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Ein Mann der Geschichten schreibt

Alex Ovechkin hat ein Faible für besondere Momente. Am Mittwoch könnte ein weiterer folgen

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Wohl dem, der einen der 18.500 Plätze im Verizon Center von Washington ergattern konnte. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag geben sich in der Arena der Washington Capitals mit den Pittsburgh Penguins der amtierende Stanley Cup Champion die Ehre. Manch ein gut situierter Eishockeyfan wird wohl bis kurz vor Spielbeginn noch tief in die Tasche greifen, damit er die Partie live vor Ort verfolgen kann. Schon aufgrund der Tabellensituation in der Metropolitan Division ist es ein brisantes Aufeinandertreffen. Die beiden zurzeit erfolgreichsten Teams in der NHL liegen punktgleich hinter den Columbus Blue Jackets auf dem zweiten Rang der Metropolitan. Beide Mannschaften haben einen Lauf: Die Capitals möchten ihre Siegesserie auf sieben, und Pittsburgh die seinige auf sechs Spiele ausbauen.

Doch damit nicht genug! Mit Sidney Crosby und Alex Ovechkin werden sich zwei Stürmer gegenüberstehen, deren Biographien auf sportlicher Ebene einige Parallelen vorweisen.

Sie dominieren seit über einem Jahrzehnt den Eishockeysport, sie wurden an Nummer 1 bei einem NHL Draft gezogen - Ovechkin 2004 von den Capitals und Crosby ein Jahr darauf von den Penguins - sie gaben am 5. Oktober 2005 ihre NHL-Debüts und konnten bereits in ihrer Rookie-Saison über 100 Scorerpunkte erzielen. Im Anschluss dieser Spielzeit durfte Ovechkin mit dem Gewinn der Calder Trophy seine erste Auszeichnung in Empfang nehmen - der russische Stürmer hatte vier Scorerpunkte mehr erzielt als Crosby, der es auf 102 gebracht hatte.

In ihren eindrucksvollen Karrieren sind die zwei Ausnahmestürmer insgesamt 56 Mal in der NHL sowie auf der internationalen Bühne, bei Weltmeisterschaften, bei Olympischen Spielen oder beim World Cup of Hockey 2016 aufeinandergetroffen. 36 Mal hatte der Kanadier das bessere Ende für sich. Unvergessen sind die zwei Stanley Cup Playoffserien zwischen Pittsburgh und Washington in den Jahren 2009 und 2016, in denen nach sieben und sechs Partien jeweils die Penguins die Oberhand behielten. Anschließend durfte sich die Franchise aus Pennsylvania sogar über den Gewinn des Stanley Cups freuen.

In der laufenden Saison ist es bereits das dritte Aufeinandertreffen der Divisionsrivalen. Das erste Spiel gewannen die Penguins, ohne den verletzten Crosby im Kader, nach Penaltyschießen mit 3-2, das zweite entschieden die Capitals vor heimischer Kulisse mit 7-1 Toren für sich. Dem Kantersieg am 16. November steuerte Ovechkin den Treffer zum 6-0 Zwischenstand bei.

24 Spiele später, in denen er 21 Mal punkten konnte, hat Washingtons Torjäger die große Chance sich ausgerechnet im Aufeinandertreffen mit seinem großen Rivalen in die NHL-Geschichtsbücher einzuschreiben. Nach dem Galaauftritt vom Montag, als er im Bell Centre gegen die Montreal Canadiens an drei Toren seines Teams beteiligt gewesen war, fehlt dem Linksaußen früher als erwartet nur noch ein Zähler, um seine 1000 voll zu machen.

Weltweit werden sich die Augen der Fans auf den extrovertierten Stürmer richten. Mit gesundem Ehrgeiz wird Ovechkin diese Partie angehen. Er hat schon oft bewiesen, dass er für "außergewöhnliche Momente" gut ist, wie es sein Trainer Barry Trotz nach dem Spiel in Montreal treffend ausgedrückt hat. Ausgerechnet in der frankokanadischen Metropole schoss Ovechkin seinen 544. NHL-Treffer. Es war nicht irgendein Tor in irgendeiner Arena, nein, er zog damit in der ewigen NHL-Torjägerliste gleich mit Maurice Richard, der großen Sturmlegende der Canadiens, dem ersten Spieler in der NHL-Historie der 500 Tore erzielen konnte. Ovechkin gab anschließend unumwunden zu, dass er "jede Sekunde, jeden Moment, in dem er die Gelegenheit habe etwas Besonderes zu schaffen, genieße", dass er älter wird, aber er sich an sein "erstes Jahr, sein erstes Spiel so erinnere, als läge es erst fünf Minuten zurück."

Video: WSH@MTL: Ovechkin erzielt seinen 999. NHL-Punkt

Besonders erinnerungswürdig könnte auch der 11. Januar 2017 für ihn werden, sollte ihm gegen jene Mannschaft, gegen die ihm in 46 regulären Saisonpartien 28 Tore und 19 Assists gelangen, die 1000er Marke knacken können. Trotz ihrer Rivalität und ihren Persönlichkeiten, die kaum unterschiedlicher sein könnten, zollten sich Crosby und Ovechkin immer gegenseitig Respekt. Die Frage, wer von ihnen der bessere sei, spielte für sie zu keinem Zeitpunkt ihrer Karrieren eine Rolle. Die Penguins würden auch einen Fehler begehen, sollten sie sich übermorgen zu sehr auf Ovechkin konzentrieren. Ihr Hauptaugenmerk muss auf den zwei Zählern liegen, die es zu gewinnen gilt. Da die Penguins bei ihrem letzten Auftritt in der US-Hauptstadt untergegangen waren, haben sie noch einiges gut zu machen.

Die besten Voraussetzungen für eine faszinierende Begegnung, die Geschichte schreiben könnte, sind wahrlich gegeben. Spielbeginn ist am Mittwochabend um 20:00 Uhr Ortszeit.

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