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Schlüsselerlebnisse setzen häufig Energie frei

Die Ligageschichte zeigt, dass Stanley Cup Champions vorher oft durch Krisen gehen mussten

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Die Saison eines Stanley Cup Champions ist in der jüngeren Geschichte der NHL selten glatt verlaufen. Das gilt auch für die die St. Louis Blues und die Boston Bruins, die im Stanley Cup Finale 2019 um den Titel kämpfen. Nach zwei Spielen der Best-of-Seven-Serie steht es 1:1. Weder die Bruins noch die Blues haben eine reibungslose Spielzeit 2018/19 hinter sich. Beim Team aus St. Louis war sogar ein Trainerwechsel nötig, bevor sich die Sache zum Guten wendete. Bei Boston mussten ebenfalls erst schwierige Momente überwunden werden, bevor das Team zu Stärke und Dominanz zurückfand.

"Als Trainer hinterfragst du dich ständig. Es gibt immer Dinge, auf die es einzuwirken gilt. Wir hatten zu Saisonbeginn unsere Schwierigkeiten und haben zu selten Wege gefunden, um die Spiele zu gewinnen. Erst nach dem Winter Classic wuchs das Team so richtig zusammen", sagte Bostons Coach Bruce Cassidy im Hinblick auf die durchwachsene Hauptrunde der Bruins.

Bei St. Louis verlief die Spielzeit bis Januar richtig enttäuschend. Selbst nach dem Wechsel auf der Trainerposition von Mike Yeo zu Craig Berube im November vermochte sich das Team zunächst nur langsam zu steigern. General Manager Doug Armstrong erläuterte die Schwierigkeiten, in denen das Franchise steckte: "Zwar hatten wir auch im Oktober und November schon ein paar ganz gute Spiele abgeliefert. Doch wir haben zu selten gewonnen. Wir brauchten viel Geduld, auch noch nach dem Trainertausch. Wir haben letztendlich unserem Kader vertraut und keine großen Einschnitte vorgenommen. Irgendwann sind wir für unsere harte Arbeit und das Vertrauen belohnt worden. Knackpunkt war aus meiner Sicht das Spiel gegen Florida, das wir 1:0 gewonnen haben. Plötzlich lief es. Es folgten noch zwei Erfolge gegen Nashville direkt hinterher. Statt zur Trade Deadline als Verkäufer aufzutreten, waren wir wieder aussichtsreich im Rennen."

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Ein Blick in die jüngere Geschichte der Liga zeigt, dass solche wichtigen Wendepunkte hin zum Positiven in einer Saison eines späteren Champions eher die Regel als die Ausnahme sind.

So gewann im Vorjahr mit den Washington Capitals ein Team den Titel, bei dem es anfangs nach einer Übergangssaison aussah. Doch auf einmal liefen die Mannen von Trainer Barry Trotz zu großer Form auf. Auslöser war eine 2:6-Pleite bei den Colorado Avalanche am 16. November 2017.

Trotz, der inzwischen bei den New York Islanders angestellt ist, schilderte die Situation bei den Capitals an jenem Tag folgendermaßen: "Ich habe meinem Herzen nach dem Match gegenüber der Mannschaft einmal richtig Luft gemacht und den Spielern knallhart ins Gesicht gesagt, dass es so nicht weitergehen kann." Lange Zeit wurde über den Vorfall nicht öffentlich gesprochen. Doch kurz nach der Meisterschaft im vergangenen Sommer ließen einige Aktive durchblicken, was sich da seinerzeit ereignet hatte. "Trotzy hat einigen Jungs damals reinen Wein eingeschenkt, was auch nötig war. So deutlich war er zuvor noch nie geworden", erklärte T.J. Oshie im Rückblick einige Monate später. "Das hat einige aufgeweckt, schätze ich."

 

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Der Rückflug aus Denver soll dem Vernehmen nach sehr ruhig verlaufen sein. Kaum ein Beteiligter habe gesprochen, wird berichtet. Wie dem auch sei, der gewünschte Effekt trat ein. Am Ende stand der erste Stanley Cup der Organisation zu Buche. Und das in einem Jahr, in dem viele die Capitals nicht unbedingt als einen der Top-Favoriten angesehen hatten. 

Bei den Pittsburgh Penguins herrschte vor den Titelgewinnen in den Jahren 2009 und 2016 ebenfalls dicke Luft. Die Saison 2008/09 lief für die Penguins lange Zeit überhaupt nicht nach Wunsch. "Aus irgendeinem Grund haben wir damals nicht wirklich zusammengefunden", erinnert sich Superstar Sidney Crosby.

Bis Mitte Februar rangierte der Titelanwärter noch auf Rang 10 und damit außerhalb der Playoff-Plätze in der Eastern Conference. General Manager Ray Shero sah sich zum Handeln gezwungen und entband Trainer Michel Therrien von seinen Aufgaben, trotz des sportlichen Erfolgs im Vorjahr. Der damals erst 38-jährige Dan Bylsma übernahm das Ruder und führte das Team im Juni 2009 zur Meisterschaft.

"Das war damals der richtige Schritt", räumte Crosby im Nachgang ein. "Wir brauchten einfach einen frischen Impuls."

Kris Letang steht dies genauso: "Als Dan kam, brachte er direkt neuen Schwung in die Truppe. Plötzlich hatten wir wieder eine ganz andere Energie im Umfeld."

In der Saison 2015/16 wiederholte sich die Geschichte. Nach einem schwachen Verlauf der Hauptrunde feuerten die Penguins im Dezember ihren Trainer Mike Johnston. Mike Sullivan trat seine Nachfolge an, baute viele junge Spieler ein und holte mit der Mannschaft den Stanley Cup.

Allein diese drei Beispiele machen deutlich, dass Widrigkeiten in der NHL-Hauptrunde die Titelchancen eines Teams keineswegs schmälern. Wirklich entscheidend sind stets die Tage zwischen April und Juni, wenn die K.-o.-Phase läuft. In diesem Jahr wird mit den Bruins oder den Blues wieder eine Mannschaft den Pokal holen, die ihr beachtliches Zwischentief erfolgreich gemeistert hat. Auf welchem Wege und durch welche Mittel auch immer.

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