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Das dritte Freiluftabenteuer

von Bernd Roesch / NHL.com

Die Karawane zieht weiter. Nach dem Bridgestone Winter Classic Game am Neujahrstag und der Begegnung zwischen Anaheim und Los Angeles im Dodger Stadium von Samstag auf Sonntagnacht wird im Süden der Bronx, im Yankee Stadium, am Sonntag Mittag die dritte Freiluftpartie dieses Jahres im Rahmen der 2014 Coors Light NHL Stadium Series stattfinden.

In mühevoller Arbeit wurde und wird die vor fünf Jahren neueröffnete Heimspielstätte der New York Yankees in einen Eishockeytempel verwandelt, in dem über 50.000 Eishockeyfans Platz finden werden. Die Tore des Baseballstadions werden bereits zwei Stunden vor Spielbeginn um 10:30 Uhr für die Zuschauer geöffnet. Die NHL hat auch keine Mühen gescheut, um in der großen Halle und im Innenraum hinter den Blöcken eine Fanzone einzurichten, in der für ausreichend Unterhaltung der Besucher gesorgt werden wird. Stände mit Merchandiseartikeln aller Art rund um die Stadium Series, Fanspiele und die Möglichkeit sich seine eigene Playercard erstellen zu lassen, werden das Herz eines jeden Eishockeyfans gleich welchen Alters höher schlagen lassen.

So wie es aktuell aussieht dürfte auch das Wetter, dem Ereignis würdigend, mitspielen. Kalte -5 bis -7 Grad Celsius bei leichter Bewölkung erwarten die Metrologen für übermorgen Mittag. Nachdem auch kein Niederschlag in Form von Schnee, wie am Neujahrstag in Detroit, vorhergesagt und der vom vergangenen Dienstag bereits weggeräumt ist, steht einem faszinierenden Eishockeynachmittag in der mit 1,5 Milliarden US$ Baukosten teuersten Sportstätte der Welt nichts mehr im Wege.

Hinzu kommt noch, dass mit den New York Rangers und den New Jersey Devils zwei Mannschaften aufeinandertreffen werden, die aufgrund ihrer geographischen Nähe, nur getrennt vom Hudson River, eine besondere Rivalität hegen. Auch die aktuelle Tabellensituation in der Metropolitan Division sorgt für zusätzlichen Zündstoff. Die Rangers rangieren zwar noch auf Platz zwei liegen dabei aber nur vier Punkte vor den sechstplatzierten Devils. Für beide Teams kommt es in dieser Phase der Saison auf jeden Zähler an, um nicht die Playoffs zu verpassen. In der engen Eastern Conference trennen momentan den vierten und den neunten nur fünf Punkte und die nachfolgenden Mannschaften bis hinunter zum 13. Platz nur deren zwei.

Unter zusätzlichen Erfolgsdruck stehen die Manhattan Blueshirts nachdem sie in ihren letzten zwei Auftritten punktlos geblieben waren. Am Donnerstag waren sie den St. Louis Blues mit 1-2 Toren knapp unterlegen gewesen und zwei Tage zuvor hatte es ebenfalls im heimischen Madison Square Garden eine bittere 3-5 Heimniederlage gegen die Islanders gesetzt. Vor allem die Heimpleite gegen den Lokalrivalen dürfte noch stark schmerzen. Mit 3-1 lag man nach einer guten halben Stunde gegen die Mannen aus Long Island schon in Front und gab dann das Spiel gegen Tavares&Co. doch noch aus der Hand.

Im anstehenden Outdoormatch gegen die Devils dürfte erneut Rick Nash eine Schlüsselrolle spielen. Der 29-jährige Außenstürmer befindet sich in einer Topform. In den letzten vier Partien gelangen Nash sechs von 13 Toren seiner Rangers und er ist, obwohl er nur 36 von den bisherigen 53 Saisonpartien bestritten hat, mit mittlerweile 17 Treffern ihr bester Torschütze. Die mangelnde Chancenverwertung des Traditionsteams, Nash in seiner momentanen Verfassung sei hier mal explizit außen vorgelassen, setzt sich schon fast die gesamte Saison hindurch fort.

