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Kein NHL-Spiel wie jedes andere

Beim Spiel Rangers gegen Islanders geht es in New York um mehr als nur um zwei Punkte auf dem Eis

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Es gibt Spiele, die sind etwas ganz Besonderes, noch bevor sie gespielt wurden. In der NHL gehören die New Yorker Stadtderbys zwischen den Rangers und den Islanders ohne Zweifel dazu.

Gestern stand mal wieder ein solches auf dem Spielplan. Und wer es sich angeschaut hat, der wurde nicht enttäuscht. Das Barclays Center in Brooklyn bot wieder einmal eine ganz spezielle Atmosphäre an diesem Abend. Deutlich zu vernehmende Anfeuerungsrufe für beide beteiligte Teams sind so in der Liga nicht alltäglich.

Die jüngste Ausgabe des emotionalen New Yorker-Eishockey-Derbys gewannen nach Toren von Scott Mayfield, Jason Chimera, Andrew Ladd und John Tavares am Ende bekanntermaßen die tabellarisch schlechter platzierten 'Isles' mit 4:2 Toren.

Torhüter Jaroslav Halak, später auch offiziell zum 'First Star' des Spiels in der Halle erkoren, verbuchte an diesem Abend 36 Saves für sein Team, 16 davon alleine im Eröffnungsdrittel, half den Gastgebern ihre aktuelle Serie auszubauen. Für die Gäste aus Manhattan trafen Jimmy Vesey und Marc Staal.

Am Ende in diesem Fall zu wenig für die 'Blueshirts', die somit die Revanche für die Auftaktniederlage im Madison Square Garden am Premierenspieltag der neuen Saison 2016-17, als die Islanders ihrerseits dort noch mit 3:5 Toren unterlagen, über sich ergehen lassen mussten.

Da es gestern jedoch erst das zweite von vier Treffen in der Hauptrunde der NHL zwischen diesen beiden Rivalen war, stehen allen Eishockeyfreunden noch zwei weitere dieser höchstattraktiven Derbys ins Haus.

Video: NYR@NYI: Tavares in Überzahl an die Latte und rein

Doch woher kommt diese ungewöhnlich emotionale Stimmung in den Arenen bei allen Duellen zwischen den Rangers und den Islanders. Worin begründet sich das Konkurrenzdenken beider Franchises, abgesehen von der örtlichen Nähe bei der Teams?

Werfen wir auf der Suche nach zumindest ein paar Antworten auf diese Frage einmal einen kurzen Blick zurück in die Anfänge dieser Konkurrenz.

Das erste Spiel zwischen beiden Teams stieg am 27. September 1972. Es war ein Vorbereitungsspiel im Nassau Colisseum auf Long Island. Das inzwischen in 'Rente' geschickte Gebäude in Uniondale verfügte seinerzeit noch nicht einmal über eine eigene Anzeigetafel. Man lieh sich seinerzeit eine provisorisch anmutende Tafel mit der Beschriftung 'Home' und 'Guest' aus einer Trainingshalle der Rangers, wie die New York Times im Jahre 2015 berichtete.

Dieses Spiel legte jedoch die Grundlage für eine jahrelange Rivalität die bis zum heutigen Tage andauert, auch wenn die Islanders das altehrwürdige Colisseum ja inzwischen auch längst in Richtung Brooklyn verlassen haben.

Ähnlich wie auch bei vielen Sportrivalitäten in Europa geht es im Kern bei der Konkurrenzsituation zwischen Rangers und Islanders im Kern um die Konkurrenz zwischen den Etablierten, und den aufstrebenden Neulingen in der Szene. Als Original-Six-Franchise der NHL galten die Rangers natürlich als die Etablierten, die Islanders hingegen als frische, eher noch unverbrauchte Kraft im Eishockey der Region. Ähnliche Verhältnisse pflegen abseits der NHL übrigens in der Stadt New York auch die Yankees und die Mets im Baseball, die Jets und die Giants im Football und auch die Nets und die Knicks im Basketball. Immer geht es neu gegen 'alt', groß gegen 'klein'. So auch im Falle der Eishockeyrivalität der Stadt.

