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In Detroit braucht man Geduld

Serie 31 in 31 von NHL.com/de: Die Red Wings konnten im Sommer kaum auf dem Transfermarkt aktiv werden

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Der Startschuss zur NHL-Saison 2017-18 steht zwar noch nicht unmittelbar vor der Türe, doch die Nachwuchs-Camps sind geschafft und die Trainingscamps in Sichtweite. Wir denken, dass es das Beste sei, die Sommerhitze im August mit Analysen Eurer Lieblingsteams zu bekämpfen.

Jeden Tag wird Euch NHL.com/de im Rahmen der 31 in 31 Serie mit fundierten Einschätzungen der Mannschaften versorgen.

Wo wird die Reise für den Liganeuling Vegas Golden Knights hingehen? Können die Pittsburgh Penguins ihre dritte Meisterschaft in Folge feiern? Welche Teams könnten uns alle überraschen?

Alle diese Fragen werden in den täglichen Artikeln beantwortet.

Heute analysieren wir die Detroit Red Wings:

Bilanz 2016/17: 33 - 36 - 13, 7. Platz in der Atlantic Division

Playoffs 2017: nicht qualifiziert

Trainer: Jeff Blashill, seit Sommer 2015

Neuzugänge: Michael Rasmussen, Tom McCollum, Luke Witkowski, Turner Elson, Trevor Daley

Abgänge: Tomas Nosek, Daniel Cleary

Wo sie herkommen:

Nach erfolgreichen Jahren setzte sich der Abwärtstrend der Detroit Red Wings auch in der Spielzeit 2016-17 kontinuierlich fort. Der letzte Titelgewinn liegt inzwischen schon fast ein Jahrzehnt zurück, nun ging auch die Serie von 25 erfolgreichen Playoff-Teilnahmen in Serie zu Ende. Erstmals ging die KO-Runde in der NHL im Frühjahr wieder ohne die Jungs aus 'Motorcity' über die Bühne. Und das sogar deutlich. 16 Zähler oder acht Siege fehlten dem Team am Ende. So konnte man sich dann auch schon ungewollt früh auf die Feierlichkeiten zum Abschied von der traditionsreichen' Joe Louis Arena ' konzentrieren.

Was sie änderten:

Große Sprünge waren über den Sommer nicht zu erwarten, da das Team kaum nennenswerten Raum unterhalb der Gehaltsobergrenze zur verfügung hatte. Im Mittelpunkt stand somit quasi die Vertragsverlängerung mit Stürmer Tomas Tatar (siehe auch Extrabericht).

Video: COL@DET: Tatar mit einem starken Schuss vom Kreis

Für nennenswerte Kaderveränderungen standen so jedoch kaum mehr Mittel zur Verfügung. Viele Fans fragten sich somit dann auch ob diese Entscheidungen die Qualität des Kaders tatsächlich verbessern würde, als die Red Wings lediglich den erfahrenen Verteidiger Trevor Daley und auch Luke Witkowski für ihre Defensive vom Free Agent-Markt verpflichten konnten.

Der Vertrag mir Daley wurde dabei mehr beachtet, war dieser doch ein Stammspieler der Pittsburgh Penguins, dem doppelten Titelträger in der besten Eishockeyliga der Welt der beiden letzten Jahre. Ein so etablierter Spieler, der sollte natürlich grundsätzlich die Qualität haben der Abwehr der Truppe aus Detroit mehr Qualität zu verleihen.

Ob aber Daley und Witkowski insgesamt den entscheidenden Unterschied zu Gunsten der Wings ausmachen können? Daran haben sehr viele Beobachter doch arge Zweifel geäußert.

Inzwischen ist das Alter sehr vieler Spieler im Kader in Detroit zu einem Faktor geworden. Der letztjährige Top-Torjäger des Teams, Henrik Zeterberg, ist inzwischen 36 Jahre alt, Daley bereits 33. Das zeigt wo hier das Problem für die Zukunft liegen dürfte.

Natürlich wird das Team in der kommenden Spielzeit durch die Tatsache getragen werden, dass man die Ehre haben wird eine neue Heimstätte mit Leben zu füllen, die neue 'Little Ceasars Arena' wird das Interesse der Fans am zuletzt sportlich kriselnden Team mit hoher Wahrscheinlichkeit hoch halten. Veränderungen auf dem Eis dürften dazu hingegen vermutlich eher weniger beitragen.

