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Die Ausgeglichenheit ist die Stärke

Ob der Westen oder der Osten in der Liga stärker einzuschätzen ist, das ist in der NHL aktuell nicht mehr zu sagen

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Auch wenn die Pittsburgh Penguins aus der Eastern Conference in diesem Frühsommer ihren Titel durch einen 4:2-Erfolg in der Stanley Cup-Finalserie gegen die Nashville Predators aus dem 'Westen' verteidigen konnten und damit das erste Team seit den Detroit Red Wings in den Jahren 1997 und 1998 wurden, dem es gelang, den Titel in der besten Eishockeyliga der Welt zu verteidigen, stellt sich doch stets aufs Neue die Frage, welche Conference der NHL eigentlich stärker ist. Der Westen oder der Osten?

Und auch wenn der Titel nun eben von einer Conference verteidigt werden konnte, zeigt ein Blick in die Annalen der Liga stets, dass es schier unvorhersagbar zu sein scheint, welche Conference in der Folgesaison am Ende die Oberhand behalten wird. Dafür waren die Ereignisse der Vergangenheit regelmäßig zu ausgeglichen. In diesem Punkt profitiert die Liga eindeutig von der Einführung des sogenannten 'Salary Cap'-Systems, das allen Franchises vorschreibt, innerhalb gewisser finanzieller Mindest- und Höchstgrenzen zu bleiben. Ein absolut ausgeglichenes Teilnehmerfeld ist die Folge.

In der Liga herrschen aktuell Verhältnisse, wie man sie sich hierzulande, unter anderem auch in der Fußball-Bundesliga nur noch wünschen kann, weiß man hier doch stets schon im Vorfeld, wer wirklich ernsthaft für den Titel in Frage kommt. In der NHL ist das aktuell völlig anders.

Zwar gibt es auch in der NHL im Osten und Westen jeweils gewisse Favoritenkreise, doch ob es am Ende dann tatsächlich so kommen wird, das ist völlig spekulativ.

Die Finalteilnahme der Nashville Predators, die im Frühjahr gerade so als achtplatzierte des Westens in die Playoffs einzogen und dann im Stanley Cup Finale den hochfavorisierten Penguins einen aufopferungsvollen und ausgeglichenen Kampf liefern konnten, unterstreicht dies. Die Predators hätten fast genauso gut als Titelträger aus dem großen Zweikampf Ost gegen West hervorgehen können.

Logisch erscheint, dass die Großen des Vorjahres auch in der nun beginnenden Spielzeit wieder zum erweiterten Favoritenkreis auf den Gewinn des Stanley Cups zählen sollten.

Im Osten sind das neben dem Titelverteidiger aus Pittsburgh traditionell auch die Washington Capitals und die New York Rangers. Ob auch die Ottawa Senators, die jüngst etwas überraschend das Conference Finale erreichten, wieder mit dazu gehören werden, erscheint eher fraglich.

Im Westen dürften vermutlich wieder die Anaheim Ducks und die St. Louis Blues gute Karten besitzen. Aber auch eine Rückkehr der Chicago Blackhawks und der Los Angeles Kings in den Kreis der Titelanwärter, gilt vor Saisonstart als wahrscheinlich.

Wie es bei den Nashville Predators nach dem letzten Überraschungserfolg weitergeht, ist spannend. In der Vergangenheit fielen nicht wenige Teams nach einem solchen Erfolg in ein mentales Loch.
Die Entwicklung einiger Franchises gilt derzeit im 31er-Feld als besonders spannend.

Da wären zum einen die Dallas Stars. Der Kader des Teams aus Texas ist gut und tief besetzt. Es wäre wahrlich keine Überraschung, wenn auch die Stars einen langen Lauf in Richtung Titel hinbekommen würden. In Zukunft wird Torhüter Ben Bishop der Rückhalt im Kasten der Franchise sein. Wenn es ihm gelingt, die Defensive des Teams besser zusammenzuhalten, dann sollte das entscheidend für den Teamerfolg werden. Zudem birgt auch Trainer Ken Hitchcock für solide Abwehrarbeit. Fortschritte der Stars erscheinen somit zumindest wahrscheinlich.

Auch die Blackhawks dürften inzwischen das schockierend frühe Aus im Frühjahr verdaut haben. Nach drei Titeln zwischen 2010 und 2015 kann man vom hochkarätigen Kader des Teams wohl wieder mehr erwarten. Wie viel mehr jedoch genau, das bleibt derzeit auch unter den Beobachtern vor Ort noch umstritten. Grundsätzlich müssen sich die 'Hawks' jedoch vor keinem Team der Liga, ob aus Ost oder West, verstecken.

Im Osten gelten die Toronto Maple Leafs als ernsthafte Anwärter auf den Titel 'Überraschungsteam der Saison'. Sie könnten im nächsten Frühjahr in die Rolle der Predators schlüpfen. Eine Teilnahme am Conference-Finale wäre jedenfalls keine Sache mehr, die man nach den jüngsten Erfahrungen ausschließen sollte. Immerhin konnte man im Vorjahr Washington in ein sechstes Spiel zwingen und das junge Team aus Toronto wird in dieser neuen Spielzeit eher besser als schwächer sein. Warum also tiefstapeln in Toronto?

Wäre es überhaupt noch eine Überraschung, wenn die Edmonton Oilers schon in 2018 das große Finale erreichen würden? In den Augen vieler nicht mehr.

Nach den Vertragsverlängerungen mit Kapitän Connor McDavid und dem Deutschen Leon Draisaitl träumt man in Edmonton jedenfalls wieder groß. Die Stützen des Teams sind langfristig gebunden und man kann sich ganz auf die Entwicklung des jungen Teams konzentrieren. Und auch wenn man im Vorjahr noch knapp an Anaheim scheiterte, so laufen die Entwicklungen der Teams doch gegensätzlich.

Anaheim ist ein vergleichsweise altes Team und die Oilers befinden sich noch in der Entwicklungsphase. Sollte man das Kräfteverhältnis bereits in diesem Jahr umdrehen können, es gäbe kein Team in der Liga mehr, vor dem sich die Oilers verstecken müssten.

Und dann der Ost-West-Vergleich am Ende? Wer will da schon etwas prognostizieren? Fast alles ist hier denkbar. Eine tolle Ausgangslage für eine extrem spannende Saison! Freuen wir uns also darauf!

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