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NHL-History: Das Jahrzehnt von 1930 bis 1939

Folge der Wirtschaftskrise. Mit den Senators und Maroons verschwanden SC Champions

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Die NHL feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum blickt NHL.com/de an jedem ersten Samstag eines Monats in chronologischer Reihenfolge auf jeweils ein Jahrzehnt in der ruhmreichen Geschichte der NHL zurück.

Die Jahre 1930 bis 1939:

Die 30er Jahre waren ein Jahrzehnt der Veränderung. Bedingt durch den New Yorker Börsencrash am 28. Oktober 1929 stürzte die USA in die 'Große Depression' und die Welt in eine Wirtschaftskrise. Auch in der 1917 gegründeten National Hockey League hatten mehrere Franchisenehmer mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Die Pittsburgh Pirates zogen am Ende der Saison 1929/30 nach Philadelphia um und traten als Philadelphia Quakers in der American Division an. Von den 44 Partien der Saison 1930/31 gewannen die Quakers gerade einmal vier (4-36-4). Anschließend stellten sie endgültig ihren Spielbetrieb ein.

Die Ottawa Senators schlossen im gleichen Jahr die International Division als Tabellenletzter ab (10-30-4). Aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten waren sie dazu gezwungen in der Folgesaison zu pausieren. Nach weiteren zwei Spielzeiten, die sie als punktschlechteste Mannschaft der Liga beendeten, und in denen sie finanzielle Verluste verkraften mussten, zogen die 1883 gegründeten Senators in den Bundesstaat Missouri um. Als St. Louis Eagles sollten sie aber nur ein kurzes Intermezzo geben. Für die Spielzeit 1935/36 stellte die Franchise erneut den Antrag auf eine Pause - die NHL lehnte diesen ab. Nachdem kein Käufer für die Eagles gefunden wurde, entschied sich die Liga das Team zurückzukaufen und die Spieler der Eagles wurden über einen Draft von den verbleibenden acht Mannschaften verpflichtet.

Die Senators sollten nicht die einzige Mannschaft aus dem Mutterland des Eishockeys bleiben, die am Ende dieses Jahrzehnts nicht mehr existierte. Die Montreal Maroons zogen 1935 sogar noch einmal in das Stanley Cup Finale ein - sie behielten in drei Spielen gegen die Toronto Maple Leafs die Oberhand und konnten ihren zweiten Titelgewinn nach 1926 feiern - doch 1938 waren auch sie aus ökonomischen Gründen Geschichte. Erst 1947, neun Jahre nachdem sie den Spielbetrieb eingestellt hatten, wurden die Maroons endgültig aufgelöst und die Canadiens, die 1930 und 1931 zum dritten und vierten Mal in ihrer Historie Stanley Cup Champion wurden, waren fortan der einzige NHL-Club aus der frankokanadischen Metropole.

Die Cougars, das in der Autostadt Detroit beheimatete NHL-Team, wurde 1930 in Falcons und 1932 in Red Wings umbenannt. Als Red Wings gewannen sie 1936 und 1937 unter Headcoach Jack Adams ihre ersten zwei von mittlerweile elf Stanley Cup Titel.

Zur Saison 1938/39 traten die sieben noch verbliebenen NHL-Teams in einer Gruppe gegeneinander an. Nach 48 Saisonpartien standen die Boston Bruins mit 74 Punkten und einer Bilanz von 36-10-2 auf dem ersten Platz, die Chicago Black Hawks zierten mit 32 Zählern (12-28-8), als amtierender Stanley Cup Champion, das Tabellenende. In den anschließenden Playoffs wurden die Bruins ihrer Favoritenrolle gerecht und bezwangen, nach den Rangers im Halbfinale, die Maple Leafs mit 4-1 Siegen in einem Cup-Finale, das zum ersten Mal im Best-of-7 Modus ausgetragen wurde.

Der Best-of-7 Modus war nicht die einzige Reglementänderung, die in den 30 Jahren ihren Einzug ins Regelwerk der NHL hielt, und die noch bis heute Bestand hat. Zu den Stanley Cup Playoffs 1933 wurde die Overtime mit Sudden Death eingeführt. Sogleich kam es zu einer Kuriosität: Im Stanley Cup Halbfinale trafen am 3. April 1933 die Bruins und die Maple Leafs aufeinander. Nach der regulären Spielzeit stand es noch torlos Unentschieden, auch in den anschließenden fünf Overtimes konnte kein Team treffen, so dass die beiden Teammanager Conn Smythe von den Maple Leafs und Bruins Art Ross den Ligapräsidenten Frank Calder darum baten, die Partie am nächsten Abend fortsetzen zu dürfen. Calder lehnte dies ab. Beim Vorschlag von Ross, das Spiel durch einen Münzwurf zu entscheiden, zögerte zunächst Calder, das Publikum in Toronto äußerte seinen Unmut darüber aber so lautstark, dass die Partie doch noch fortgesetzt wurde. Nach 164 Minuten und 46 Sekunden Verlängerung entschied Ken Doraty mit seinem Tor die Partie zugunsten der Hausherren, die anschließend im Stanley Cup Finale den Rangers unterlagen. Es ist immer noch die zweitlängste Playoffpartie in der Geschichte der NHL. Nur der Playoffkrimi zwischen den Maroons und Red Wings am 24. März 1936 dauerte noch länger. Die Red Wings gewannen, auf dem Weg zu ihrem Titelgewinn, die erste Partie des Halbfinales nach 116:30 Minuten Verlängerung durch ein Tor von Mud Bruneteau.

In den 30er Jahren konnte viermal ein in Kanada beheimatetes Team den Stanley Cup nach Hause holen, doch in der anschließenden Dekade dominierten sie den Kampf um die begehrte Trophäe.

Namhafte Spieler aus dieser Epoche:

Marty Barry, Stürmer, Stanley Cup Champion (1936, 1937), HHOF (65/66)
Frank 'Raffles' Boucher, Stürmer, Stanley Cup Champion (1928, 1933), HHOF (58/59)
Lorne Chabot, Torhüter, Stanley Cup Champion (1928, 1932)
Charlie Conacher, Stürmer, Stanley Cup Champion (1932), HHOF (61/62)
Cecil Dillon, Stürmer, Stanley Cup Champion (1933)
Charles 'Chuck' Gardiner, Torhüter, Stanley Cup Champion (1934), HHOF (45/46)
Johnny Gottselig, Stürmer, Stanley Cup Champion (1934, 1938)
Harvey 'Busher' Jackson, Stürmer, Stanley Cup Champion (1932), HHOF (71/72)
Hooley Smith, Verteidiger, Stanley Cup Champion (1927, 1935), HHOF (72/73)

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