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Die Flames zeigen Comeback-Qualität

von Bernd Roesch / NHL.com

Wer in den letzten Jahren einmal den Scotiabank Saddledome besucht und dabei eine Partie der Calgary Flames verfolgt hat, der weiß wie sehr das Team von seinen frenetischen Fans unterstützt wird, unabhängig davon auf welchem Platz die Mannschaft momentan in der Liga steht oder ob sie in einem Spiel schon vermeintlich aussichtslos zurückliegt.

Nach jedem Treffer der Flames brodelt die Luft in der 1983 erbauten Arena, und das nicht nur wegen der unter dem Dach befestigten Flammenwerfer.

Nicht selten springt der Funke auf die Mannschaft über. Schon in der vergangenen Saison ließen sich die Flames vor heimischer Kulisse nicht von einem Rückstand beeindrucken und sicherten sich Punkte, die schon verloren schienen. Zu Beginn der laufenden Spielzeit schien es, dass von der Heimstärke, welche die Flames im Vorjahr noch ausgezeichnet hat, nichts mehr geblieben sei:

Im Oktober konnten sie nur eine von sechs Partien für sich entscheiden. Der Eindruck trog, wie wir jetzt wissen.

Seit dem 5. November sind die Flames auf heimischen Eis ungeschlagen, 11 Siege in Folge konnten sie mit ihren Fans feiern, und mit dieser eindrucksvollen Erfolgsserie sogar einen neue Franchisebestmarke aufstellen. Die Red Wings (3-2 OT-Sieg nach 1-2 Rückstand), die Rangers (5-4 OT nach 0-1), die Stars (4-3 SO nach 0-3), die Bruins (5-4 OT nach 3-4) und zuletzt die Edmonton Oilers (5-3 nach 0-2) können ein Lied davon singen, wie schwer es ist aus dem Süden Albertas beide Punkte zu entführen.

Besonders eindrucksvoll war die Aufholjagd der Westkanadier am 1. Dezember als die Dallas Stars als Tabellenführer sich bei ihnen die Ehre gaben. In der Western Conference trennte beide Mannschaften zwölf Plätze und 20 Punkte. Der Favorit ging auch schnell mit 2-0 in Führung und konnte seinen Vorsprung im zweiten Durchgang sogar auf 3-0 ausbauen. Zwei frühe Tore von Mikael Backlund und Johnny Gaudreau erwiesen sich als Dosenöffner:

Die Mannschaft von Bob Hartley glaubte nun an eine Wende und kämpfte bis zum Umfallen. 138 Sekunden vor Spielende belohnte Dougie Hamilton mit dem Ausgleichstreffer, der sie in die Verlängerung rettete, ihren Einsatz. Im anschließenden Penaltyschießen trafen schließlich alle drei Schützen der Hausherren. Der Sieg war damit unter Dach und Fach gebracht.

Hartley beschrieb seine Gefühle und die Stimmung der Mannschaft.

"Solche Spiele, solche Comebacks erinnern mich an das was im vergangenen Jahr passiert ist. Man möchte in keiner Partie in Rückstand geraten, aber diese Comebacks fühlen sich besonders gut an. Die Jungs haben nun richtig viel Spaß in der Kabine, mit Musik und allem Drum und Dran. Für mich ist es das schönste am Traineramt und an einer Mannschaftssportart. Du bekommst die Emotionen mit und du siehst das Resultat harter Arbeit. Ich bin stolz auf das was die Jungs geleistet haben."

Stolz sein darf Hartley auch auf das sein, was sein Team in der Nacht von Sonntag auf Montag aufs Eis gezaubert hat. Ihr nördlicher Nachbar aus Edmonton war zu Besuch im Saddledome und erwischte die Hausherren eiskalt:

Zum Ende des ersten Durchgangs konnte Benoit Pouliot innerhalb von 110 Sekunden zweimal Calgarys finnischen Schlussmann Karri Ramo bezwingen. Unbeeindruckt von dem Rückstand setzten die Flames im zweiten Spielabschnitt alles auf eine Karte und machten mächtig Druck auf das gegnerische Gehäuse. Nach Gaudreaus Anschlusstreffer stellte Teddy Purcell den alten 2-Tore Vorsprung wieder her.

Die Flames ließen sich auch davon nicht schockieren und stürmten weiter. Noch vor der zweiten Pause drehten Matt Stajan mit einem Unterzahltreffer, Mark Giordano bei Überzahl und Gaudreau mit seinem zweiten Tor das Spiel. Für die endgültige Entscheidung zum 5-3 Endstand sorgte erneut Giordano.

Gaudreau freute sich riesig über den Sieg:

"Das ist großartig. Wir lieben es zuhause zu spielen. Es macht richtig viel Spaß bei dieser guten Atmosphäre aufs Eis zu gehen."

Dass der 22-jährige Flügelstürmer, der von den Flames 2011 in der vierten Runde an 104. Stelle gedraftet wurde, diesen Spaß auch mit Leistung füllt, konnte man in den vergangenen zwei Heimpartien sehen, bei denen er fünfmal ins Schwarze traf.

"Er ist ein außergewöhnlicher Spieler. Als er wieder einmal einen seiner 360 Grad Moves gezeigt hat, sagte ich auf der Bank, dass wir mit einem ganz besonderen Spieler zusammenspielen. Jedermann sieht das jeden Abend. Er hat viel Anteil, wenn nicht sogar den meisten Anteil daran, dass wir zuhause und allgemein so erfolgreich sind", lobte Stajan seinen Teamkollegen.

Lassen wir uns überraschen was die Flames und ihr junger Topscorer in den kommenden Wochen noch so in petto haben.

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