Einige Ansätze für Optimismus gibt es aber natürlich dennoch.

Neben der durch die Zugänge aufgewerteten Defensive liegen diese unter anderem auch auf der Position des Torhüters begründet.

Jimmy Howard lieferte eine ordentliche Spielzeit ab zuletzt. Es gibt wenige Zweifel daran, dass er eine ähnliche Leistung wird erneut abrufen können. Spannend wird hier die Entwicklung von Petr Mrazek. Zuletzt wurde viel über seine Arbeitseinstellung in Nordamerika diskutiert. Es ist fraglich ob ihn das eventuell beindrucken wird. Und wenn ja, in welche Richtung wird seine Reaktion ausfallen? Will er es den Kritikern nun so wirklich beweisen, dann gibt es berechtigte Hoffnungen auf eine deutliche Steigerung. Das Potential ist zweifelsohne vorhanden. Nicht unwahrscheinlich, dass er dann an die Leistung von vor zwei Jahren anknüpfen kann, als er ein sehr dominanter Torhüter in der NHL war. Und wenn die Red Wings dann wieder über ein solides Torhütergespann verfügen können, dann würde es der Mannschaft schon deutlich weiterhelfen.

Video: WSH@DET: Mrazek stoppt Eller mit dem Schoner

Ein weiterer Faktor war in der Vorsaison die immense Anzahl von Verletzungen im Kader der Truppe aus 'Motorcity'. Insgesamt 307 Ausfälle waren in den Spielen aufaddiert zu beklagen. Sechs Aktive versäumten mindestens 20 Spiele in der Hauptrunde. 22 Spieler mindestens eine Begegnung im Saisonverlauf. So kamen 307 Spiele zusammen. Im Jahr davor waren es noch deren 288. Und wenn junge Spieler für erfahrene Aktive nachrücken, sie für das Spiellevel aber noch nicht völlig gleichwertig einzusetzen sind, dann bekommt man eben automatisch Probleme. Und genau so erging es den Red Wings zuletzt. Man muss also darauf bedacht sein die Anzahl der Ausfälle wieder zu reduzieren, wenn man erfolgreicher abschneiden will. Leicht zu steuern ist das allerdings naturgemäß nicht.

Grundsätzlich konnten nicht alle Spieler die an sie gerichteten Erwartungen zuletzt vollumfänglich erfüllen. Eigentlich war man nur mit Henrik Zetterberg, Jimmy Howard, Andreas Athansiou, Anthony Mantha, Tomas Tatar, Mike Green und Nick Jensen wirklich zufrieden. Der Rest des Kaders enttäuschte, streng genommen. Die Chancen, dass das in dieser Saison besser laufen könnte stehen rein statistisch eigentlich nicht schlecht, denn diese Quote war schon sehr enttäuschend.

Video: DET@MTL: Mantha zockt und trifft zum OT-Sieg

Stellt sich die Frage ob ein grundsätzlich kaum veränderter Kader deutlich erfolgreicher abschneiden kann als zuletzt.

Und die Anzahl der nachrückenden Prospects ist in Detroit eher gering. Tyler Bertuzzi dürfte seinen Kaderplatz sicher haben. Ansonsten erscheinen nicht viele Talente bereit für den großen Sprung. Und Tomas Nosek ging im Rahmen des Expansion Drafts an die Vegas Golden Knights.

Wie sie abschneiden könnten:

Mit den zuletzt erreichten 79 Zählern fehlten den Red Wings immerhin 16 Zähler auf die Playoff-Plätze. Fünf Teams lagen noch zwischen Detroit und Toronto. Man muss bezweifeln ob der kaum veränderte, aber immer älter werdende Kader des Teams in diesem Jahr deutlich besser abschneiden wird. In Detroit muss man langfristig denken, den Kader erst noch mit jungen Spielern wieder neu aufbauen. Wenn kein Wunder geschieht, dann werden auch die Playoffs im Frühjahr 2018 wieder ohne das Team stattfinden. Die größte Freude in Motorcity dürfte in den kommenden Monaten vermutlich über die neue Arena herrschen. Die Fans brauchen vermutlich Geduld, was den erforderlichen sportlichen Neuaufbau betrifft.

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