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Das beste Team das Washington jemals hatte

von Bernd Roesch / NHL.com

Wenn die Kirschblüten der Bäume am Tidal Basin oder entlang der Independence Avenue in Washington D.C. schon langsam am Verblühen waren, war meistens auch schon der der Traum der Washington Capitals vom Gewinn des Stanley Cups ausgeträumt.

Seit ihrer Gründung im Jahre 1974 qualifizierten sich die Capitals 26 Mal für die Stanley Cup Playoffs, 14 Mal war für sie in der ersten Playoffrunde bereits Schluss und nur einmal, im Jahre 1998, überstanden sie auch das Conference Halbfinale, wurden Conference Champion und zogen in die Endspiele um den Stanley Cup ein, wo sie den Detroit Red Wings mit einem 'Sweep' (0-4 Siege) unterlagen.

In diesem Jahr sollte alles besser werden, doch nach vier Partien in der zweiten Runde der Stanley Cup Playoffs der Eastern Conference lagen die Capitals bereits mit 1-3 Siegen hinten. Das war eine Ausgangsposition, die unter den Fans der Capitals nicht gerade für Optimismus sorgte. Durchhalteparolen sind in den Playoffs nichts Außergewöhnliches. Selbstverständlich würde niemals ein Spieler oder ein Trainer auch nur an ein Ausscheiden denken, geschweige denn einen solchen Gedanken öffentlich kundtun, solange es für die Mannschaft noch eine theoretische Chance gibt die nächste Runde zu erreichen.

Auch die Capitals wurden nach ihrer Niederlage am Mittwoch in Pittsburgh nicht müde den Pressevertretern mitzuteilen, dass sie bis zum Ertönen der Schlusssirene des alles entscheidenden Spiels, das ihren Sieg oder ihre Niederlage besiegelt, an einen Erfolg glauben.

Gesagt, getan: Die zwei Tage Pause taten dem Team von Barry Trotz, das sich neuformiert hatte, sichtlich gut. Die Capitals ließen die Penguins kommen und warteten auf ihre Chancen, die sich dann auch in Form von Überzahlsituationen boten, wovon sie je eine im ersten und zweiten Drittel zur Führung nutzten.

Nicklas Backstrom stellte nach der Partie noch einmal klar, dass der Weg zum Erfolg nur über die Defensive führt: "In den Playoffs kommt es darauf an wie du als Team funktionierst und selbstverständlich würde man gerne selbst punkten. Doch zur selben Zeit möchte ich auch im Abwehrdrittel Verantwortung übernehmen und sicherstellen, dass wir dort gut sind - auch wenn ich in einer Offensivreihe spiele. Es ist ungemein wichtig defensiv gut zu stehen."

In Spiel 5 haben die US-Hauptstädter das sehr gut umgesetzt. Die Penguins kamen nur durch ein frühes Überzahltor zum Ausgleich. Die Hausherren hielten sich anschließend, bis auf einer Ausnahme, weitestgehend der Strafbank fern und ließen nichts mehr anbrennen.

Ein Spieler der Capitals, der die Situation gewinnen zu müssen aus dem Effeff kennt, ist Justin Williams. Der Torschütze des 3-1 im Verizon Center war schon 2014 mit dabei, als die Los Angeles Kings auf ihrem Weg zum Titelgewinn in der ersten Runde der Western Conference gegen die San Jose Sharks mit 0-3 Siegen hinten lagen und die Serie noch drehen konnten.

"Die Haltung eines jeden von uns ist die, dass er nicht heimgehen möchte, dass er nicht will, dass unsere Saison beendet ist. Wir haben sie einmal gestoppt und wir möchten das ein zweites Mal schaffen." Der 34-jährige Rechtsaußen, der es in den bisherigen elf Playoffpartien auf zwei Tore und drei Assists gebracht hatte, vertiefte noch einmal seine Aussage: "Wir lagen 1-3 zurück und liegen nun 2-3 zurück. So langsam werden die Nadelstiche, die wir setzen können, mehr und du erhöhst damit den Druck auf sie [die Penguins]. Wir brauchen noch mehr davon in Spiel 6."

Spiel 6 findet in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wieder im Consol Energy Center von Pittsburgh statt.

Die Franchise aus Washington schöpft ihre Zuversicht auch daraus, dass ihre Leistungsträger parat sind. Alex Ovechkin kam in der Serie gegen die Pens auf zwei Tore und drei Assists, T.J. Oshie erzielte in Spiel 1 einen Hattrick und war am Samstag mit einem Tor und einer Vorlage an zwei Treffern beteiligt gewesen. Evgeni Malkin und Sidney Crosby, zwei der Topstürmer der Penguins, konnten dagegen die Capitals weitestgehend in Schach halten - sie ließen nur jeweils zwei Scorerpunkte dieser Ausnahmeathleten in den fünf Aufeinandertreffen zu.

Bei der Zuversicht der Capitals handelt es sich keinesfalls um Zweckoptimismus. Es kommt glaubwürdig rüber, wenn sich ihr Schlussmann Braden Holtby kämpferisch zeigt: "Wir sind bereit noch lange Eishockey zu spielen und das bedeutet, dass wir auch durch ein paar Widrigkeiten gehen müssen."

Und Verteidiger Karl Alzner noch einmal hervorhebt, dass viele von ihnen [im Kader] fest daran glauben, dass sie die beste Mannschaft sind, die Washington jemals hatte.

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