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Wir haben keine Chance, also nutzen wir sie!

Deutschland und Schweiz treffen in WM-Viertelfinale auf echte Schwergewichte und wollen befreit aufspielen

von Marc Rösch / NHL.com/de Autor

KÖLN - Am Dienstagabend kurz vor 23:00 war ganz Eishockeydeutschland aus dem Häuschen. Deutschlands Youngster Frederik Tiffels beendete einen wahren Eishockeykrimi in der LanxessArena zu Köln gegen die lettische Nationalmannschaft.

Im letzten Gruppenspiel ging es um alles. Dem Sieger winkte der begehrte Viertelfinaleinzug, dem Verlierer stand das Ende des Turniers bevor. Entsprechend beherzt gingen beide Teams zu Werke und mit jeder Minute, mit der das Spielende näher rückte, wurde die Partie rassiger.

Während Torsteher Philipp Grubauer auf der einen Seite ein ums andere Mal in höchster Not rettete und den Puck aus schier unmöglicher Position rauslöffelte, rannten die Vordermänner unentwegt aufs lettische Tor an. Als Felix Schütz 33 Sekunden vor dem regulären Spielende das Spielgerät aus dem Getümmel zum 3-3 Ausgleich über die lettische Torlinie drückte, lagen die Nerven blank.

Das deutsche Bundesteam hatte sich tatsächlich in die Overtime gerettet. Nach fünf torlosen Extraminuten musste die Entscheidung im Penaltyschießen gefällt werden. Dort waren es eben jener Tiffels sowie ein glänzend aufgelegter Grubauer, der sämtliche lettische Versuch abwehrte, die für Deutschland den Viertelfinaleinzug klarmachten.

"Als sich Frederik zum Penalty bereit machte, wusste ich, dass das eine ganz besondere Nacht für ihn sein kann, wenn er trifft", erzählte Deutschlands Moritz Müller. "Dieser junge Spieler hatte bei dieser Weltmeisterschaft seinen Durchbruch und ich wusste, dass das ein ganz besonderer Moment für Deutschlands Sport werden könnte. Ich freue mich für ihn. Er hat es geschafft. Danach wurde nur noch gefeiert."

Das deutsche Nationalteam hat es geschafft. Nachdem sie sich in den Jahren 2012 bis 2015 vier Mal in Folge nicht für die Endrunde qualifizieren konnte, gelang ihr unter Bundestrainer Marco Sturm nach 2016 in Russland erneut der Sprung unter die letzten acht.

Im vergangenen Sommer unterlag das deutsche Team im Viertelfinale mit 4-1 gegen Gastgeber Russland. Nun baut Coach Sturm darauf, dass seine Männer die richtigen Schlüsse gezogen haben.

"Man lernt ja immer aus Niederlagen", erklärte er. "Ich hoffe, dass die Jungs auch aus diesem Viertelfinale gelernt haben. Wir brauchen uns nicht verstecken, wir haben eine tolle Gruppe. Ich denke schon, dass eine andere Mannschaft auftritt als letztes Jahr in Russland."

Diese Mannschaft trifft am Donnerstag um 20:15 in der LanxessArena auf Topfavorit Kanada. Das kanadische Team dominierte seine Vorrundengruppe B, fuhr teils deutliche Siege ein und landete letztendlich auf dem ersten Rang.

Dennoch musste auch das hochgelobte Team Kanada Federn lassen. Am 13. Mai unterlag das Dreamteam aufopferungsvoll kämpfenden Eidgenossen mit 3-2 nach Verlängerung. Sollte auch der deutschen Mannschaft ein solcher Coup gelingen, wäre dies die wohl allergrößte Sensation.  

"Wir haben absolut nichts zu verlieren" erklärte Sturm. "Man hat teilweise gesehen, dass die Jungs zu nervös gewesen sind. Ich hoffe, dass das nicht mehr so ist. Sie sollen einfach das Spiel gegen einen absoluten Topfavorit genießen. Man hat es auch gegen die Amis gesehen, man kann auch große Nationen schlagen. Wir brauchen wieder einen Torhüter, der wie in Spiel eins Greiss alles hält und für eine Sensation sorgt. Kanada ist stark. Es kommt einiges auf uns zu."

Einiges kommt auch auf die Schweizer zu. Ihnen steht mit Schweden ein echter Brocken vor der Brust. Zeitgleich zu Deutschland bitten die Schweizer in der AccorHotels Arena zu Paris die Tre Kronor zum Tanz.

Sollte sich die Schweiz durchsetzen, so wäre dies eine Premiere in der Eishockeygeschichte. Bislang konnte die Alpenrepublik die Eishockeygroßmacht Schweden noch nie in einem KO-Spiel bezwingen. Doch vielleicht können die Eidgenossen doch Hoffnung schöpfen. Der Druck, der auf dem schwedischen Team lastet, ist enorm.

Nach der Goldmedaille im Turnier 2013 und dem dritten Rang in der Ausgabe von 2014, musste Schweden nun zwei Mal in Folge im Viertelfinale die Segel streichen.

Die weiteren Paarungen versprechen ebenfalls Spannung:

Im Vorfeld des Deutschlandspiels kämpfen die USA und Finnland um den Einzug in die letzten acht. Das Team-USA war die dominierende Mannschaft in der deutschen Vorrundengruppe A. Nach wackeligem Turnierstart fuhren die US-Boys sechs Siege in Serie ein.

Parallel treffen um 16:15 in Paris Russland und die Tschechische Republik in einem echten Ostblockduell aufeinander. Der spielfreudige russische Sturm um Topscorer Artemi Panarin schielt auf den vierten Edelmetallgewinn in Folge.

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