Die etablierten Rangers gewannen das erste Aufeinandertreffen mit ihren neuen Rivalen damals übrigens mit 6:4 Toren.

Nur etwa einen Monat später begegneten sich beide Teams dann übrigens auch in einem regulären Ligaspiel. Schon damals war die Reaktion des Publikums gespalten. Etwa die eine Hälfte jubelte den Gästen aus Manhattan zu, die andere Hälfte unterstützte den Underdog, den Neuling in der Liga. Am Ende gewannen die favorisierten Blueshirts auch dieses Spiel knapp, 2:1 hieß am Ende. Es war der Auftakt einer sich etablierenden Rivalität zwischen beiden Fanlagern und den Spielern beider Franchises. Helden der ersten Stunde waren heutige Legenden wie etwas Torhüter Billy Smith, Rangers-Torschütze Vic Hadfield, oder auch Gilles Villemure, der den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielte.

Die Tatsache, dass die Islanders sich sportlich dann rasant entwickelten förderte die Rivalität dann natürlich entsprechend. In den Playoffs des Jahres 1975 traf man erstmals in einer KO-Serie aufeinander. Ein Tor in der Verlängerung des allesentscheidenden dritten Spiels zwischen beiden Teams im MSG durch J. P. Parise brachte den 'Isles' seinerzeit den ersten großen Erfolg gegen den Stadtrivalen in den Playoffs. Das verschärfte die Rivalität natürlich entsprechend. Der vermeintliche Underdog war nun tatsächlich auf Augenhöhe angekommen.

Das mochten auch viele Fans der Rangers nicht sehr, wie man verstehen kann. Wer räumt schon gerne seine Vormachstellung in der Stadt für einen Lokalrivalen?

In den Playoffs des Jahres 1979 revanchierten sich die Rangers sportlich. Es folgte jedoch die sportlich erfolgreichste Zeit der Islanders-Historie mit vier Stanley-Cup-Erfolgen. Hart zu ertragen für den gemeinen Rangers Fan, der seit dem Jahre 1940 auf den großen Silberling in den Händen seiner Lieblinge warten musste. 'Isles'-Fans quälten die ungeliebten Rivalen seinerzeit gerne mit dem Schlachtruf '1940!', was die Rivalität auf ein neues Level anhob und die Kräfteverhältnisse in der Beziehung beider Clubs im Vergleich zu den ersten Jahren umkehrte. Plötzlich waren die Neulinge das eindeutig erfolgreichere Team, befanden sich die Großstadtjung vom Broadway in der Defensive.

Innerhalb weniger Jahre hatten sich die Neulinge mit einem der schwächsten Statistiken der Liga zu einer dominierenden Franchise in der Liga gewandelt.

Die Revanche glückte den Rangers dann im Jahre 1994 als sie ihre lange Durststrecke beim Kampf um Lord Stanleys Cup endlich beenden konnten, die Vancouver Canucks in der Finalserie bezwingen konnten. Zu dieser Zeit schwächelten dann die zuvor erfolgsverwöhnten Islanders sportlich. Das Selbstbewusstsein der Rangers hingegen fand zurück zu altbekanntem Niveau. Endlich war man wieder 'der Große' am Ort.

Es ist dieses Wechselspiel der Kräfte, das unterschiedliche Ego von 'Großstadtjungs' und 'Vorstädtern', vom Neuling gegen die Altetablierten, die das Spiel der Kräfte seit dieser Zeit jedes Jahr auf ein Neues befeuert, diese Spiele im NHL-Kalender immer zu etwas ganz besonderem machen. Ganz unabhängig vom aktuellen Tabellenstand übrigens.

Und ob die Spieler auf dem Eis mit der Ligageschichte nun persönlich besonders vertraut sind, oder auch nicht, spätestens wenn sie bei einem Derby zwischen den Rangers und den Islanders auf dem Eis stehen, dann können sie diese ganz besondere Energie von den Rängen spüren. Eine Energie, wie sie im Profisport moderner Prägung längst nicht alltäglich ist…

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