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Franz Reindl im exklusiven Interview

DEB-Präsident zeigt sich in Boston beeindruckt vom Stanley-Cup-Finale 2019

von Christian Rupp @IamCR1 / NHL.com/de

Auf Einladung von NHL-Commissioner Gary Bettman und seinem Vize Bill Daly besuchte DEB-Präsident Franz Reindl das Stanley-Cup-Finale 2019. In Boston nahm sich Reindl viel Zeit für ein Interview mit NHL.com/de und sprach dabei über die Faszination Stanley-Cup-Finale, seine Begeisterung fürs Eishockey und die deutschen Exporte in der NHL. 

Schön, den DEB-Präsidenten beim Stanley-Cup-Finale 2019 zu treffen. Wie kam es dazu?

Ich bin weniger als DEB-Präsident, sondern mehr als Eishockey-Fan hier. Zusammen mit René Fasel (IIHF-Präsident, d. Red.) haben wir uns Spiel 4 in St. Louis und Spiel 5 in Boston angeschaut. Gary und Bill haben uns eingeladen - das nimmt man als Eishockey-Fan natürlich gerne an: Ich kann ohne Stress die Atmosphäre und das Eishockey genießen.

Tweet from @FranzReindl_DE: An incredibly dramatic @NHL final - game 4 - in St. Louis with Bill Daly, @WayneGretzky, Gary Bettman and Ren�� Fasel - Hockey pure! @StLouisBlues @NHLBruins pic.twitter.com/Uk9C0wClm4

Was beeindruckt Sie am meisten beim Stanley-Cup-Finale?

Mich beeindrucken die Atmosphäre und die Energie, die im Stadion zu spüren ist. Auch die Intensität der Spiele, die Leidenschaft, bis zum Äußersten zu gehen. Es ist schon gewaltig, wie der Raum limitiert und wie hart gespielt wird. Die Spieler haben weder Zeit noch Platz. Dabei trotzdem wenig Strafzeiten zu nehmen, das imponiert mir.

Die Physis scheint eine große Rolle einzunehmen…

Es ist beinhart. Es gab Wechsel in St. Louis, die waren geprägt von 25 Hits in 45 Sekunden. Es ist hart, richtig hart. Von der Intensität her ist das schon Eishockey auf dem höchsten Niveau. Das hat mich wahnsinnig beeindruckt.

Video: STL@BOS, Sp5: Krug bringt Steen hinter Tor zu Fall

Welchem Team drücken Sie die Daumen?

Ich sehe es ganz relaxt, bin im Grunde neutral. Es gibt Pros und Contras für beide Mannschaften. Vielleicht bin ich ein bisschen für den Underdog St. Louis. Ich sehe, wie die Mannschaft arbeitet, welche Höhen und Tiefen sie schon durchschritten hat. Ich habe sie schon in China gesehen, wo sie sich auf die Saison vorbereitet haben, deshalb bin ich da ein bisschen näher dran.

Was kann das deutsche Eishockey von der NHL lernen?

In der NHL ist es noch intensiver, weil die Eisfläche kleiner ist und die Top-Spieler dadurch mehr gefordert werden, noch schneller zu antizipieren und zu reagieren. Das Eckenspiel fällt hier so ein bisschen weg, weil es keine mehr gibt. Die DEL kann sich im internationalen Vergleich aber durchaus sehen lassen. Sie hat sich wahnsinnig gut entwickelt, die Spiele waren geprägt von Leidenschaft mit großartigen Playoffs und einer Finalserie Mannheim gegen München, die super anzuschauen war.

 

[Hier findest du alles über die BOS-STL Serie]

 

In Kürze könnte mit Moritz Seider ein deutscher Verteidiger erstmals in der 1. Runde gedraftet werden. Wie sehen Sie seine Entwicklung?

Ich denke, dass Moritz seine Qualitäten insbesondere bei der WM gezeigt hat. Obwohl er verletzt und angeschlagen war, ist er in jedem Spiel besser geworden und hat hervorragend gespielt. Er sucht Lösungen und findet sie in jeder Situation. Das macht ihn auch für die NHL so wertvoll, weil er auf jedem Niveau spielen kann. Ich bin mir ganz sicher, dass er ein großer Spieler werden wird, weil er bodenständig ist, weil er weiß, was er kann und was er tun muss, um noch besser zu werden. 

Mit Lean Bergmann konnte sich ein weiterer junger Deutscher bei der WM ins Schaufenster stellen und unterschrieb kürzlich einen Zwei-Jahres-Vertrag bei den San Jose Sharks. Schafft er den Durchbruch in der NHL?

Ich denke, dass er es schaffen kann, weil er schnell und wendig ist, was du auf der kleinen Eisfläche brauchst. Er hat auch einen super Schuss und das Naturell hart zu spielen und hart zu sich selbst zu sein.

Auch Markus Eisenschmid konnte sich mit seinen Leistungen in der DEL und bei der WM empfehlen, zog sich aber im Viertelfinale gegen Tschechien eine schwere Schulterverletzung zu. Ist sein NHL-Traum geplatzt?

Ich glaube nicht. Die Verletzung ist zwar schmerzhaft und langwierig, aber er wird wieder werden, da habe ich überhaupt keine Sorge. Auch er ist ein moderner Spieler, der die Geschwindigkeit und einen guten Schuss hat. Er wird sich durchsetzen und mittelfristig in der NHL landen, da bin ich mir ganz sicher. 

Mit Leon Draisaitl hat die NHL auch einen deutschen Superstar. Wie sehen Sie seinen Status in der Liga?

Er ist ein außergewöhnlicher Spieler, der außergewöhnliche Dinge tun kann. Danach suchen alle. Leon ist für den besonderen Moment geschaffen und deswegen hat er 50 Tore geschossen und über 100 Punkte gemacht. Ich bin begeistert.

Video: NYR@EDM: Draisaitl nutzt McDavids Pass in Overtime

Bei Tobias Rieder und Tom Kühnhackl laufen jeweils die Verträge aus. Werden sie der NHL erhalten bleiben?

Ich bin nah dran, kenne die Spieler und freue mich, wenn sie es wieder schaffen. Tom ist prädestiniert für die NHL, er ist groß und stark und kann Tore schießen. Tobi hatte ein unglückliches Jahr, war auch verletzt. Aber das passiert einfach mal, dass du eine Serie hast, in der du kein Tor schießt und plötzlich wird es zum Problem. Das ist bedauerlich, ich habe so mit ihm gehofft, dass er das Tor schießt. Ich halte Tobi Rieder für den idealen Mannschaftsspieler, der jedes Team besser machen kann. Er wird sich im Sommer psychisch und physisch erholen und zur neuen Saison wieder voll angreifen. Er ist ein absoluter NHL-Spieler. 

Abschließend noch Ihr Tipp: Wer wird Stanley-Cup-Sieger 2019?

Die Boston Bruins nach sieben Spielen.

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