Liga. Ein paar Prozente Leistungsunterschied können hier bei dieser Leistungsdichte aller Konkurrenten schon sehr viel bewirken.

Auf einen vergleichbaren Verlauf der Runde setzen aktuell auch die Anhänger der Devils. Wer sich noch im vergangenen Frühjahr ein paar Spiele der Truppe über die volle Distanz angesehen hat, der konnte es eigentlich gar nicht für möglich halten, dass der Klub schon wenige Monate später wieder voll konkurrenzfähig zu sein scheint.

Mitverantwortlich in diesem Fall ebenfalls die Euphorie rund um einen heißersehnten Nummer-eins-Pick im Draft. Im Falle der Devils schickt sich der junge Schweizer Hischer tatsächlich auf ganz ähnliche Art und Weise wie im Vorjahr Matthews an, sein Team zurück in die Erfolgsspur zu führen. Und das in seinem Faller im jugendlichen Alter von gerade einmal 18 Jahren.

Video: NJD@OTT: Hischier erzielt seine ersten zwei NHL-Tore

Der aufstrebende Stürmer aus Europa findet in seinen ersten Wochen in der Liga gerade immer besser hinein, agiert inzwischen schon gleichberechtigt unter den Topleuten seiner Mannschaft. In 17 Ligaspielen kann der Eidgenosse bisher persönlich schon auf beachtliche 14 Punkte verweisen.

Sein Team hat das verlorene Selbstvertrauen auch dank dessen bemerkenswerten Unterstützung rascher zurückerobern können als von vielen erwartet.

Eine Playoff-Teilnahme im kommenden Frühjahr wäre für das Team von Coach John Hynes inzwischen längst keine Sensation mehr. Wenn die eigentlich noch mitten im Umbau befindlichen Devils es wieder unter die besten Teams der Liga schaffen könnten, wäre es nach den Leistungen der letzten Wochen weit weniger überraschend als noch vor einigen Monaten.

Die moderne NHL macht es offensichtlich möglich: Harte, kontinuierliche Arbeit und dazu einige hochkarätige junge Talente frisch im Kader, dann steht einer sportlichen Wiederauferstehung in der Liga wenig entgegen.

Unter diesen Aspekten wird der direkte Vergleich der beiden Stehaufmännchen in Toronto in der Nacht von Donnerstag auf Freitag eine besondere Begegnung werden!

Mehr anzeigen