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NHL-Dominanzen: Die Red Wings der Jahre 1997 - 2008

Unsere Serie der herausragenden Dominanzen der Ligageschichte beschäftigt sich heute mit dem Team aus Detroit

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Als der Puck am 1. Januar 2017 beim Eröffnungs-Bully des NHL Centennial Classic in Toronto erstmals auf das Eis fiel, da eröffnete die National Hockey League zugleich offiziell die Feierlichkeiten rund um ihren 100. Geburtstag. Im Jahre 1917 gegründet, ist die Ligageschichte inzwischen reich an Eishockeygeschichten und Ikonen des Sports, spielten schier unzählige Teams und Aktive in ihr eine große Rolle.

An jedem Samstag während des gesamten Jahres 2017, wird NHL.com/de die herausragenden Personen und Teams dieser 100-jährigen Geschichte an dieser Stelle vorstellen.

Innerhalb der Reihe tauchen wir auch ein in eine Serie der herausragenden Mannschaften, welchen es gelang zu echten Sportdynastien ihrer Generation heranzureifen, ihre Zeit in der Liga zu dominieren. In dieser Ausgabe: Die Detroit Red Wings der Jahre 1997 bis 2008.

Mit insgesamt elf Stanley-Cup-Siegen sind die Red Wings die erfolgreichste aus den Vereinigten Staaten stammende Franchise der gesamten Liga. Die Geschichte des Teams, das bereits im Jahr 1926 gegründet wurde, ist nach fast 100 Jahren im Wettstreit um Lord Stanleys Cup, inzwischen naturgemäß von diversen Höhen und Tiefen geprägt.

Zu den Glanzzeiten der Motorstädter gehören unzweifelhaft die Jahre von 1997 bis 2008, als sie quasi permanent um den Titel mitzuspielen vermochten, ihn 1996/97, 1997/98, 2001/02 und auch noch 2007/08 letztendlich sogar erfolgreich unter Dach und Fach bringen konnten.

Im Jahre 1993 übernahm Scotty Bowman, einer der erfolgreichsten NHL-Trainer aller Zeiten, den Posten als Cheftrainer in Detroit. Mit ihm kam zeitnah der große Erfolg zurück nach Michigan, nachdem das Team in den Jahren zuvor teilweise bitter enttäuschende Zeiten zu überstehen hatte.

1994 schieden die Red Wings zwar noch im Viertelfinale der Western Conference aus, erfahrene Spieler wie Mike Vernon oder auch Igor Larionov schlossen sich dem Team jedoch in dieser Phase bereits an. 1995 erreichten sie endlich wieder das Finale um den Stanley Cup, konnten ihn jedoch in diesem Anlauf nicht gewinnen.

In der folgenden Saison scheiterte die Franchise im Finale der Western Conference an der Colorado Avalanche. Die beiden Goalies Mike Vernon und Chris Osgood kassierten in der Spielzeit die wenigsten Gegentore der Liga, erhielten gemeinsam dafür die William M. Jennings Trophy als Anerkennung ihrer tollen Leistungen.

Brendan Shanahan stieß nun neu zum Team. Im Frühsommer 1997 konnte die Truppe zum ersten Mal seit 42 Jahren wieder den Stanley Cup gewinnen. Vernon wurde als wertvollster Spieler der Playoffs mit der Conn Smythe Trophy geehrt, nachdem sie die Philadelphia Flyers in der Finalserie um den großen Silberling deutlich in vier Spielen besiegt hatten.

Nur wenige Tage nach dem ausgelassen gefeierten Triumph verunglückte jedoch Verteidiger Vladimir Konstantinov bei einem Autounfall schwer. Er überlebte den Unfall zwar knapp, doch schwere Gehirnverletzungen führten dazu, dass er den größten Teil seines Sprach- und Erinnerungsvermögens verlor. Ein emotionaler und dramatischer Einschnitt, der diese damals sportlich so tollen Tage in Detroit bis in die Gegenwart hinein überschattet.

In der folgenden Spielzeit 1997/98 trugen die Red Wings auf ihren Trikots ihm zu Ehren ein kreisförmiges Emblem mit dem Wort "Glauben" in englischer und russischer Sprache, sowie den Initialen von Konstantinov und einem Betreuer der Mannschaft, der in dem Crash ebenfalls schwere Verletzungen erlitten hatte.

Trotz all diesen grundsätzlich sehr trüben Gedanken im Teamumfeld konnte der Stanley Cup am Ende tatsächlich erfolgreich verteidigt werden. Die Traditionsfranchise feierte gemeinsam mit ihrem ehemaligen Teamkollegen Konstantinov die Wiederholung des Titelgewinns im Frühjahr 1998 direkt nach dem Spielende zusammen auf dem Eis relativ ausgelassen und stolz.

Kapitän Steve Yzerman, der im Anschluss als wertvollster Spieler der Playoffs geehrt wurde, hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von Fans und Journalisten gespielt.

Spieler wie Nicklas Lidstrom, Brendan Shanahan, Sergei Fedorow und Viacheslav Fetisov prägten in erster Linie das Gesicht der Erfolgsmannschaft dieser Phase.

Mit Uwe Krupp kam zu dieser Zeit auch ein deutscher Spieler zu den Red Wings. Allerdings war der erfahrene Verteidiger in seiner Zeit beim Team aus Michigan von vielen Verletzungen geplagt, spielte dort daher leider keine sehr wesentliche Rolle.