Im Durchschnitt schießen die Rangers nur knapp 2,5 Tore pro Spiel und sind damit nur Mittelmaß im Osten. Auf ungefähr gleichem Niveau befindet sich ihr Gegentrefferschnitt. Die Leistungen des Teams von Alain Vigneault schwanken in dieser Saison von genial bis indiskutabel. Ähnlich sieht es bei ihrem schwedischen Startorhüter Henrik Lundqvist aus, der zwar schon drei Shutouts für sich verbuchen konnte, mit einer Rettungsquote von 91,5 Prozent jedoch nur den 21.

Platz unter allen Torhütern der Liga belegt und damit weit hinter den Erwartungen liegt. Die fehlende Unterstützung von seinen Vorderleuten in der einen oder anderen Szene hat hierbei auch eine Rolle gespielt. Ein ganz besonderer Nachmittag dürfte das anstehende Spiel für Verteidiger Kevin Klein werden, der bekanntlich erst vor zwei Tagen von Nashville zu den Rangers getradet wurde und nun, wovon er vor einer Woche noch nicht einmal zu träumen gewagt hätte, an diesem Freiluft-Eishockeyevent teilnehmen darf.

Profitieren könnte die Defensivabteilung der Hausherren davon, dass ihr Gegner im Yankee Stadium, die New Jersey Devils, im bisherigen Saisonverlauf häufig noch weniger Schrecken in der gegnerischen Angriffszone verbreitet haben als ihr eigenes Team. Mit nur 122 Toren verfügen die Devils über den fünftschlechtesten Sturm der Liga. Dass die Mannschaft aus Newark auch anders kann, das haben sie am Dienstag bewiesen, als sie mit einem 7-1 Kantersieg den St. Louis Blues einen Denkzettel verpassen konnten. Es war New Jerseys höchster Sieg in dieser Saison.

Gerade rechtzeitig nach seiner einmonatigen Verletzungspause ist der Schweizer Damien Brunner wieder fit geworden und stellte auch gleich unter Beweis wie wichtig er ist. Obwohl er nur gut 13 1/2 Minuten auf dem Eis stand, war er mit einem Tor und zwei Vorlagen gleich an drei Treffern des Schützenfestes beteiligt gewesen und wurde als bester Spieler der Partie ausgezeichnet. Über die gesamte Saison hindurch sind New Jerseys erfolgreichste Stürmer die tschechische Eishockeylegende Jaromir Jagr mit 40 Scorerpunkten sowie sein Landsmann Patrik Elias mit 27 Punkten. Beide nähern sich im Alter von 41 bzw. 37 Jahren ihrem Karriereende. Für sie wird die Teilnahme an einem Spiel der Stadium Series ein weiteres Highlight, in ihrer an Höhepunkten nicht armen Eishockeylaufbahn, darstellen.

Das Paradestück der Devils ist fast schon traditionell auch in diesem Jahr wieder einmal die Verteidigung. Mit nur 116 Gegentoren verfügen sie über die zweitbeste Defensive der Eastern Conference. Der einzige Unterschied in dieser Saison ist. dass ihr Schlussmann Martin Brodeur nicht mehr die unumstrittene Nummer 1 ist sondern sich mit dem Ex-Canuck Cory Schneider, statistisch liegt er mit seiner Fangquote von 92,6 Prozent und seinem Gegentrefferschnitt von 1,88 sogar vor Brodeur, die Aufgaben teilt. Wer von beiden in der so wichtigen Partie gegen die Rangers den Vorzug bekommen wird, dazu könnte eine Vorentscheidung bereits am Samstag gegen die Washington Capitals fallen, wenn die Devils ihren letzten Auftritt vor dem Classic Game haben werden.

Stellt sich zum Schluss noch die Frage, wie das Eishockeyspektakel im Yankee Stadium ausgehen wird? Vermutlich wird es wieder eine ganz knappe Angelegenheit, wobei ich leichte Vorteile bei den Rangers sehe. Sollte die Partie erneut erst im Shootout entschieden werden können, dann stehen die Aussichten für einen Sieg der Rangers sogar recht gut, denn New Jersey konnte von acht Penaltyschießen in dieser Saison noch keines gewinnen.

Eines steht aber auf jeden Fall schon fest, unabhängig von allen Prognosen. Dieses Spiel am Sonntag, das in Mitteleuropa zur besten Sendezeit um 18:30 Uhr stattfindet, wird uns alle erneut begeistern.

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