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Blues haben sich ans Gewinnen gewöhnt

St. Louis wird auch in der nächsten Playoffrunde ein unbequemer Gegner sein

von Christian Treptow @NHLde / NHL.com/de

Die Freude war groß bei den St. Louis Blues und ihren Anhängern. Nach dem 3:2-Sieg in Spiel 6 der ersten Runde der Western Conference gegen die Winnipeg Jets geht die irre Reise der Blues weiter. Mit 4:2 Siegen entschieden die Blues die Serie für sich und treffen in der zweiten Runde nun auf den Sieger des Duells Dallas Stars gegen Nashville Predators. 

Dabei sah es zum Jahreswechsel nicht danach aus, dass die Blues in den Stanley Cup Playoffs groß was reißen, geschweige denn, dass sie sich dafür qualifizieren würden. Die Mannschaft aus dem US-Bundesstaat Missouri war Anfang Januar abgeschlagen Letzter in der NHL. Was folgte, war ein Aufstieg, der den Spielern und der gesamten Organisation reichlich Selbstvertrauen gab. Davon zehren sie jetzt in den Playoffs. 

 

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Es war irgendwie von Beginn der Serie gegen die Winnipeg Jets an zu spüren. Die Blues taten sich immer etwas leichter, verloren nie die Zuversicht, konnten, wenn nötig, immer noch eine Schippe drauflegen und ließen sich auch von Rückschlägen nicht aus der Ruhe bringen. Das Selbstvertrauen, dass die Blues hatten und dass den Winnipeg Jets abging, kommt nicht von ungefähr. 30-10-5 - so lautet die Bilanz 2019 der Blues in der regulären Saison, mit der sich St. Louis doch noch für die Endrunde qualifizierte.

Dieser Vorteil, mit einem guten Gefühl in die Playoffs zu gehen, sollte sich auszahlen. Die Blues gewannen alle vier Spiele mit jeweils einem Tor Vorsprung. In Spiel 1 und 5 kam St. Louis spät zurück, drehte jeweils im dritten Drittel einen Rückstand in einen Sieg.

Der Held in Spiel 5 war dann auch gleichzeitig der Held in Spiel 6: Stürmer Jaden Schwartz. In Spiel 5 gelang im wenige Sekunden vor Schluss das entscheidende 3:2. Und in Spiel sechs besiegte er die Jets mit einem Hattrick quasi im Alleingang. Ausgerechnet Jaden Schwartz, mochten sie sich da in Winnipeg gedacht haben. Der Stürmer hatte in der regulären Saison gerade mal elf Tore erzielt. Zwischen dem 20. Dezember und dem 12. Februar gelang ihm gar kein Treffer. "Wir haben nicht viel zugelassen und uns den Allerwertesten abgearbeitet", meinte Schwartz. Sein Lob ging vor allem an die Verteidigung der Blues, die im zweiten Drittel in Spiel 6 dafür sorgte, dass nur ein mageres Schüsschen zu Goalie Jordan Binnington durchkam. Das ist ein Franchiserekord für die wenigsten Schüsse in einem Drittel, die die Blues zugelassen haben. Aber auch die Stürmer hätten gut zurückgearbeitet und die Jets damit frustriert, meinte Schwartz. 

Video: WPG@STL, Sp6: Schwartz per Hattrick zum Blues Sieg

Ein Gesicht des Aufschwungs der Blues ist Goalie Jordan Binnington. Er konservierte seine großartige Form der Vorrunde in den Playoffs und bestand auch die Prüfung nach den Spielen 3 und 4. Spiel 3 verloren die Blues 3:6, wobei Binnington bei einigen Treffern keine gute Figur machte. Und Partie 4 ging 1:2 nach Verlängerung verloren. Beide Spiele fanden zudem vor eigenem Publikum statt. Doch Binnington blieb ruhig und führte die Blues zu einem großartigen Comeback in Winnipeg in Spiel 5. In Spiel 6 hatte er dank seiner Vorderleute wenig zu tun, wehrte 18 von 20 Schüssen ab. Wobei die Gegentreffer auch erst spät im dritten Drittel fielen. Zu spät, um die Blues ernsthaft aus der Ruhe zu bringen.

"Dass wir zu Hause die Serie entschieden haben, macht es noch spezieller", bekannte Binnington. "Wir werden uns jetzt ein bisschen ausruhen und uns dann für die nächste Serie vorbereiten." Eins habe das Team unbedingt vermeiden wollen: Noch mal zurück nach Winnipeg zu müssen. Das hat geklappt. Binnington hat übrigens das Duell der Goalies gegen Connor Hellebuyck klar für sich entschieden.

So geht die irre Fahrt der Blues weiter. Doch wohin? Für eine Mannschaft, die solch einen Lauf hat wie das Team von Coach Craig Berube, scheint nichts unmöglich. Die Blues haben gezeigt, dass sie sich auch von Rückständen nicht aus der Ruhe bringen lassen. Die Comeback-Qualitäten haben sie seit dem 1. Januar gezeigt, und sie haben sie auch in der Serie gegen die Winnipeg Jets unter Beweis gestellt. In Spiel 1 und 5 drehten sie die Partie jeweils erst im letzten Drittel. Das schaffen nur homogene Mannschaften. Und das sollte gleichzeitig auch eine Warnung für kommende Gegner sein: Man darf die Blues einfach nicht abschreiben.

Video: WPG@STL, Sp6: Blues, Jets mittig zum Händeschlag

Die Blues haben aber auch noch andere Fähigkeiten. Sie können den Gegner offensiv überrollen. Davon haben sie zwar in den Playoffs bislang noch keinen Gebrauch gemacht. Das lag aber auch daran, dass sich die Stars in der Offensive bislang noch zurückgehalten haben. Vladimir Tarasenko und Ryan O'Reilly haben jeweils erst zweimal getroffen. Brayden Schenn gar erst einmal. Die meisten Scorerpunkte sammelte bis dato ein Verteidiger - Alex Pietrangelo mit sechs. 

Wie das aber so ist mit Statistiken: Man kann sie auch in die andere Richtung interpretieren. Denn die Blues sind andererseits im Sturm sehr ausgeglichen und nicht von ihren Stars abhängig. Vier Spieler haben bislang zweimal getroffen - neben Tarasenko und O'Reilly waren das noch Oskar Sundqvist und David Perron. Mit vier Toren ist Jaden Schwartz treffsicherster Stürmer im Blues-Trikot.

St. Louis kann aber auch, das hat die Mannschaft gerade in Spiel 6 bewiesen, die Offensive des Gegners äußerst wirkungsvoll eindämmen. "Wir wollten die erste Reihe der Jets hart angehen", verrät Blues-Verteidiger Alex Pietrangelo. Das hat geklappt, wie die Schussstatistik beweist.

Was ist den Blues jetzt noch zuzutrauen? Offenbar sehr viel. Das Momentum hat schon viele Teams zum Sieg getragen. Die Spieler von Berube haben sich ans Gewinnen gewöhnt. Sie glauben an sich und lassen sich auch von Rückschlägen nicht unterkriegen. Ihre Defensive ist sattelfest. Und mit einer guten Verteidigung gewinnt man bekanntlich gerne Meisterschaften. Bis dahin ist es natürlich noch ein weiter Weg. Doch auf der bisherigen Etappe haben die St. Louis Blues unter Beweis gestellt, dass sie in jedem Fall ein unbequemer Gegner sind. Das wird man auch in Nashville und Dallas schon registriert haben.

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