In den Jahren 1999 und 2000 scheiterte Detroit im Halbfinale der Conference und im Frühjahr 2001 nach langer Zeit sogar bereits vergleichsweise früh im Viertelfinale.
 
Spieler wie Brett Hull, Chris Chelios, Luc Robitaille und Dominik Hasek kamen in diesen Jahren zum Kader hinzu, um den sportlichen Erfolg in der Stadt weiterhin bestmöglich halten zu können. Mit Pavel Datsyuk stieß zudem ein weiterer junger Spieler aus Russland zum Team, der bald sehr positiv von sich reden machen sollte.

Im Frühsommer 2002 konnte sich Detroit erneut den Stanley Cup sichern, als der Favorit dem Überraschungsteam der Carolina Hurricanes im großen Finale am Ende keine Chance ließ.

Nach der Saison gab Trainer Scotty Bowman das Ende seiner Trainer-Karriere bekannt. Sein Nachfolger wurde Dave Lewis, der einst selber Spieler der Red Wings war und seit 1988 bereits als Assistenztrainer für das Team arbeitete.

Die erhoffte Titelverteidigung blieb im Jahre 2003 am Ende jedoch aus. Ganz im Gegenteil! Die Red Wings scheiterten diesmal überraschend bereits in der ersten Runde der Playoffs.

2004 drang die Mannschaft dann zumindest wieder bis in das Conference-Halbfinale vor. Mit Curtis Joseph und Hasek im Tor präsentierte das Team den Eishockey-Fans in diesem Jahr eines der vielleicht prominentesten Torhüterduos in der langen NHL-Geschichte.

Nach der Einführung des Salary Caps in der NHL sah sich Detroit aufgrund seines immens teuren Kaders mit größeren Problemen konfrontiert. Die Red Wings, welche durch die Erfolge der vergangenen Jahren viele teure Starspieler verpflichten konnten, die alle dementsprechend verdienten, waren durch die neue Regelung, der Einführung einer Budgetobergrenze, sehr stark betroffen.

Die Franchise musste sich zwangsläufig von einigen vergleichsweise kostspieligen Spielern ihrer erfolgreichen Phase trennen. Darren McCarty, Derian Hatcher und Ray Whitney waren unter anderem von diesen Sparmaßnahmen direkt betroffen. Auch Keeper Joseph erhielt keinen neuen Vertrag mehr von der Franchise. Im Gegenzug kam Chris Osgood, der bereits bis 2001 für die Franchise aktiv gewesen war, zurück nach Detroit, da er im Vergleich deutlich weniger verdiente. Mit Mike Babcock wurde außerdem ein neuer Trainer in der 'Motorcity' verpflichtet.

Nach insgesamt 23 Jahren bei den Red Wings nahm Steve Yzerman im Sommer 2006 seinen Abschied. Der Kanadier war 20 Jahre lang Kapitän des Teams, trug damit länger als jeder andere Spieler in der Geschichte der NHL das "C" auf seinem Trikot. Sein Nachfolger als Mannschaftskapitän wurde der Schwede Nicklas Lidstrom, der damit als erster Europäer diese Ehre erhielt.

Mit dem Routinier Brendan Shanahan verließ nach erfolgreichen zehn Jahren nun eine weitere wichtige Stütze das Team. Er wechselte zu den New York Rangers.

Auch in der Saison 2006/07 spielte das Team jedoch wieder an der Spitze der Liga mit. Im Angriff stachen besonders die Stürmer Henrik Zetterberg und Datsyuk hervor, die zusammen mit dem Schweden Tomas Holmstrom in dieser Phase die erste Sturmreihe bildeten.

Den Wings gelang ein guter Start in die Saison 2007/08 und bereits nach dem ersten Monat belegten sie den ersten Platz der Liga. In den Playoffs traf das Team in der ersten Runde seinerzeit zunächst auf die Nashville Predators. In der zweiten Runde gewann die Mannschaft in vier Spielen gegen die rivalisierenden Colorado Avalanche und zog dadurch in das Finale der Western Conference ein. Dort waren dann die Dallas Stars der nächste Gegner auf dem Weg zum begehrten Cupgewinn.

Die Red Wings gingen in der Serie früh mit 3:0 in Führung, mussten daraufhin aber plötzlich zwei Niederlagen gegen Dallas hinnehmen. Im sechsten Spiel sicherte die Mannschaft schließlich doch den fünften Einzug ins Stanley Cup-Finale innerhalb von nur 13 Jahren.

Hier bezwang die Traditionsfranchise das junge Team um Sidney Crosby, die Pittsburgh Penguins, mit 4:3, gewann den vierten Stanley Cup in den letzten elf Jahren.

Zur Saison 2008/09 konnte das Team in der regulären Saison weiterhin mit den besten Mannschaften mithalten, doch zeigten sie vor allem in der Defensive Schwächen, nachdem Detroit in der Meistersaison noch die beste Verteidigung der Liga stellte.

In den Play-offs präsentierte sich Detroit diesbezüglich wieder souveräner und so trafen die Red Wings im Stanley Cup-Finale erneut auf die Penguins. Im entscheidenden siebten Spiel gelang Pittsburgh der einzige Auswärtssieg der gesamten Serie, womit die Titelverteidigung des Original Six-Teams knapp gescheitert war.

Im Rückblick war dies auch das Ende dieser ganz großen Phase der Red Wings.

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