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Columbus brenzlige Situation spitzte sich zu

Im rechten Moment zeigen die Blue Jackets ihre Muskeln und setzen das von ihnen Erwartete um - viele Tore schießen

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Die Spieler der Boston Bruins konnten es nicht fassen und blickten immer wieder verdutzt auf den wuchtigen Videowürfel inmitten der Nationwide Arena. Columbus 7, Boston 4 stand in großen elektronischen Lettern am unteren Rand der Anzeige und lieferte ihnen die wenig erbauliche Gewissheit, dass sie sich sieben Tore haben einschenken lassen. Sieben Tore von einem Gegner, der in acht Partien seit der Trade Deadline trotz getätigter namhafter Verstärkungen nur 13 Mal getroffen hatte und mit einem Schnitt von 1,625 Tore/Spiel die zweitharmloseste Offensive der Liga stellte.

Die Columbus Blue Jackets mussten bereits als Negativbeispiel herhalten, dass es eben nicht immer ratsam und erfolgversprechend sei, zum Ende der Wechselfrist kräftig seinen Kader in der gutgemeinten Absicht umzubauen, verstärkt die Stanley Cup Playoffs anzugehen.

Video: BOS@CBJ: Jenner mit Hattrick bei Blue Jackets-Sieg

Auf dem Transfermarkt waren die Blue Jackets eines der aktivsten Teams gewesen: Die Stürmer Matt Duchene und Ryan Dzingel, Verteidiger Adam McQuaid sowie Torwart Keith Kinkaid durften sich auf den Weg in die Hauptstadt Ohios machen. Aus Ottawa, Manhattan und Newark waren sie angereist, um etwas Großes beim damaligen Tabellendritten der Metropolitan Division voranzutreiben. Nur vier Punkte betrug zu diesem Zeitpunkt Columbus' Rückstand auf die vor ihnen platzierten Washington Capitals.

Viermal waren die Blue Jackets seit ihrer Gründung 2000/01 in die Playoffs eingezogen, doch jeweils war für sie bereits in der ersten Runde Schluss gewesen; als einziges Team der Liga haben sie noch keine Playoff-Serie für sich entscheiden können. Das sollte sich ändern! 

General Manager Jarmo Kekalainen ging aus diesem Grund das Risiko ein, vier Spieler zu engagieren, die am 1. Juli zu Unrestricted Free Agents werden könnten. Im Tausch für sie gab er mit Draft Picks und Nachwuchsspielern ein Stück Zukunft des Klubs aus der Hand.

 

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Mit den neuen Kräften im Kader verloren die Blue Jackets drei von vier Heimpartien. Ihre Neuzugänge zündeten nicht und plötzlich stand sogar in Frage, ob sie sich überhaupt für die Playoffs qualifizieren würden. Das ganze klug ausgetüftelte Konstrukt geriet ins Wanken. Am 4. März rangierten sie außerhalb der Playoff-Ränge, hatten sich von den Pittsburgh Penguins sowie Carolina Hurricanes überholen lassen und waren nur noch Fünfter in ihrer Division. Zum Leidwesen kam hinzu, dass ihnen die Capitals in großen Schritten enteilten.

Ruhe bewahren und den Spielern Zeit lassen, lautete das Motto in Columbus. Zu Gast bei den New Jersey Devils, zitterte sich das Team am vergangenen Dienstag zu einem 2:1-Erfolg nach Penaltyschießen. Ein erstes großes Ausrufezeichen setzten die Blue Jackets bei ihrem zweiten Aufeinandertreffen mit den Penguins. Nur zwei Tage nach der 0:3-Niederlage in Pittsburgh, legten sie ihre Ladehemmung ab und nahmen mit 4:1-Toren Revanche für die Auswärtspleite. Duchene sammelte hierbei seinen zweiten und Dzingel zumindest seinen dritten Assist für den neuen Arbeitgeber. Auf ihre ersten Treffer mussten sie aber weitere zwei Spiele warten.

 

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Die Bruins, jenes Team mit der drittbesten Defensive in der NHL, jene Truppe deren Punkteserie von 19 Spielen gerade erst ihr Ende gefunden hatte, galten nicht gerade als der ideale Aufbaugegner für eine verunsicherte Mannschaft, wie sie die Blue Jackets eine waren. Vielleicht war es aber gerade dieser, als höchst unangenehm geltende Gast, der die Blue Jackets frei aufspielen ließ. Was hatten sie schon viel zu verlieren gegen ein Team, das als klarer Favorit in die Begegnung ging.

Video: BOS@CBJ: Anderson lässt vor Tor Verteidigung stehen

Bereits nach vier Minuten lagen die Bruins durch einen Shorthander - Höchststrafe - mit 1:0 vorne, dann zündete die Rakete der Blue Jackets doch noch! Zwischen der 8. und 29. Spielminute schossen Josh Anderson, Dzingel, Duchene und zweimal Boone Jenner eine 5:1-Führung heraus, die Gästecoach Bruce Cassidy dazu veranlasste, seinen Torwart Tuukka Rask zu erlösen. Zwar kamen die Bruins noch einmal bis auf 4:5 heran, doch die Hausherren hatten in Zach Werenski und Jenner noch zwei Böller übrig.

So hatte sich das die Klubspitze der Blue Jackets vor gut zwei Wochen vorgestellt, als sie versuchten ihrem Kader Tiefe zu geben. In der Breite gut aufgestellt, sollte jeder Einzelne zu Höchstleistungen angespornt werden. Fünf verschiedene Torschützen, ein Jenner, der in seiner 407. NHL-Partie zu seinem ersten NHL-Hattrick kam, der 24-jährige Anderson und der 21 Jahre junge Werenski, die ihr erstes Vier-Punkte-Spiel hinlegten sowie mit Dzingel und Duchene zwei Zugänge, die sich in die Riege der Vollstrecker einreihen, zeigen, dass das Konzept aufgehen könnte.

Durch diesen wichtigen Sieg katapultierten sich die Blue Jackets vorerst auf den zweiten Wildcard-Platz der Eastern Conference, sie müssen jedoch in ihren verbleibenden Saisonspielen noch einige Granaten entfachen, bevor sie ein Freudenfeuer zum Saisonabschluss anschüren und sich der erneuten Aufgabe eine Playoff-Serie zu gewinnen stellen dürfen.

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