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Einsatzfrage der Avalanche-Top-Stürmer

Zusammenspielen lassen oder nicht, das ist hier die Frage für Colorado vor Spiel 2 gegen Calgary

von Stefan Herget @nhlde / Chefautor NHL.com/de

Die Calgary Flames besiegten als punktbestes Team der Western Conference die Colorado Avalanche in Spiel 1 der ersten Runde der Stanley Cup Playoffs in ihrem Scotiabank Saddledome standesgemäß mit 4:0. Die Begegnung war enger, als es das Ergebnis aussagt, denn bis zur 35. Minute stand es torlos, ehe die Flames noch im zweiten Drittel zwei Mal zuschlugen und kurz vor dem Ende entscheidend erhöhten.

Bereits vor Beginn der Serie wurde thematisiert, dass Calgary in der regulären Saison nicht nur offensiv stark gewesen ist, sondern auch in der Defensive im Schnitt die wenigsten Torschüsse der Gegner zugelassen hatte. 41,3 Torschussversuche und 28,1 Torschüsse standen dort zu Buche, unter der überraschenden Tatsache, dass die Flames nur 1033 Schüsse und damit die zweitwenigsten aller 31 NHL-Mannschaften geblockt hatten.

Dementsprechend taten sich die Avalanche am Donnerstag schwer, offensive Akzente zu setzen, wenngleich Chancen, insbesondere bei vier Überzahlsituationen, vorhanden waren. Im Fokus standen dabei wie gewöhnlich die Top-3-Stürmer von Colorado, Nathan MacKinnon, Gabriel Landeskog und Mikko Rantanen, die erstmals seit 7. März gemeinsam aufliefen, nachdem Rantanen nach acht Spielen Verletzungspause wieder eingreifen konnte.

 

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Seit die Avalanche nach ihrem guten Saisonstart, der vor allem durch diese drei Stürmer und ihre erzielten Punkte getragen wurde, im November in die Krise gerieten, stand Trainer Jared Bednar mehrfach vor der Problemstellung, ob er diese drei Akteure zusammen in einer Reihe aufs Eis schicken oder sie aufteilen sollte, um mehr Tiefe und Unberechenbarkeit zu generieren. Beide Szenarien wurden während der regulären Saison mit abwechselndem Erfolg zur Genüge ausprobiert.

Eine eindeutige Erkenntnis, welche Aufstellung besser für das Team ist, ergab sich aber nicht, weswegen sich die Frage vor dem Auftakt der Serie erneut stellte. Und Bednar entschied sich für die Variante, MacKinnon, Landeskog und Rantanen aufzuteilen, ehe er sie im dritten Drittel angesichts des Rückstandes von zwei Toren erneut zusammenführte.

In beiden Konstellationen gelang es den Avalanche trotz insgesamt 26 Torschüssen nicht, Flames-Torhüter Mike Smith, der zuletzt am 22. Mai 2012 mit den Arizona Coyotes ein Playoff-Spiel absolvierte, zu bezwingen. Das Resultat wird im Vorfeld von Spiel 2 am Samstag (10:30 p.m. ET; NBCSN, CBC, SN, TVAS, ALT) zu weiteren intensiven Diskussionen im Trainerteam von Colorado und im Umfeld führen, wie die drei Stürmer am besten zur Geltung kommen.

Video: COL@CGY, Sp1: Smith mit der Fanghand gegen MacKinnon

"Die meiste Zeit dieses Spiels mochte ich, wie wir agiert haben", betonte Colorados Kapitän Landeskog. "Mir hat die Geschwindigkeit, mit der wir gespielt haben, gefallen. Wir hatten uns einige Zeit in ihrer Zone erarbeitet, aber zugleich sollte ich mehr vor Smith auftauchen und ihm die Sicht nehmen. Er ist ein großartiger Torhüter. Er hat die Saves gezeigt, die er benötigte. Ich möchte ihn künftig etwas mehr testen."

Colorado muss sich generell die Frage stellen, ob es letztendlich entscheidend ist, wie sie ihre drei besten Stürmer zum Einsatz bringen. Um Calgary und Smith in Verlegenheit zu bringen, wird mehr nötig sein und das von allen Reihen. Wie immer, wenn ein Torhüter ohne Tadel blieb, ist es am Gegner, ihm das Spiel in der Folge schwerer zu machen, indem mehr Verkehr vor dem Tor herrscht, noch intensiver um die Nachschüsse gekämpft und konzentrierter der Abschluss gesucht wird. Am Ende muss aber die gesamte Mannschaft an einem Strang ziehen und dauerhaft für Druck sorgen, um Fehler zu erzwingen.

"Mir gefiel unser Start in diesem energiegeladenen Gebäude gegen ein ebenso energiegeladenes Team", betonte Trainer Bednar. "Insgesamt denke ich aber nicht, dass wir genug getan haben, um das Match zu gewinnen. Es gab nicht mehr als eine Handvoll Spieler, mit denen ich zufrieden war."

 

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Klare Worte, die verdeutlichen, wo Bednar die Stellschrauben vor Spiel 2 ansetzen möchte, um nicht mit zwei Niederlagen im Gepäck zu Hause im Pepsi Center vor den eigenen Fans zu Spiel 3 am Montag und Spiel 4 am Mittwoch antreten zu müssen. Eine Bürde, die sich dann bereits als zu groß erweisen könnte, um die Überraschung mit dem Einzug in die nächste Runde zu schaffen.

Die Aussage von Bednar sollte die Hoffnung bei Sven Andrighetto schüren, dass er nach dem Verzicht auf seine Dienste in Spiel 1 in der kommenden Begegnung wieder in den Kader rutschen könnte. Die Qualitäten des kleinen, schnellen und kampfstarken Schweizers wären sicher hilfreich.

Ein Faktor im weiteren Verlauf der Serie werden aber auch die Special Teams sein. Nachdem die Avalanche vier Powerplays ungenutzt ließen, im Gegenzug aber bei zwei von vier Gelegenheiten der Flames (die fünfte Überzahl wenige Sekunden vor dem Ende außer Acht gelassen) die Gegentore zum 2:0 (39.) und 3:0 (58.) kassierten, besteht bei Colorado sowohl in Über- als auch in Unterzahl Verbesserungsbedarf.

Ansatzpunkte gibt es für die Avalanche also genug. Doch es war längst nicht alles schlecht und manchmal fehlten nur Zentimeter, wie bei MacKinnons Schuss in der 47. Minute, der an den Pfosten klatschte und den 1:2-Anschlusstreffer bedeutet hätte. 

Egal, ob die Avalanche MacKinnon, Landeskog und Rantanen in Spiel 2 zusammen oder getrennt spielen lassen, das Potenzial ist auf jeden Fall vorhanden, um die Flames in dieser Playoff-Serie zu ärgern. Ein anderes, noch bissigeres Auftreten wird jedoch nötig sein.

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