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DEB-Auswahl sorgte für ein kleines Sommermärchen

von Bernd Roesch / NHL.com

Es gibt Spiele, die bleiben einem ein Leben lang in Erinnerung!

Sommer 1996, Deutschland gegen Tschechien: Nein, es ist nicht die Rede vom Europameisterschaftsendspiel im Wembley Stadion von London, das die deutsche Nationalmannschaft gegen die Tschechische Republik dank des Golden Goals von Oliver Bierhoff in der fünften Minute der Verlängerung für sich entschieden hat.

Für viele deutsche Eishockeyfans dürfte das emotional bewegendere Ereignis gewesen sein, was sich gut zwei Monate später im Olympia Eisstadion von Garmisch-Partenkirchen zugetragen hat.

Fünf Jahre nachdem der letzte Canada Cup stattgefunden hatte wurde zum ersten Mal der World Cup of Hockey ausgetragen. Für die DEB-Auswahl sollte es ein denkwürdiges Turnier werden, bei dem sie sich in den Eishockeyannalen einen positiven Eintrag sicherten. Der Austragungsmodus des von der NHL, NHLPA unter Mitwirkung des IIHF ausgetragenen Turniers war denkbar einfach: Die acht teilnehmenden Teams wurden in zwei Gruppen eingeteilt, einer europäischen mit Schweden, Finnland, Tschechien und Deutschland und einer nordamerikanischen mit den Nationalmannschaften der USA, Kanada, Russland und der Slowakei. Nach der Vorrunde, in der jeder gegen jeden innerhalb einer Gruppe spielte, qualifizierten sich die drei Erstplatzierten für die im KO-Modus ausgetragene Hauptrunde. Angesichts der Gruppenkonstellation und da die sechs favorisierten Teams zum Großteil auf ihre NHL-Stars setzten, gab es so gut wie keine Zweifel, dass für Deutschland, das nur aufgrund einer Wildcard teilnehmen durfte, und für die Slowakei nach drei Spielen das Turnier beendet sein wird.

Schon in den Tagen vor dem offiziellen Start des World Cup of Hockey, war die Euphorie unter den eingefleischten deutschen Eishockeyfans groß. Diese Begeisterung entsprang weniger der Hoffnung, dass ihre Mannschaft auch nur den Hauch einer Chance haben könnte, sondern der Freude einige der besten Eishockeyspieler der Welt live sehen zu dürfen.

Am 20. August trug die von George Kingston betreute deutsche Auswahl ein Vorbereitungsspiel gegen die Sbornaja aus. Gut 4200 Fans kamen ins Landshuter Eishockeystadion um Weltklassespieler wie einen Sergei Fedorov, Igor Larionov, Pavel Bure und Alexander Mogilny - vom Stadionsprecher, vermutlich seiner Aufregung geschuldet, als 'Mogilin' angekündigt - auf dem Eis zaubern zu sehen. Der Kölner Hai Sergei Berezin war der einzige Spieler im Kader der Russen der sein Geld nicht in der NHL verdiente. Von Beginn an dominierte Russland die Partie und ging auch schnell mit 2-0 in Front. Nach der ersten Drittelpause schalteten die Gäste mehrere Gänge zurück und die Partie endete nach zwei Toren von Alexei Kovalev und Treffern von Slava Kozlov und Berezin 4-2 für den Favoriten. Für Deutschland hatten Benoit Doucet und Reemt Pyka getroffen.

Sechs Tage später wurde es ernst: Die Deutschen, bei denen Olaf Kolzig und Stefan Ustorf die einzigen Spieler mit NHL-Erfahrung im Kader waren, mussten ihre ersten zwei Gruppenspiele in Stockholm gegen Schweden und in Helsinki gegen Finnland auszutragen. Erwartungsgemäß zogen sie gegen die Skandinavier mit 1-6 und 3-8 Toren den Kürzeren.

Auch Tschechien hatte seine beiden Auftritte verloren und so kam es am 31. August im oberbayerischen Garmisch zu einem echten Endspiel um den Einzug in das Viertelfinale. Schon vor dem ersten Bully war die Stimmung der aus ganz Deutschland angereisten Fans prächtig. Selbst eine Außenseiterchance rechnete man den Deutschen nicht zu. Die Tschechen traten u.a. mit ihren Superstars Bobby Holik und Petr Sykora von den New Jersey Devils sowie Petr Nedved und Jaromir Jagr von den Pittsburgh Penguins an. Im Tor stand Roman Turek von den Nürnberg Ice Tigers, der schon einen Vertrag von den Dallas Stars in der Tasche hatte. Auch Turek dürfte dieses Spiel in Erinnerung geblieben sein.

Es waren noch keine 2 1/2 Minuten absolviert, als der tschechische Schlussmann zum ersten Mal den Puck hinter sich aus dem Netz holen musste. Der Jubel im weiten Rund war groß, doch keinesfalls überschwänglich angesichts von verbleibenden 57 Minuten. Doch keine zehn Minuten später hatte sich die Arena in ein Tollhaus verwandelt. Jürgen Rumrich, Jan Benda und Thomas Brandl ließen dem Führungstor von Mirko Lüdemann drei weitere Treffer folgen. Für Turek, der durch Petr Briza ersetzt wurde, war nach zwölf Minuten die Partie beendet.

Mit dem 4-0 ging es auch in die erste Drittelpause und nun galt es den Vorsprung über die Zeit zu retten. Der gebürtige Garmischer Joseph 'Peppi' Heiß im Kasten der Deutschen brachte die wild und teilweise kopflos angreifenden Gäste schier zur Verzweiflung. Bis zur 50 Spielminute sollte es dauern ehe sich Heiß durch Jaromir Jagr zum ersten und einzigen Mal geschlagen geben musste. Zwischenzeitlich hatte Benoit Doucet auf 5-0 erhöht gehabt. Den 7-1 Endstand für das deutsche Team stellten schließlich Jan Benda und Andreas Lupzig her als die Tschechen bereits die Köpfe hängen ließen.

Ohne Frage war dieses Spiel das Sensationsspiel des World Cup of Hockey von 1996.

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