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Datsyuk entscheidet in Ruhe über die Zukunft

von Nicholas Cotsonika / NHL.com

TAMPA -- Pavel Datsyuk wollte es nicht wahrhaben, dass es vorbei war. Er wischte sich mit einem Handtuch übers Gesicht und marschierte in Richtung Umkleidekabine. Eine Horde Reporter umringte ihn. In Shorts und einer Aufwärmjacke der Detroit Red Wings stand er Rede und Antwort. Nach einem langen, tiefen Seufzer sagte Datsyuk: "Echt, ich bin in Gedanken immer noch im Spiel. Ich kann nicht glauben, dass wir verloren haben. Das ist eine emotionale Geschichte für mich."

Datsyuks unvergleichliche NHL-Karriere könnte an diesem Donnerstag auf jähe und enttäuschende Weise zu Ende gegangen sein. Schuld daran ist Alex Killorn, Stürmer der Tampa Bay Lightning. Sein 1-0 im fünften Spiel der ersten Playoff-Runde im Osten besiegelte das Aus für die Red Wings.

Vor Beginn der Playoffs hatte der 37-jährige Datsyuk der Detroit Free Press gesagt, dass er nach der Saison seine Rückkehr nach Russland plane. Später teilte er den Reportern mit, dass er sich doch noch nicht sicher sei.

In den wichtigen Momenten von Spiel 5 hat er nach eigenen Worten jedoch nicht über seine Zukunft nachgedacht. Zum Beispiel, als er einen schnellen Gegenangriff abschloss, sein Schuss jedoch in der Fanghand von Ben Bishop landete. Oder nach der Schlussirene, als sich beide Mannschaften zum Handshake aufreihten.

"Zunächst dachte ich, dass wir vielleicht noch ein Drittel zu spielen haben. Dann erst realisierte ich, dass es vorbei ist und wir die Serie verloren haben", sprach Datsyuk in die Mikrofone der Reporter. Er habe sich keine Frist gesetzt, wann er seine endgültige Entscheidung über seine Zukunft treffe. "Ich brauche jetzt ein wenig Zeit zum Abkühlen und um die Emotionen zu verarbeiten. Danach denke ich über alle weiteren Dinge nach."

Datsyuk wurde beim NHL Draft 1998 als 171. Spieler von den Red Wings ausgewählt und entwickelte sich in der Folge zu einem der besten Akteure der Liga. Als Stürmer setzte er sowohl offensiv als auch defensiv Akzente. Zweimal gewann er den Stanley Cup, dreimal die Selke Trophy und viermal die Lady Byng Trophy. Er erzielte 314 Tore und kam auf 918 Punkten bei seinen 953 Hauptrundeneinsätzen. In den Playoffs wurde er 157mal eingesetzt, schoss 42 Tore und verbuchte 113 Punkte.

In Detroit wird man ihn als einen der unterhaltsamsten Spieler in Erinnerung behalten. "Magic Man" nennen ihn die Fans liebevoll. Er besitzt die seltene Mischung aus Kreativität und Kampfkraft. Barry Trotz, Coach der Washington Capitals, sagte über Datsyuk, dass er vor Spielfreude nur so sprühe. Es war tatsächlich eine Augenweide, ihn in Aktion zu sehen.

Befragt, ob dies Datsyuks letztes Match gewesen sein könnte, antwortete Red-Wings-Verteidiger Niklas Kronwall: "Ich hoffe es nicht – für uns, die Fans und die Stadt Detroit." Einige Mannschaftskameraden, Coach Jeff Blashill, General Manager Ken Holland und Klubeigner Mike Ilitch werden auf jeden Fall noch einmal das Gespräch mit Datsyuk suchen. Nicht nur aus Wehmut, sondern aus rein geschäftlichen Gründen. Zumal er noch ein Jahr unter Vertrag steht und es unter diesen Bedingungen für die Red Wings noch einige Fragen bezüglich des Salary Caps zu klären gibt.

"Ihr kennt Pavel gut genug und wisst daher, dass er macht was er will", sagte Blashill. "Er war einer der besten Wettkämpfer, den es in der Liga gegeben hat. Es war eine Freude, ihn dieses Jahr zu coachen. Und ich hoffe, dass ich die Chance bekomme, ihn auch im nächsten Jahr noch zu trainieren."

Die Red Wings sind in einer heiklen Lage. Zwar haben sie sich heuer zum 25. Mal in Folge für die Playoffs qualifiziert, sind jedoch zugleich zum dritten Mal hintereinander in der ersten Runde gescheitert. Für den Gewinner des Stanley Cups von 1997, 1998, 2002 und 2008 eine unzureichende Bilanz. "Es wir immer schwerer für uns. Der erste Schritt ist der Einzug in die Playoffs. Das kriegen wir noch hin. Aber danach kommt nichts mehr. Das ist frustrierend", meint Kapitän Henrik Zetterberg. Er und Datsyuk traten in die Fußstapfen von Steve Yzerman und Sergei Fedorov und hatten großen Anteil am Erfolg der Red Wings über die Jahre. Aber sie sind nicht mehr die Jüngsten, ebenso wenig wie Kronwall. Ob Datsyuk nun ein Jahr früher oder später geht, ist im Grunde nicht entscheidend. Die Red Wings müssen so oder so bald passenden Ersatz für ihr Herzstück finden.

Der Eigner der Red Wings hat dem Management bereits den Auftrag gegeben, den Kader abzurüsten und umzubauen, auch auf die Gefahr hin, deswegen die Playoffs im nächsten Jahr zu verpassen. Der Blick von Klubchef Ilitch richtet sich bereits auf die Saison 2017-18, wenn das neue Stadion eröffnet werden soll. "Ich möchte, dass es dann dank einer guten Mannschaft voll wird", betont er.

General Manager Holland wird versuchen, den Umbau möglichst schnell hinzubekommen. Bei der Trade Deadline am 29. Februar verpflichtete er jedoch noch niemand, weil er kein Vermögen für einen Spieler ausgeben wollte, von dem er nicht sicher sein konnte, dass er eine wesentliche Verstärkung darstellt.

Wenn Datsyuk den Verein verlässt, ist es gut möglich, dass Holland dessen Vertrag nicht weiterreicht und stattdessen die Cap-Belastung in Kauf nimmt, auch wenn das die langjährige Qualifikationsserie für die Playoffs gefährden könnte. Holland möchte aber keine frühen Draftpicks im Tausch gegen Datsyuks Vertrag abgeben, sondern mit ihnen ein neues Team entwickeln.

Niemand in Detroit ist glücklich über die unklare Situation. Aber sie ist die Realität. Am Donnerstag könnte also tatsächlich die Ära Datsyuk bei den Red Wings zu Ende gegangen sein. Ein wenig Bitterkeit schwingt mit. Obwohl er nicht schlecht spielte, machte er in den fünf Playoff-Spielen gegen die Lightning keinen einzigen Punkt. Lediglich ein Pfostenschuss sprang heraus. Auf die Frage nach seiner Gesundheit, sagte Datsyuk: "Gott sei Dank ist alles ok. Nur meine Hand schießt keine Tore mehr." Sprach´s und zog von dannen. Der "Magic Man" ist verschwunden.

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