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Die Bruins befinden sich auf einem souveränen Durchmarsch.

von Jerry Brown / NHL.com
GLENDALE, AZ. – Die Boston Bruins führen die NHL nach erzielten Toren an. Darüber hinaus stehen sie auch hinsichtlich der geringsten Anzahl durchgelassener Tore an der Spitze.

Sie halten die längste Gewinnserie der Liga – mit 10 gewonnenen Spielen in Folge im November – und wenn sie auf den 2:1-Sieg in der Verlängerung gegen die Coyotes am vergangenen Mittwoch noch einen Sieg am Neujahrsabend in Dallas folgen lassen, steht ihnen auch die zweitlängste Gewinnserie der Liga mit 8 gewonnenen Spielen zu.

„Wir spielen mit viel Hingabe und Spontaneität“, sagt der Bostoner Captain Zdeno Chára. „Wir nutzen die Chancen, die wir uns erarbeiten, und alles, was uns in die Hände gespielt wird, voll aus.“

Dazu kommt, dass das Team seinen Gegnern nur wenig schenkt. Die Goalies Tim Thomas und Tuukka Rask – ein Ersatzspieler, der in seinen letzten drei Einsätzen nur ein einziges Tor durchgelassen hat, das am vergangenen Mittwoch in einer übermenschlichen Aktion von Phoenix-Spieler Ray Whitney erzielt wurde – lassen ihre Konkurrenten im Kampf um die Jennings Trophy lächerlich aussehen. Derweil hat die Bostoner Offensive 121 Tore in 34 Spielen gemacht.

Sogar an den Abenden, an denen die Bruins – nach einer fünftägigen Spielpause und einem vernichtenden 8:0-Sieg über Florida, gerade rechtzeitig zum Auspacken der Weihnachtsgeschenke – nicht ihren besten Fastball vorzuweisen hatten, bewiesen sie genügend Finesse, um ihr Spiel in Gang zu halten. David Krejci konnte bereits 47 Sekunden nach Spielbeginn punkten, Dennis Seidenberg verwandelte den entwendeten Puck eines Coyote Verteidigungsspielers in der 58. Verlängerungssekunde und Rask erledigte den Rest.

„Das Spiel fordert Bescheidenheit", warnt Boston-Trainer Claude Julien, obwohl sein funkelnder Stanley Cup-Ring aus der vergangenen Saison und der 21-2-1-Rekord seines Teams aus den letzten 24 Spielen das Gegenteil nahelegen. „Es werden noch einige harte Prüfungen auf uns zukommen, deshalb gibt es keinen Anlass zum Übermut.“

Ganz besonders wurden die Bruins im Oktober auf die Probe gestellt, als der Stanley-Cup-Kater eine 3:7-Niederlage und zwei aufeinanderfolgende Niederlagen am Monatsende gegen die Erzrivalen der Montreal Canadiens zum Resultat hatte. Erste Spekulationen darüber, dass der Verlust des Veteranen Mark Recchi und mangelnder Erfolgshunger die Saison zu einer quälenden Durchhaltetour machen würden, kamen auf.
 
Seitdem haben die Bruins lediglich ein Spiel in der Verlängerung gegen Detroit (25. November) und zwei aufeinanderfolgende Spiele gegen Winnipeg und Florida (6. und 8. Dezember) verloren. Das ist aber auch schon alles. Aus allen anderen Begegnungen gingen die Bruins als Sieger hervor. 43 Punkte in 24 Spielen haben ausgereicht, um sie an die Spitze der Eastern Conference zu katapultieren und sie als das Team zu etablieren, an dem man sich messen muss.
 
Mit dem Ausscheiden von Recchi haben die Bruins zwar einen erfahrenen Spieler verloren, dafür aber mit jungen Spielern wie Tyler Seguin und Benoit Pouliot in prominenten Rollen an Geschwindigkeit und Reiz zugelegt. Der Schlüssel zum Erfolg liegt jedoch in den Konstanten.

„Wir glauben fest an unser System“, sagt Rask, der erfolgreiche Shutouts gegen die Flyers und die Panthers verbuchen konnte, während seine Teamkollegen bei seinen letzten beiden Einsätzen 14 mal punkteten und schließlich auch das Spiel gegen die Coyotes für sich entschieden. „Was wir machen, unterscheidet sich nicht wirklich von dem, was andere Teams auch versuchen. Im Laufe der Jahre haben wir einfach nur wirklich hart daran gearbeitet, unser Spiel zu perfektionieren. Außerdem sind die Jungs sehr diszipliniert.“
 
Wie diszipliniert? Die Bruins haben Shutouts gegen sechs Gegner in den ersten 34 Spielen erzielt – darunter haushohe Gewinne wie 6:0 (Philadelphia), 7:0 (Toronto) und 8:0 (Florida) – und in 23 Fällen nur zwei Tore oder weniger durchgelassen. In 34 Spielen haben sie nur 64 Tore einstecken müssen (1,88 Tore pro Spiel).

Seit die NHL in der Saison 1974/75 zu einem Spielplan von 80 Spielen und mehr übergegangen ist, halten die New Jersey Devils seit 2003/04 mit 164 den Rekord für die wenigsten durchgelassenen Tore in einer Saison. In der Mitte der laufenden Saison ist das Bostoner Team im Begriff, diesen Rekord um 10 Tore zu unterbieten; und das in einer Ära, in der unfaire Klammer- und Greiftaktiken vom Spielfeld verschwunden sind und die rote Linie lediglich als Dekoration dient.
 
Aber es geht natürlich nicht nur darum, den Puck aus dem Netz zu halten. Die Bruins haben 121 Tore erzielt; davon hat ein Spieler (Brad Marchand) mehr als ein Dutzend auf seinem Konto zu verbuchen. Elf weitere Spieler haben mindestens sechs Tore gemacht.

„Die Mannschaft ist durch die Bank dazu in der Lage, ein gründliches Spiel zu liefern und das hilft natürlich enorm“, sagt Center Patrice Bergeron. „Man kann gar nicht oft genug sagen, wie wichtig das ist. Selbst wenn eine oder zwei Linien daneben liegen, kann man sich immer noch auf die anderen verlassen. Wenn man sich die Teams anschaut, die den Cup gewonnen haben, dann ist diese Fähigkeit definitiv ein gemeinsamer Nenner.“

Aber noch nicht einmal das kann eine Bilanz von 21-2-1 vollständig erklären. Was ist es dann?

„Wir gewinnen, weil wir inzwischen besser dazu in der Lage sind, mit dem Erfolg umzugehen. Früher hätten wir uns wahrscheinlich einfach auf unseren Siegen ausgeruht und uns schnell überschätzt“, sagt Julian. „Die Jungs wissen jetzt, was man zu einem Sieg braucht und sie sind ziemlich bescheiden was ihre Erfolge angeht.“

„Aber es gibt immer noch viel Raum für Verbesserungen. Im Moment sind wir ein ziemlich fittes Team, aber in der Zukunft erwarten uns zweifellos noch einige Herausforderungen.“

Außer natürlich, sie verlieren weiterhin nur ein oder zwei Spiele im Monat.
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